10.04.2018 - 15:36 Uhr
Deutschland & Welt

Bayern führt Landespflegegeld Söder verspricht 400 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich

Die Situation für Pflegende und Pflegebedürftige im Freistaat Bayern soll sich möglichst schnell verbessern. Rund 465 Millionen Euro zusätzlich will die Staatsregierung dafür pro Jahr zur Verfügung stellen.

Wer in Bayern einen Angehörigen pflegt, soll dafür mehr Anerkennung erhalten - und mehr Geld. Dafür plant die Staatsregierung die Einführung eines Landespflegegeldes. Archivbild: Daniel Reinhardt/dpa
von Jürgen UmlauftProfil

München. Die Staatsregierung führt noch vor der Landtagswahl ein bayerisches Landespflegegeld in Höhe von 1000 Euro pro Jahr ein. Erhalten sollen es alle in Bayern lebenden Pflegebedürftigen ab der Pflegestufe 2, die zu Hause von ihren Angehörigen betreut werden, das sind rund 360 000 Menschen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem "wichtigen Signal für die soziale Sicherheit im Alter". Die Leistung sei auch ein "Zeichen des Dankes und der Ermutigung" für die pflegenden Angehörigen. Außerdem beschloss der Ministerrat die Gründung eines Landesamtes für Pflege und den deutlichen Ausbau der Pflege- und Hospizplätze im Freistaat.

Für das Landespflegegeld veranschlagte Söder Ausgaben von insgesamt 400 Millionen Euro im Jahr. Ziel sei, dass Pflegebedürftige möglichst lange zu Hause betreut werden könnten. Er sehe darin die Stärkung der häuslichen Pflege durch Familienangehörige vor allem im ländlichen Raum, wo die institutionellen Pflegestrukturen oft geringer ausgebaut seien als in Städten. Gesundheitsministerin Melanie Huml sieht im Pflegegeld eine Unterstützung für Angehörige, um sich und den Pflegebedürftigen Wünsche erfüllen zu können, die sonst nicht über die Kasse abgerechnet werden könnten. "Das ist ein großer Aufschlag für die Pflege in Bayern", sagte Huml.

Auszeit für Pflegende

Um den wachsenden Bedarf an stationärer Pflege zu decken, will die Staatsregierung die Einrichtung von jährlich 1000 zusätzlichen Plätzen mit 60 Millionen Euro im Jahr fördern. Außerdem sollen in den kommenden Jahren mindestens 500 neue Plätze für Kurzzeitpflege entstehen, damit pflegende Angehörige "sich auch mal eine Auszeit nehmen können", wie Huml sagte. Dies soll mit fünf Millionen Euro gefördert werden. Derzeit gibt es in Bayern 2300 Plätze für die Kurzzeitpflege. Insgesamt kündigte Huml "innovative Formen der Seniorenbetreuung" an. So soll der Übergang von ambulanter zu stationärer Pflege fließender werden und sich mehr an der Lebenswirklichkeit der einzelnen Betroffenen orientieren.

Mehr Hospizplätze

Bei der Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen strebt die Staatsregierung eine Verdoppelung des derzeitigen Angebots von 186 Hospizplätzen an. Ziel sei es, möglichst vielen Menschen den Wunsch zu erfüllen, im gewohnten Umfeld zu sterben. Deshalb soll der Hospiz- und Palliativgedanke auch stärker in Senioren- und Pflegeheime eingeführt werden. "Wir wollen die Zahl der Einweisungen in Kliniken kurz vor dem Tod verringern", erklärte Huml. Es solle möglichst verhindert werden, dass sterbende Menschen "auf ihren letzten Tage" ihr gewohntes Umfeld verlassen müssten.

Um ausreichend Personal für die Altenpflege zu bekommen, plant die Staatsregierung in Absprache mit dem Bund Maßnahmen zur höheren Attraktivität der Pflegeberufe. Neben einer flächendeckenden Bezahlung nach Tarif nannte Huml bessere Arbeitsbedingungen. Schon am Freitag soll es dazu Gespräche mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geben. Um die neuen Leistungen zu finanzieren, kündigte Söder für den Sommer einen zweiten Nachtragshaushalt an.

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