Deutscher Lehrerverband
Kritik an zu vielen guten Noten

Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes und Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf. Bild: Armin Weigel/dpa
Politik BY
Bayern
04.03.2018
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Wird Schülern in Deutschland zu wenig abverlangt? Lehrerpräsident Meidinger fordert von der Politik mehr Mut, in Schulen wieder höhere Leistungen einzufordern.

Deggendorf/Osnabrück. (dpa/KNA) Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, kritisiert sinkende schulische Anforderungen im deutschen Bildungssystem. Der Schulleiter eines Gymnasiums in Deggendorf spricht von einer "Inflation an guten Noten". Man könne bei der Masse an Einser-Abiturienten die wirklich herausragenden gar nicht mehr erkennen.

Die Pisa-Studie habe seinerzeit die Leistungsdifferenz zwischen den Bundesländern deutlich gemacht. 15-Jährige im Bundesland Bremen hinkten Gleichaltrigen in Bayern oder Sachsen im Fach Deutsch um zwei Jahre hinterher. Diese Unterschiede dürften nicht dauerhaft akzeptiert werden. Doch: "Den Politikern fehlt der Mut, mehr Leistung einzufordern und zu sagen: ,Das nächste Abitur muss wieder schwerer werden'", sagte Meidinger. "Wir müssen fördern und fordern."

Einfachsten Weg gewählt

Weniger Sitzenbleiber, mehr Abiturienten, mehr gute Abiturnoten, weniger Schulabbrecher: Das sei für Politiker in der Vergangenheit scheinbar der einfachste Weg gewesen, um bei den Menschen Zufriedenheit mit dem Bildungssystem herzustellen. Und dieses Ziel lasse sich "unabhängig von Leistung" am schnellsten erreichen, so Meidinger. Schulen stünden schlecht da, wenn sie viele Sitzenbleiber haben. Und so laute die informelle Vorgabe an manchen Schulleiter, die Anforderungen zu senken und weniger Schüler durchfallen zu lassen. "Eigentlich hätte der Weg anders gehen müssen: Was kann ich machen, um die Leistungen der schwächeren Schüler zu heben?"

Das habe sich leider auch bei der Einführung des G8 in Bayern gezeigt. Die Politik habe aus Sorge vor schlechteren Abiturschnitten die Anforderungen gesenkt, etwa die mündliche Prüfung aufgewertet. "Das war natürlich genau der falsche Weg." Damit wolle er nicht sagen, "dass die Schüler heute nichts mehr können", betont Meidinger. Aber: Für eine Leistung, für die man vor zehn Jahren die Note 2 bekommen hätte, bekämen Schüler heute eben häufig eine 1. Das neue G9 biete die Chance, das wieder zu ändern.

Philologen: Platz schaffen

Der Deutsche Philologenverband hat indes die künftige Bundesregierung aufgefordert, im Zuge ihrer Schulbau-Offensive die Platznot in Klassen zu beenden. "Es darf nicht sein, dass auf steigende Schülerzahlen mit der simplen Lösung reagiert wird, immer mehr Mädchen und Jungen in immer kleinere Räume zu pferchen", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Sie hoffe, dass der Bund den nötigen Platz schaffe für gute pädagogische Arbeit.

Die Vorschriften sehen laut Angaben von Lin-Klitzing vor, dass Klassenzimmer vier Quadratmeter kleiner sein sollen. "Das ist nicht akzeptabel", betonte sie. In den Grundschulklassen säßen durchschnittlich 25 Kinder, im Gymnasium müssten sich etwa 33 Jugendliche einen Raum teilen. "Wir brauchen Schulen, in denen sich Kinder und Jugendliche wohlfühlen können und in denen sie sich nicht ekeln müssen, wie es angesichts maroder Toiletten derzeit der Fall ist", mahnte Lin-Klitzing die Einlösung von Wahlversprechen an.
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