Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke kennt Beschuldigten im Finanzskandal von früher
Beschämt über Verlust an Glaubwürdigkeit

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Bild: Christian Klenk/pde
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Bayern
08.02.2018
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Eichstätt. (KNA) Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke kennt einen der im Finanzskandal Beschuldigten schon länger. Damit bestätigte er am Donnerstag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) einen entsprechenden Zeitungsbericht. Die Bekanntschaft reiche in die Studienzeit zurück. Danach habe man sich aber "aus den Augen verloren".

Zuletzt habe der Bekannte für eine Bank gearbeitet und ihn, Hanke, kontaktiert und gefragt, ob beim Bistum Interesse an einer Anlageberatung bestehe. "Daraufhin habe ich ihn mit unserer Finanzkammer in Verbindung gebracht", so Hanke. Diese Bank habe dann tatsächlich auch das Vermögensmanagement der Diözese Eichstätt übernommen und erste erfolgreiche Anlagen getätigt. "Und die ersten daraufhin von ihm empfohlenen Anlagen waren wirklich top, wie uns heute unsere Wirtschaftsprüfer versichern" so Bischof Hanke. Dann sei eine vakant gewordene Stelle in der Finanzkammer ausgeschrieben worden, auf die sich der Mann beworben habe, erläuterte Hanke. Eine Kommission aus dem Finanzdirektor, Generalvikar und dem zuständigen Bereichsleiter für Arbeitsrecht habe sich damit befasst und ihn als besten Bewerber identifiziert. So sei er zu diesem Amt gekommen.

Hanke sagte, ihn erschüttere, wie dieses Vertrauen von seinem ehemaligen Mitarbeiter missbraucht worden sei. Das mache ihm auch persönlich sehr zu schaffen. Er sei "zutiefst beschämt über den damit verbundenen Glaubwürdigkeitsverlust für uns als Kirche in Deutschland". Die deutschen Bischöfe, die sich am 19. Februar in Hankes Diözese in Ingolstadt zu ihrer Frühjahrsvollversammlung treffen, habe er bereits in einem Brief informiert: "Ich wollte nicht, dass sie es aus der Presse erfahren, sondern von mir persönlich."

Seit Ende Januar sitzt der kirchliche Mitarbeiter, von dem sich die Diözese im September 2016 getrennt hatte, in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen ihn und einen Geschäftspartner wegen Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit.

Interview mit Bischof Gregor Maria Hanke

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke (63) hat am 5. Februar einen Finanzskandal öffentlich gemacht, der seiner Diözese vermutlich einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe eingetragen hat. Zwei Beschuldigte, darunter ein früherer leitender Mitarbeiter des Bistums, sitzen inzwischen wegen des Verdachts der Untreue und Korruption in Untersuchungshaft. Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) äußerte sich Hanke am Donnerstag zu seiner Verantwortung in der Affäre. Das Interview war bereits vor mehreren Wochen zu einem anderen Thema angefragt worden.

Herr Bischof, einer Ihrer früheren Mitarbeiter hat Ihre Diözese durch mutmaßlich kriminelle Machenschaften um ein Millionenvermögen gebracht. Wie sehr macht Ihnen das persönlich zu schaffen?
Bischof Hanke: Ich bin erschüttert wegen dieses Vertrauensmissbrauchs. Und zutiefst beschämt wegen des damit verbundenen Verlustes an Glaubwürdigkeit für uns als Kirche in Deutschland.

Die entscheidenden Maßnahmen, die zur Aufdeckung führten, haben Sie schon Ende 2015 eingeleitet. Hatten Sie eine Vorahnung?
Überhaupt keine. Aber dass auch unser Bistum seine Besitzverhältnisse ganz und gar transparent macht und damit auch die Verantwortung für das, was wir haben, nach außen zeigt, dieses Ziel habe ich schon viel länger verfolgt, nachdem mir bewusst wurde: Das bisherige System hat sich längst überlebt. 2015 habe ich die Finanzkammer angewiesen, eine HGB-konforme Bilanz zu erstellen. Dort wollte man sich aus Kostengründen zunächst nur ans Handelsgesetzbuch anlehnen. Aber ein solches Zahlenwerk würde ich nie und nimmer verantworten. Also war klar, es gibt mit mir nur den radikalen Weg: neugestaltete Verantwortungsebenen, Bewertung unserer Vermögensverhältnisse durch eine anerkannte, externe Firma. Die wurde geholt, und was dann geschah, ist inzwischen allgemein bekannt.

Ihr juristischer Berater spricht öffentlich von Versäumnissen aufseiten der Kirche. Haben auch Sie sich irgendetwas vorzuwerfen?
(seufzt) Es wäre sicher besser gewesen, schon früher mit der Transparenzoffensive zu beginnen. Mir war eben auch daran gelegen, meine Leute ins Boot zu holen. Das erfordert einen gewissen Vorlauf und Motivationsarbeit. Vielleicht hätte ich noch härter durchgreifen müssen. Aber an welchem Punkt hätte ich den Prozess beschleunigen können? Das ist auch im Nachhinein noch schwer zu sagen.

KNA: Wird in der Kirche allgemein zu viel geglaubt und zu wenig kontrolliert?
Das ist sicherlich eine Gefahr in unserem System: Die Vermischung von standardisierten operativen Vorgehensweisen und persönlicher Befindlichkeit, die immer auch von Glauben und Vertrauen geprägt ist. Da müssen wir lernen, auf zwei Beinen zu gehen. Wo es um Verantwortung für diese weltlichen Dinge geht, darf nicht falsches Vertrauen überhandnehmen. Auch als Kirche müssen wir in der Wirtschaft und Finanzwelt allgemein übliche Standards einhalten.

Aus einem Bericht Ihrer Heimatzeitung geht hervor, dass Sie den einen Beschuldigten, der später zu Ihrem Mitarbeiterstab stieß, schon länger kennen. Stimmt das?
Ja, schon aus Studienzeiten. Wir haben uns dann aber aus den Augen verloren. Zuletzt arbeitete er für eine Bank. Zunächst hat er mich von dort aus kontaktiert, ob wir Interesse hätten an einer Anlageberatung. Daraufhin habe ich ihn mit unserer Finanzkammer in Verbindung gebracht. Tatsächlich hat dann diese Bank unser Vermögensmanagement übernommen. Und die ersten daraufhin von ihm empfohlenen Anlagen waren wirklich top, wie uns heute unsere Wirtschaftsprüfer versichern. Dann wurde die vakant gewordene Stelle in der Finanzkammer ausgeschrieben, er hat sich beworben, eine Kommission aus dem Finanzdirektor, Generalvikar und dem zuständigen Bereichsleiter für Arbeitsrecht hat sich damit befasst und ihn als besten Bewerber identifiziert. So kam er zu seinem Amt.

Als Bischof sind Sie nach dem Kirchenrecht letztverantwortlich für das Vermögen der Diözese. Lässt sich das völlig delegieren?
Die Letztverantwortung nimmt der Bischof wahr, indem er die Strukturen so aufbaut und mit Kompetenzen ausstattet, dass nicht er der unmittelbar Agierende ist. Wir haben inzwischen den Vermögensverwaltungsrat neu besetzt. Meine Vorgabe lautet, dass seine Mitglieder nicht von der Diözese abhängig sein dürfen, es sind alles unabhängige Wirtschafts- und Finanzfachleute. Und wir haben auch einen neuen Finanzdirektor eingestellt, der von außen kommt.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller erhebt schwere Vorwürfe gegen Sie persönlich. Sie hätten schon mit der bisherigen Praxis jahrelang gegen geltendes Recht in der Kirche verstoßen und die Korrekturen schon viel früher vollziehen müssen.
Ich habe meinen Weg ja schon 2012 begonnen und etwa Geistliche aus den Beiräten der kirchlichen Stiftungen entfernt. Mit der Berufung externer Fachleute an den Bischöflichen Stuhl und in die Willibaldstiftung habe ich ein klares Signal gesetzt und hinzugefügt, dass wir diesen Weg weitergehen wollen mit der Durchforstung unseres Vermögens. Weil ich da auch nicht vom Fach bin, musste ich mich erst kundig machen, welche Berater und Firmen infrage kommen, welche Rechtsbeistände. Es war wichtig, dafür die leitenden Mitarbeiter im Haus zu gewinnen, da gab es auch Widerstände. Vielleicht hat das alles zu lange gedauert. Aber ich habe auch nur zwei Hände und kann nicht mit einem Zauberstab das ganze System auf einmal ändern.

In der von Ihren Anwälten formulierten Strafanzeige wird Ihr damaliger Finanzdirektor, der alle umstrittenen Darlehensverträge unterschrieb, als überfordert und insgesamt wenig kompetent dargestellt. Sie haben ihn 2009 ernannt. Ein Fehler?
Er war damals die naheliegende Wahl. Als Caritasdirektor war er zuvor für einen Betrieb mit fast 3.000 Mitarbeitern verantwortlich. Im Laufe der Zeit ist auch in mir das Bewusstsein gewachsen, dass wir diese operative Ebene und die Aufsichtsebene, in denen beiden er agierte, radikal trennen müssen. Wenn man nur die Zeit zurückdrehen könnte. Aus heutiger Sicht hätte ich schon 2009 einen Laien holen sollen, natürlich einen mit einschlägiger Expertise.

Als Chef-Haushälter des Verbands der Diözesen Deutschlands bekleiden Sie auch eine Schlüsselposition bei der Finanzierung von Gemeinschaftsaufgaben aller Bistümer. Beeinträchtigt der Skandal in Eichstätt die Wahrnehmung dieses Amtes?
Ich bin dabei, mit Hilfe von Generalvikaren, Finanzdirektoren und dem Mitarbeiterstab in Bonn einen Prozess voranzutreiben, um den VDD neu aufzustellen. Das gilt für alle Strukturen und Entscheidungsabläufe. Auch hier liegt mir an Transparenz und Partizipation.

In knapp zehn Tagen empfangen Sie als Gastgeber die Deutsche Bischofskonferenz zur Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt. Wie werden Sie das, was in Eichstätt passiert ist, ihren Mitbrüdern erklären?
Ich habe ihnen bereits einen Brief geschrieben. Zur Transparenz gehört auch Kommunikation. Ich wollte nicht, dass sie es aus der Presse erfahren, sondern von mir persönlich.
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