Er verkaufte dem Amokläufer von München die Tatwaffe
Waffenhändler vor Gericht

Oberstaatsanwältin Anne Leiding ist seit 1. Mai Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München I. Bild: Alexander Heinl/dpa
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Bayern
27.08.2017
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Ein Jahr nach dem Amoklauf in München mit neun Todesopfern muss sich der mutmaßliche Verkäufer der Tatwaffe aus Hessen vor dem Landgericht München I verantworten. Eine zentrale Frage: Wusste er etwas darüber, was sein Kunde mit der Waffe vorhatte?

München/Marburg. Vor gut einem Jahr erschoss der 18-Jährige David S. neun Menschen vor dem Münchener Olympia-Einkaufszentrum. Nun beginnt die juristische Aufarbeitung des Amoklaufs: Der mutmaßliche Verkäufer der Tatwaffe muss sich von heute an vor dem Landgericht München I verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 32-jährigen Philipp K. aus Marburg unter anderem fahrlässige Tötung in neun Fällen und illegalen Waffenhandel vor. Im Vorfeld des Prozesses wurde immer wieder spekuliert, dass er etwas von dem Vorhaben des späteren Amokläufers gewusst haben könnte - und damit die Tat sogar eine Beihilfe zum Mord sein könnte. Ein Gespräch mit Oberstaatsanwältin Anne Leiding.

Was wusste Philipp K. über die Pläne von David S.?

Anne Leiding: Zum Zeitpunkt der Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft gab es keine ausreichenden Hinweise darauf, dass der Waffenhändler Philipp K. Kenntnis von der geplanten Tat des Amokläufers hatte. Da eine Beihilfe aber voraussetzt, dass man die Tat, an der man sich beteiligt, zumindest in Grundzügen kennt, konnte die Staatsanwaltschaft keine Anklage wegen Beihilfe zum Mord erheben. Plädoyer und Anträge der Staatsanwaltschaft erfolgen auf der Grundlage der Feststellungen in der Hauptverhandlung, diese gilt es abzuwarten.

Könnte die rechtsradikale Gesinnung für die Tat eine Rolle gespielt haben?

Im Rahmen der Ermittlungen haben sich Hinweise ergeben, dass Philipp K. ein rechtsextrem geprägtes Weltbild hat. In seinen Posts grüßte er zum Beispiel teilweise mit "Heil Hitler" und in seinem Mobiltelefon waren Bilder von Hitler und Hakenkreuzen gespeichert. Ob die rechtsnationale Gesinnung des Angeschuldigten bei der Tat und deren rechtlicher Bewertung eine Rolle gespielt hat, muss in der Hauptverhandlung geklärt werden.

Wie hat er sich bei Vernehmungen benommen, wie trat er auf - hat er gestanden?

Philipp K. hat sich zu den Tatvorwürfen umfänglich geäußert, nun bleibt seine Aussage in der Hauptverhandlung abzuwarten.
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