29.11.2017 - 21:00 Uhr
Deutschland & Welt

Entscheidende Sitzung der CSU-Fraktion Söder vor der Krönung?

Noch fünf Mal schlafen. Dann könnte der Weg frei sein für Markus Söder. Seit seiner Jugend träumt der 50-jährige Franke davon, bayerischer Ministerpräsident zu werden.

Markus Söder (CSU) spricht vor einer Sitzung der CSU-Landtagsfraktion zu Journalisten. Im Machtkampf um den nächsten Spitzenkandidaten für das Ministerpräsidentenamt will die CSU-Landtagsfraktion am Montag eine Entscheidung treffen. Bild: Sven Hoppe/dpa
von Jürgen UmlauftProfil

München. Nachdem die CSU-Fraktion im Landtag, die mehrheitlich mit Söder sympathisiert, die Wahl ihres Favoriten für die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl 2018 auf den kommenden Montag terminiert hat, scheint Söder seinem Ziel so nah wie noch nie. Denn einmütig geht man in der CSU davon aus, dass Horst Seehofer am Montag seinen Rückzug als Regierungschef verkünden wird. Wissen aber tut es keiner, und die Lage bleibt ohnehin verworren. Am Abend melden Münchener Zeitungen, Innenminister Joachim Herrmann werde gegen Söder antreten. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Vormittags, als die Lage noch klarer scheint, tritt Söder vor der turnusmäßigen CSU-Fraktionssitzung bereitwillig vor die wartenden Medienvertreter. Er könnte jetzt seinen Gefühlen freien Lauf lassen, doch er gibt sich so beherrscht und demütig, als ob sein Frühstück aus Baldrian und Kreide bestanden hätte. "Wir werden am Montag versuchen, alles zusammenzuführen zu einer personellen Formation für 2018", säuselt er. Wichtig sei, dass alles "mit Stil, Anstand, Respekt und miteinander" erfolge - "auch mit Respekt vor Horst Seehofer, der viel für die Partei und dieses Land gemacht hat".

Wie ein Nachruf

Als Söder merkt, dass das schon arg wie ein Nachruf klingt, fügt er schnell noch an, dass Seehofer ja als Parteichef auch in den nächsten Wochen noch viel leisten werde. Ob er denn am Montag antreten werde? "Alle sind von dem Wunsch und dem Willen getragen, dass wir in einer schwierigen Situation Entscheidungen geschlossen und gemeinsam vertreten", weicht Söder aus und ergänzt staatsmännisch: "Einzelspieler sind wichtig, aber am Ende entscheidet die Mannschaftsleistung darüber, ob man erfolgreich ist." Man meint, einen kleinen Heiligenschein über Söders Haupt erkennen zu können, aber wahrscheinlich sind es doch nur die Scheinwerfer der Kameras.

Seehofer selbst kommt nicht in die Sitzung. Allein seine Anwesenheit könnte eine Debatte provozieren und den fragilen Zeitplan schon wieder durcheinanderbringen. Mit seinen Finten hatte er bekanntlich schon in der Vorwoche dafür gesorgt, dass der Erregungspegel unter den CSU-Abgeordneten gefährlich in Richtung Explosion anstieg. Die überraschende Fraktion, am Montag alles klar zu machen, ist direkte Folge von Seehofers Lavieren. CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer wurde von einer Protestwelle seiner Leute überrollt und zog daraufhin das Verfahren in Gesprächen mit Seehofer und Söder an sich. Mit Herrmann redete er nicht. Offenbar ahnte er nicht einmal, dass auch der im Rennen sein könnte. Hat Seehofer also doch noch einen Trumpf in der Hand?

Ganz ohne Namen zu nennen, bestätigt Kreuzer die Verständigung des Vorstands, dass die CSU-Abgeordneten am Montag in geheimer Wahl "womöglich den Spitzenkandidaten küren" und diese Personalie dann der Gesamtpartei vorschlagen. Sein parlamentarischer Geschäftsführer Josef Zellmeier geht tiefer ins Detail. Er lässt kaum Zweifel daran, dass Söder die Sitzung am Montag als designierter Ministerpräsident verlassen wird. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Parteivorstand einen anderen Vorschlag macht als die Fraktion", erklärt er. Da sei er sich "zu 99,9 Prozent sicher". Schließlich obliege die Wahl Regierungschefs der Mehrheitsfraktion im Landtag. Zellmeier betont, man habe Seehofer darauf "verpflichtet, eine Erklärung abzugeben" - wohl eine Konsequenz aus der Erfahrung in der vergangenen Woche. Seehofer habe diese Erklärung zugesichert. Es bleibe ihm überlassen, ob er als Ministerpräsident weitermachen wolle. "Wir werden da nichts erzwingen", sagt Zellmeier. Formal habe man aber "alle gebeten, die wollen, sich auch ins Rennen zu werfen". Zellmeier meint damit vor allem Joachim Herrmann und Ilse Aigner, die es vorziehen, schweigend (Herrmann) und im Wortsinne "Nichts" sagend (Aigner) zu entschwinden. Erst abends schiebt Herrmann nach, er werde nichts sagen, bis Seehofer sich erklärt habe.

Gegner machen mobil

Der CSU steht damit ein Wochenende bevor, an dem Telefondrähte heiß laufen und die Tastaturen der Smartphones glühen werden. Offiziell sollen die CSU-Arbeitskreise und -Gliederungen in die Personalfindung einbezogen werden, ebenso die Bezirksvorsitzenden. Inoffiziell wird es darum gehen Bündnisse zu schmieden und Strategien abzusprechen. Von den Söder-Gegnern heißt es, sie wollten Herrmann zu einer Kandidatur ermuntern - was womöglich gar nicht mehr nötig ist. Es heißt sogar, Herrmann würde sich selbst bei einer Niederlage in der Landtagsfraktion auf dem CSU-Parteitag zur Wahl stellen. Der Ausgang dort wäre zumindest offener. Für Söder könnten es mehr als fünf unruhige Nächte werden.

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