12.10.2017 - 20:16 Uhr
Deutschland & Welt

Horst Seehofer bekommt keine Ruhe in CSU Zermürbender Machtkampf

Horst Seehofer kann machen, was er will. Seit der Schlappe bei der Bundestagswahl mit historisch mageren 38,8 Prozent bekommt der CSU-Chef einfach keine Ruhe in seinen Laden - den Unmut in weiten Teilen der CSU kriegt er nicht in den Griff.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kommt aus dem unruhigen Fahrwasser nach der Pleite bei den Bundestagswahlen nicht heraus. In seiner Partei rumort es weiter. Bild: Peter Kneffel/dpa
von Jürgen UmlauftProfil

München. Da kann er seinen Kritikern drohen, an die Geschlossenheit der Partei in schwerer Zeit appellieren oder noch so geschickt in Berlin verhandeln - jetzt also fallen ihm weite Teile der Münchener CSU in den Rücken. Überraschen kann das nicht, denn die CSU der Landeshauptstadt ist ein ziemlich großer Markus-Söder-Fanclub. Wenn sich der ehrgeizige Finanzminister einmal außerhalb Frankens wie daheim fühlen will, dann beehrt er die Münchener CSU, wo der Pate seines Sohnes Bezirkschef ist und einer seiner engsten politischen Freunde dessen Vize. Auf Ludwig Spaenle und Georg Eisenreich kann sich Söder verlassen, Seehofer eher nicht. Dass die beiden als Minister und Staatssekretär seinem Kabinett angehören, gibt der Sache zusätzlich Brisanz.

Am Dienstag also traf sich ein Großteil der Münchener CSU-Kreischefs recht konspirativ mit Spaenle. Die wenigen Seehofer-Freunde in ihren Reihen luden sie erst gar nicht ein. Dass ausgerechnet die bekannt Söder-freundliche "Bild"-Zeitung exklusiv aus der Runde berichtete und deren einhelligen Wunsch nach einem personellen Neuanfang ohne Seehofer in Partei und Regierung unters Volk brachte, passt zu den ohnehin in der CSU kursierenden Verschwörungstheorien.

Seehofer weiß um das Grummeln in der Partei. Vielleicht hätte er längst das Handtuch geworfen, wenn da nicht diese komplizierte Regierungsbildung in Berlin wäre. Er sieht eben keinen in der CSU, der nur annähernd so viel Verhandlungsgeschick mitbrächte wie er selbst. Deshalb sein inniger Wunsch, alle Personaldebatten für den Parteitag aufzuheben, und diesen von November auf die Zeit nach den Berliner Gesprächen zu verschieben. Vollkommen richtig, bestätigen seine Unterstützer - "Hinhaltetaktik" urteilen seine Gegner.

In Ruhe gegen Intriganten

Am Tag der "Bild"-Veröffentlichung über die Intrige in der Münchener CSU bleibt Seehofer demonstrativ gelassen. Dass sich ein klärendes Gespräch mit Spaenle verzögert, weil der dienstlich in Berlin weilt, stört ihn nicht weiter. "Das kann man in aller Ruhe machen, da muss man nicht den ganzen Tag am Telefon hängen", gibt es sich tiefenentspannt. Im Regelfall bedeutet dieser Aggregatszustand Alarmstufe Rot. In der Tat steckt Seehofer inmitten eines Zwei-Fronten-Kampfes: In Berlin muss er umzingelt von CDU, FDP und Grünen so viel CSU wie möglich durchboxen, und zu Hause geht es für ihn ums Überleben. Womit man bei der Nachfolge-Frage wäre. Alle Blicke richten sich da auf Markus Söder. Dass der will, ist kein Geheimnis.

"Der Markus muss jetzt mal springen und ins Risiko gehen", hört man immer wieder. Der könne nicht darauf warten, bis ihm jemand den roten Teppich in die Staatskanzlei ausrolle. Doch "der Markus" zögert, ist sich der Unterstützung in der Partei nicht sicher. Bei den Franken, Oberpfälzern und den Münchenern hätte er wohl eine Mehrheit, bei den Niederbayern und Schwaben weiß man es nicht so genau. Bei den von Ilse Aigner geführten Oberbayern ist Söder ein rotes Tuch. Folglich warnen ihn die einen wegen der unsicheren Gefechtslage vor dem "Königsmord" und die anderen vor einem Schicksal als "Prinz Charles der CSU".

In der Münchener CSU hat das Votum der Kreisvorsitzenden - nach neueren Angaben waren nur sechs und nicht acht daran beteiligt - zu heftigen Spannungen geführt. So war der stellvertretende CSU-Generalsekretär und Seehofer-Unterstützer Markus Blume als Kreischef im Münchener Osten nicht eingeladen. Er sprach von einem Vorgang, der der Gesamtpartei schade. "Es ist definitiv nicht der richtige Zeitpunkt, um solche Dinge aus dem Hinterzimmer loszutreten, man kann auch sagen aus dem Hinterhalt", rügte er seine Kollegen. Kritik kam auch von Bezirksvizin Friederike Steinberger. Es habe keine offizielle Runde gegeben, folglich sei auch nichts Offizielles beschlossen worden. Am Montag kommt der CSU-Parteivorstand zu seiner zweiten Sitzung nach der Bundestagswahl zusammen.

Klinikchef: Seehofer ein "Pflaumenaugust"

CSU-Chef Horst Seehofer als "Pflaumenaugust" - ein inzwischen gelöschter Tweet über den bayerischen Ministerpräsidenten kostet den Chef des Klinikums in seiner Heimatort Ingolstadt den Job. Alexander Zugsbradl habe seine Tätigkeit als Geschäftsleiter beim Krankenhauszweckverband und als Mitgeschäftsführer im Klinikum niedergelegt, teilte die Stadt am Mittwochabend mit.

Zugsbradl hatte laut Medien noch am Abend der Bundestagswahl vom 24. September getwittert: "Seehofer, dieser scharf an der Debilität entlangschrammende Pflaumenaugust muss weg - Bayern hat Besseres verdient!". In der Mitteilung des Rathauses hieß es nun lediglich: "Er scheidet auf eigenen Wunsch aus." Zugsbradl hätte ohnedies Ende des Jahres beim Klinikum aufgehört. (dpa)

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