Bayerische Trotzigkeit
„Jetzt erst recht“

Politik BY
Bayern
21.12.2016
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Wer Angst hat, macht gerade lieber einen großen Bogen um Weihnachtsmärkte. Doch viele Menschen lassen sich von dem Anschlag in Berlin nicht abschrecken. Ihr Motto: "Jetzt erst recht."

München/Nürnberg. Es ist eiskalt, aber die Sonne lacht - und auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt schieben sich am Dienstag wie schon in den vergangenen Tagen gut gelaunte Besuchergruppen durch die Budenstraßen. "Angst nach den Berliner Anschlägen?" Der Erlanger Oliver Weituschat schüttelt den Kopf. "Ich würde eher sagen: Jetzt erst recht. Wenn man sich jetzt einschüchtern lässt, hätten die Täter ja erreicht, was sie wollten", meint er entschlossen. Und seine Bekannten neben ihm nicken zustimmend. Die Menschen in Bayern bieten dem Terror die Stirn - und trauern um die Toten und Verletzten aus Berlin, bei Friedensgebeten, Gottesdiensten und Schweigeminuten.

Mehr Beamte auf Streife

Trotzdem ist die Polizei wachsam. Deutlich mehr Beamte als sonst patrouillieren über die Weihnachtsmärkte, manche sogar mit Maschinenpistolen. Und wer am Nürnberger Christkindlesmarkt weihnachtlichen Budenzauber sucht, muss sich an bulligen Polizeibussen vorbeizwängen, die die Zugänge abriegeln. Damit wollen die Behörden Anschläge mit Lastwagen wie in Nizza und nun auch Berlin verhindern. Auch in Forchheim reagierte das Ordnungsamt auf die Sorgen der Bürger und kündigte Straßensperren an. Doch die Besucher bleiben entspannt und genießen - wie in Augsburg, Regensburg oder München - die vorweihnachtliche Stimmung. Der Kroate Ivan kauft sich gerade eine Ansichtskarte auf dem Marienplatz in München. Das mit der Angst vor dem Sterben nimmt er fatalistisch: "Wenn es passieren soll, dann wird es passieren", meint der junge Mann, der gerade beruflich in München ist. Andere bahnen sich vollbeladen mit Tüten ihren Weg durch die Menge. Dass doch etwas anders ist an diesem Tag, davon zeugt vor allem der Trauerflor an den Fahnen vor dem Rathaus - eine bayernweite Anordnung von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) als Zeichen der Solidarität mit Berlin.

Bayerische Trotzigkeit

Auch Michael Spörl in Nürnberg macht sich so seine Gedanken. "Angst habe ich nach einer solchen Tat wie in Berlin vor Trittbrettfahrern. Denn verhindern kann man so was nicht", glaubt der Mitarbeiter eines Lebkuchenstandes. Der Glühweinverkäufer Rudolf Pelzer aus München nimmt es gelassener: "Wenn deine Zeit abgelaufen ist, dann ist sie abgelaufen", findet er.

Betroffenheit mischt sich mit Trotz. Eine Sprecherin der Stadt Bamberg bringt auf den Punkt, warum die Menschen nicht fernbleiben. "Es wäre die falsche Botschaft: Sonst hätten Angreifer ja erreicht, was sie erreichen wollen."
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