11.03.2018 - 20:04 Uhr
Deutschland & Welt

Der "neue" Markus Söder Metamorphose zum Ministerpräsidenten

München. Schon in wenigen Tagen wird Markus Söder bayerische Geschichte schreiben: Wenn der 51-jährige Franke an diesem Freitag im Landtag in München zum Ministerpräsidenten gewählt wird, ist er der jüngste Regierungschef in der Geschichte des Freistaates. Er löst damit niemand geringeren ab, als sein Vorbild Edmund Stoiber, der 1993 bei seiner Wahl 52 Jahre alt war.

Der designierte Ministerpräsident Markus Söder. Bild: Sven Hoppe/dpa
von Agentur DPAProfil

Es ist ein Randaspekt, zweifelsohne - aber es illustriert sehr gut, was derzeit in der CSU passiert. Denn mit Söder hat sich die Landtagsfraktion einen Nachfolger für den ihr am Ende fremd gewordenen Horst Seehofer auserkoren, der viele Parallelen zu Stoiber hat: Auch er soll einen neuen Politikstil etablieren, die absolute Mehrheit verteidigen und damit die CSU gegen die rechtskonservative AfD behaupten. Aber wer ist eigentlich dieser Markus Söder?

Söder genießt schon lange bundesweite Bekanntheit, nicht nur in Talkshows. Seit 1983 ist der Jurist CSU-Mitglied, von 1995 bis 2003 war er JU-Chef in Bayern. Seit 1994 ist er Landtagsabgeordneter, seit 1995 Teil des Präsidiums, von 2003 bis 2007 war er Generalsekretär unter Stoiber ("mein Mentor und eine politische Vaterfigur"), seit elf Jahren im Kabinett. Durch markige Aussagen hat sich der vierfache Vater und bekennende Anhänger des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg über die Jahre das Image des Hardliners erworben. Kritiker sehen ihn daher als Populisten, Scharfmacher, Provokateur und Rechtsaußen. "Diese Kritik muss man wegstecken können. Wer mich kennt, weiß, dass mich diese Beschreibungen nicht richtig charakterisieren", sagt Söder dazu.

Mit CSU-Chef Seehofer verbindet Söder eine lange gemeinsame Wegstrecke, die sich beide nach eigenen Worten gegenseitig nicht leicht gemacht haben. Immer wieder sind die zwei Alphatiere aneinandergeraten, auch persönlich. Vor Jahren warf Seehofer Söder "charakterliche Schwächen", einen "pathologischen Ehrgeiz" und "zu viele Schmutzeleien" vor. Das professionelle Verhältnis war jahrelang angespannt, fast immer herrschte eisiges Schweigen, einzig die Machtkonstellationen zwangen die beiden etwa bei der Rettung der Bayern-LB zur Zusammenarbeit.

Wer Söder seit der für die CSU verheerenden Bundestagswahl erlebt, wird Zeuge einer Metamorphose: Der neue Söder ist leiser. Nicht nur wenn er spricht, sondern auch in dem, was er sagt - verbale Angriffe sucht man seit Monaten vergebens. Mancher in der CSU attestiert ihm einen landesväterlichen Duktus. So schweigt Söder während der monatelangen Geduldsprobe bis zu seiner Wahl zum Ministerpräsidenten, schluckt all seinen Ärger über Seehofers in die Länge gezogene Zeitpläne runter. Niemand soll das Gefühl bekommen, es gehe ihm nur um seine Karriere. Wie einst Stoiber thematisiert er lieber die Sorgen der "kleinen Leute".

Seit wenigen Wochen ermöglicht Söder zudem Interessierten einen wohldosierten und durchdachten Einblick in sein Privatleben. Und dies nicht irgendwo, sondern in Kinosälen. Wer Sorge hat, am 14. Oktober sein Kreuz bei einem Hardliner zu machen, kann dies beim einst mittelmäßigen Schüler mit Einser-Abitur, bekennenden Christen sowie Hunde- und Science-Fiction-Fan eher.

Im Januar präsentierte Söder seine erste Agenda. Darin kündigt er nicht nur einen Kraftakt gegen Wohnungsnot an, im Freistaat soll es bald auch wieder eine Grenzschutzpolizei geben. "Ich habe den Willen, was zu verändern", sagt Söder. Für Seehofer scheint eine absolute Mehrheit durchaus möglich, sagt er und setzt Söder damit - gewollt oder nicht - unter Druck. Der schweigt dazu.

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