Digitalisierte Schulen
Bayern hinkt hinterher

Eine technische Ausstattung wie hier an einer Schule in Lingen wäre wünschenswert. An bayerischen Schulen fehlt es daran aber oft. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
03.01.2017
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München. Um die Digitalisierung an bayerischen Schulen zu beschleunigen, lässt das Kultusministerium private Schüler-Smartphones und -Tablets im Unterricht zu. "Digitale Medien und Werkzeuge wie Tablets und Smartphones können und sollen im Unterricht dort eingesetzt werden, wo sie einen didaktischen Mehrwert schaffen", erklärte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage.

Wann und wie die Medien zum Einsatz kämen, liege in der pädagogischen Verantwortung der Lehrkräfte. Sinnvoll könnten Smartphones und Tablets zum Beispiel bei der schnellen Internet-Recherche eingesetzt werden, hieß es im Ministerium. Derzeit verfügten aber nur 57 Prozent der weiterführenden Schulen im Freistaat über schnelles WLAN.

Beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband steht man dem Einsatz privater Mobilgeräte im Unterricht aufgeschlossen gegenüber. Allerdings stellt sich dort die Frage der Chancengleichheit, wenn Schüler aus betuchtem Elternhaus jeweils das neueste Smartphone mit bester Datenübertragungsrate einstecken hätten, während andere schon froh seien, ein altes Modell mit begrenzter Leistung nutzen zu können. "Da müssen wir aufpassen, dass die soziale Schere nicht weiter aufgeht", warnte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Nötig seien schulspezifische Konzepte, damit alle Schüler auf annähernd gleichem Stand seien.

Ende vergangenen Jahres hatte die Kultusministerkonferenz beschlossen, bis spätestens 2021 allen Schülern in Deutschland eine "digitale Lernumgebung" mit Internet-Anschluss zur Verfügung zu stellen. Der Umgang mit digitalen Medien müsse zum "integralen Bestandteil" des Bildungsauftrags werden. Zusätzliches Geld haben die Minister dafür aber nicht versprochen.

Auch in Bayern gibt es bei der digitalen Ausstattung der Schulen erheblichen Nachholbedarf. Laut Kultusministerium müssen sich derzeit statistisch fünf Schüler einen PC teilen. BLLV-Chefin Fleischmann sieht Bayerns Schulen deshalb in Sachen Digitalisierung "noch am Anfang des Weges". Es fehle an Unterrichtsmaterial, Lehrkräfte sähen sich ungenügend ausgebildet und die IT-Infrastruktur entspreche vielfach nicht den aktuellen Anforderungen.

Die Kommunen sehen dabei den Freistaat in der Pflicht. "Das Schulfinanzierungsgesetz stammt noch aus der Zeit von Griffel und Schiefertafel", stellte Städtetagsgeschäftsführer Bernd Buckenhofer fest.

Abstimmung zu G8 oder G9Die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV) hat die Eltern aller Grundschüler und Gymnasiasten zur Teilnahme an einer Umfrage zur Zukunft des bayerischen Gymnasiums aufgefordert. Bis zum 17. Januar können diese auf der Homepage des Verbandes darüber abstimmen, ob bayerische Gymnasiasten weiterhin in acht Jahren zum Abitur geführt werden sollen oder wieder in neun Jahren. Die LEV stellt dazu drei Varianten bereit: Erstens G8 wie derzeit, zweitens G9 wie früher, drittens Wahlmodell nach den Vorschlägen von Kultusminister Spaenle. Die Ergebnisse sollen vor der angekündigten Entscheidung der Staatsregierung über die Zukunft des Gymnasiums veröffentlicht werden. (jum)

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Abstimmung unter:

www.lev-gym-bayern.de
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