05.02.2018 - 20:54 Uhr
Deutschland & Welt

Eichstätter Bischof Hanke zeigt früheren Mitarbeiter und weitere Personen an Millionenverlust durch dubiose Darlehen

Eichstätt. (KNA) Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat gegen einen früheren Mitarbeiter der Finanzverwaltung des Bistums und eine weitere Person Strafanzeige erstattet. Es bestehe der Verdacht rechtswidriger Praktiken bei der Vermögensanlage, teilte das Bistum am Montag mit. Weitere Angaben zu den Personen wurden nicht gemacht. Nach Informationen der Zeitung "Donaukurier" soll es sich um einen früheren stellvertretenden Finanzdirektor und einen Geschäftspartner in den USA handeln.

von Agentur KNAProfil

Die für Wirtschaftsstrafsachen zuständige Schwerpunktstaatsanwaltschaft München II bestätigte den Vorgang. Die beiden Beschuldigten befänden sich in Untersuchungshaft. Die Ermittler vermuten einen entstandenen Schaden im "mittleren zweistelligen Millionenbereich".

Ein Bistumssprecher ergänzte auf Anfrage, es gehe um "vermögensgefährdende, ungesichert gewährte Darlehen in Höhe von insgesamt rund 60 Millionen US-Dollar" - umgerechnet etwa 48,2 Millionen Euro. Genau könne der Schaden noch nicht beziffert werden, weil es schwierig sei, die "komplizierten Anlagengeschäfte" zu bewerten.

Nach Informationen von "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR sollen in mehr als 30 Fällen Kredite für Bauvorhaben in den USA vergeben worden sein, ohne diese etwa durch eine Grundschuld abzusichern. Dabei soll der frühere Angestellte der Diözese mit einem Deutschen zusammengearbeitet haben, mit dem er seit Jahren bekannt ist. Beide säßen seit dem 29. Januar in Haft, so die Zeitung und die Sender.

Das Bistum habe in der Strafanzeige dargestellt, dass ihr eigener Finanzchef im fraglichen Zeitraum fachlich von seiner Aufgabe überfordert gewesen sei. Es habe sich um einen Geistlichen "ohne tiefergehende wirtschaftliche Kenntnis" gehandelt. Ende 2016 war ein Priester ohne nähere Angaben von Gründen von seinem Amt als Bischöflicher Finanz- und Baudirektor zurückgetreten.

Der Bistumssprecher berichtete von ersten Verdachtsmomenten im Mai 2017. Damals sei erstmals ein fälliges Darlehen nicht zurückgezahlt worden. Zwei Monate später habe der Bischof eine Münchner Anwaltskanzlei mit der Anzeige beauftragt. Der Vorwurf laute auf Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr. Das Bistum erhoffe sich Aufklärung. Sinn und Notwendigkeit der 2015 eingeleiteten Transparenzoffensive hätten sich "auf bedauerliche Weise" bestätigt, so der Sprecher.

Das Bistum stellt derzeit seine Finanz- und Vermögensverwaltung um und will bis Ende Juni einen nach den Regeln des Handelsgesetzbuches (HGB) erstellten Jahresabschluss vorlegen. Dabei soll auch das Vermögen des Bistums offengelegt werden. An diesem Zeitplan habe sich nichts geändert, erklärte der Sprecher.

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