07.05.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Duell der Schweigsamen

Bundesinnenminister Joachim Herrmann? Viele CSU-Anhänger wünschen sich nach der Bundestagswahl einen Minister für die innere Sicherheit aus Bayern. Es ist nicht der einzige Konfliktpunkt mit der CDU.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bedankt sich auf dem Listenparteitag der CSU in Germering für lang anhaltenden Applaus. Die Spitzenkandidatur Herrmanns für die Bundestagswahl ist nach Ansicht von CSU-Chef Seehofer kein Angriff auf CDU-Amtsinhaber de Maizière. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Germering/Berlin. Es gab Zeiten, da haben sie in der CSU über Bundesinnenminister Thomas de Maizière mindestens ebenso geflucht wie über Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU). Während des Höhepunkts der Flüchtlingskrise vor knapp eineinhalb Jahren warfen nicht wenige CSU-ler den beiden kollektives Versagen vor. Während sich CSU und CDU wegen der nahenden Bundestagswahl am 24. September inzwischen wieder vertragen haben, birgt die Marschrichtung in der Innenpolitik aber weiter viel Konfliktpotenzial.

So besteht die CSU weiterhin auf eine Obergrenze für Flüchtlinge, die CDU lehnt es ab. Mit der Wahl von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zum CSU-Spitzenkandidaten - 98,4 Prozent der Delegierten stimmten am Samstag auf dem Listenparteitag für ihn - bekommt die Debatte nun zwei Gesichter. Bislang beansprucht Thomas de Maizière (CDU) das wichtige Amt.

Deutliche Kampfansage

Obwohl es dem Vernehmen nach keine Absprachen zu Ressortverteilungen nach der Bundestagswahl zwischen der Kanzlerin und CSU-Chef Horst Seehofer gibt, interpretieren nicht wenige die Nominierung Herrmanns als klare Kampfansage an de Maizière. Die beiden Protagonisten wollen sich an den Diskussionen nicht beteiligen. Auch Seehofer versucht eine Personaldebatte zu vermeiden, macht aber auch deutlich, dass Herrmann aus seiner Sicht die Idealbesetzung wäre. Er sei fachlich hochkompetent, absolut verlässlich, menschlich integer und auch in der Lage, die schwierigsten Aufgaben zu lösen. Dies wisse auch Merkel zu schätzen, Herrmann genieße ein hohes Ansehen.

Trotz der zurückhaltenden Töne in Richtung de Maizière - der CSU-Anspruch auf das Innenministerium ist unverkennbar. Keine Partei, also auch nicht die CDU, habe mehr politische Kompetenz bei der inneren Sicherheit als die CSU, sagt Herrmann. "Ich bin bereit, dies in den Wahlkampf einzubringen und nach der Wahl auch Verantwortung in Berlin zu übernehmen." Nach jemandem, der mit einem Platz im Innenausschuss des Bundestags zufrieden wäre, klingt das nicht. Dazu passt auch die Absprache mit Seehofer, dass Herrmann nur nach Berlin wechseln soll, wenn er Minister werden kann.

Zwei ähnliche Typen

Dass Seehofer Herrmann in Stellung bringen könnte, kam wohl nicht völlig überraschend für de Maizière. Die Art und Weise der Vorstellung wird in seinem Umfeld als Affront und Überrumpelungsakt verstanden. De Maizière dürfte das durchaus geärgert haben. Aber er ist nicht der Typ, der derlei Gefühlsregungen nach außen trägt. Zumindest in dem Punkt sind sich beide einig und ähnlich. Statt offenen Spitzen gibt Herrmann den zufriedenen Landespolitiker.

Dabei ist es durchaus fraglich, ob de Maizière überhaupt seinen Posten behalten will. Er macht diesen Job zum zweiten Mal. In der Bundesregierung hat er schon verschiedene Ämter durch: Innen, Verteidigung, Leitung des Kanzleramts. Vielleicht hätte er auch Lust auf Abwechslung. Doch auch wenn dem so wäre, bliebe die Seehofer-Herrmann-Aktion für ihn unerfreulich. Schließlich würde es nun bei einem Wechsel eher so aussehen, als wäre er aus dem Amt gedrängt worden.

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