Angela Merkel in Bayreuth
Wahlkampf statt Wagner

Politik BY
Bayern
24.08.2017
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Dieses Mal ist Angela Merkel nicht wegen der Festspiele in Bayreuth. Die Regierungschefin sieht erschöpft aus, als sie am Donnerstagabend im Bayreuther Harmoniehof vor die rund 4000 Zuschauer tritt. Und erntet mit einem Lapsus gleich einige Lacher.

Bayreuth. Ihr Versprecher, "in Oberbayern" zu sein, ruft in Oberfranken Heiterkeit hervor; sie schiebt ihren Ausrutscher rasch auf Hans-Peter Friedrich, den oberfränkischen CSU-Bezirksvorsitzenden, der zuvor zu viel von Oberbayern gesprochen habe. Etwa als er den Ministerpräsidenten Horst Seehofer begrüßte, der kurzfristig und etwas überraschend zu der ersten Wahlkundgebung der Kanzlerin in Bayern gekommen war.

Angela Merkels Rede plätschert anfangs dahin und wird erst im weiteren Verlauf etwas stärker. Aus dem Hintergrund ertönen ab und zu Pfiffe und Buhrufe. Einer Wahlrede entsprechend zählt die Kanzlerin ihre Leistungen auf. Die Zahl der Arbeitslosen sei halbiert worden, "seit ich Kanzlerin bin". Weil es Deutschland wirtschaftlich so gut gehe, "konnten Renten und Reallöhne steigen". Merkel erklärt aber, Deutschland stehe vor großen Herausforderungen: "Wir sind uns einig, dass sich ein Flüchtlingszustrom wie 2015 nicht wiederholen kann und darf." Deswegen habe sie sich früh für ein Abkommen mit der Türkei eingesetzt. Im gleichen Atemzug würdigt sie die Arbeit der Flüchtlingshelfer. "Das war ein tolles Stück Deutschland." Sie verspricht, den Kommunen auch über 2018 hinaus bei der Flüchtlingsintegration zu helfen. Sie räumt Versäumnisse ein. "Wir haben der Türkei nicht geholfen, als sie drei Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat."

Deutschlands Stärke sei seine Vielfalt, erklärt die Kanzlerin außerdem. Sie sagt ein "klares Ja" zur Lebensqualität im ländlichen Raum, dort lebe die Hälfte der Deutschen. Sie preist die 25 Millionen Ehrenamtlichen in Deutschland. Sorge äußert sie um die deutsche Automobilindustrie, die sie "schlagkräftig" sehen wolle. Gegen den Terrorismus, diese "Geißel der Menschheit" müssten sich die Staaten austauschen. Die Polizei möchte Merkel auch gegen Einbrecher stärken. "Wir werden ein Muster-Polizeigesetz auf Bundesebene machen."

Und Seehofer? Der war sichtlich um Harmonie bemüht. "Nach zwölf Jahren Angela Merkel geht es Deutschland hervorragend, so gut wie nie zuvor, in Bayern geht's uns noch besser", meinte der Ministerpräsident. Die Kanzlerin schließt ihre Rede dann auch mit den Worten: "Ich würde gerne für weitere vier Jahre ihre Bundeskanzlerin sein."
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