24.04.2018 - 16:36 Uhr
Deutschland & Welt

Für Markus Söder eine Frage der Identität: Ein Kreuz in jede bayerische Behörde

München. (KNA) Das bayerische Kabinett hat am Dienstag in München das Aufhängen von Kreuzen in Dienstgebäuden des Freistaats beschlossen. So soll künftig jeweils im Eingangsbereich ein Kreuz als "sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland" angebracht werden, wie die Staatskanzlei mitteilte.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hängt im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei ein Kreuz auf. Bild: Peter Kneffel/dpa
von Agentur KNAProfil

Dafür hat der Ministerrat eine Änderung der allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaats beschlossen. Über diese muss nicht im Landtag abgestimmt werden, wie eine Sprecherin der Staatskanzlei auf Anfrage sagte. Die nun getroffene Verpflichtung gelte ab 1. Juni. Gemeinden, Landkreisen und Bezirken werde empfohlen, entsprechend zu verfahren.

Das Kreuz sei grundlegendes Symbol "unserer bayerischen Identität und Lebensart", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Es stehe für elementare Werte wie Nächstenliebe, Menschenwürde und Toleranz. Im Anschluss an die Sitzung brachte Söder auch ein Kreuz im Eingangsbereich der Bayerischen Staatskanzlei an.

Dokumentation

In allen Behörden der bayerischen Staatsverwaltung werden künftig Kreuze im Eingangsbereich hängen. Dies hat das bayerische Kabinett am Dienstag in München beschlossen. Hier der Wortlaut der Staatskanzlei im "Bericht aus der Kabinettssitzung vom 24. April 2018":

"Ministerrat beschließt das Aufhängen von Kreuzen in Dienstgebäuden des Freistaats

Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes im Freistaat ist als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns deutlich wahrnehmbar ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland anzubringen. Der Ministerrat hat heute eine entsprechende Änderung der allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaats Bayern beschlossen. Das Kreuz ist das grundlegende Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung. Die Verpflichtung gilt für alle Behörden des Freistaats Bayern ab dem 1. Juni 2018. Gemeinden, Landkreisen und Bezirken wird empfohlen, entsprechend zu verfahren." (dpa)

Reaktionen auf Söders Kruzifix-Offensive

"Vermutlich will die CSU mit dieser Maßnahme kaschieren, dass ihre Politik mit christlichen Werten nicht mehr viel zu tun hat."  FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen am Dienstag über die von der Staatsregierung beschlossene Pflicht, in allen Behörden der bayerischen Staatsverwaltung künftig Kreuze in den Eingangsbereich zu hängen.

"In Bayern muss man nicht mit christlichen Symbolen in die sozialen Medien. Man muss Bayern zur Heimat für alle machen – unabhängig vom Glauben." Bayerns SPD-Generalsekretär Uli Grötsch

"Die AfD begrüßt jede Maßnahme, allen Menschen deutlich zu machen, dass die Basis des Zusammenlebens in Deutschland eine christlich-abendländisch geprägte Leitkultur ist."  Bayerns AfD-Landesvorsitzender Martin Sichert

"Statt Kruzifixe an Behördenwände zu nageln, würde es der christlichen Verantwortung eher gerecht werden, Barmherzigkeit und Nächstenliebe im politischen Alltag vorzuleben." Grünen-Landesvorsitzende Sigi Hagl

"Wenn in allen Büros der öffentlichen Verwaltung Kreuze aufgehängt werden, vermute ich bei Herrn Söder eher einen wahlkampftaktischen Trick dahinter, als dass es ihm wirklich ernst ist - und da muss ich sagen, da ist das Kreuz zu schade, als dass es hier instrumentalisiert wird für parteipolitische Spielchen."  Der parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler, Florian Streibl

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Kommentare

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Heinz Rahm

So ein durchsichtiges Wahlkampfmanöver, um noch einige Kirchgänger an die Urne zu locken, die bei denen das Kreuzchen machen, die das Kreuz wieder "salonfähig" machen wollen. Gab es da früher nicht ganz andere Töne? Ich war mal Mitglied in dieser heute so jämmerlichen Partei, eigentlich müsste ich die Beiträge als Schmerzensgeld wiederkriegen! Und der Herr Seehofer, den viele als "Drehhofer", "Heißluft-Horst" und "Bundesankündigungsminister" bezeichnen - von dem hört man seit vielen, vielen Jahren:
Seehofer hat vor ...
Seehofer will ...
Seehofer plant ....
Seehofer kündigt an ....
Und was passiert? Nichts, nichts, nichts!
Was ist aus dem Bayernland geworden? Franz-Josef, was machst du? Hör auf, dich im Grab rumzudrehen!

09.06.2018