Horst Seehofer über seine neue Rolle
Bundesinnenminister: Eine Sacher der Eitelkeit

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Ministerpräsident Horst Seehofer und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer (von links) bei der Pressekonferenz nach der CSU-Vorstandssitzung in der Münchner Parteizentrale. Bild: Matthias Balk/dpa
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Bayern
08.02.2018
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Auch mit 68 Jahren ist Horst Seehofer noch immer für eine Überraschung gut. Eigentlich sei es in seiner Lebensplanung nicht vorgesehen gewesen, noch einmal Minister in Berlin zu werden, sinniert der CSU-Chef. Doch dann sei ihm fast nichts anderes übrig geblieben.

München. "Denn als kleine Partei bekommt man in einer Koalition nur ein klassisches Ministerium, wenn das dann der Parteivorsitzende auch übernehmen will", erklärt Seehofer am Donnerstag vor der Sitzung des CSU-Vorstandes in München.. Der Mann strickt also an der Legende, sich erneut für seine CSU zu opfern. Schon 2008 sei er "aus der Not heraus" Ministerpräsident geworden.

Neuer Säulenheiliger

Zur Wahrheit gehört wohl auch, dass die ganze Sache auch seiner Eitelkeit schmeichelt. Denn Seehofer scheint sich mit dem Groko-Vertrag und den neuen Ministerehren in die Riege der Säulenheiligen der Bundespolitik aufgestiegen zu fühlen. Man merkt das, als er gefragt wird, ob er nun endlich den genauen Fahrplan für den Übergang an Markus Söder in der Staatskanzlei skizzieren könne, jetzt wo seine Zukunft doch so gut wie gesichert sei. Doch Seehofer vertröstet auf den 5. März und bittet um Geduld. "Zu großen Politikern gehört, dass sie solche Phasen mit großer Souveränität bestehen", belehrt er. Vom großen Horst Seehofer also gibt es keine Bestätigung dafür, dass in Bayern der Wechsel auf Söder am 15. März stattfinden soll und eine Woche später dessen erstes Kabinett vereidigt wird.

Auch nicht dafür, dass Generalsekretär Andreas Scheuer das Berliner Verkehrsministerium bekommt und die bisherige Staatssekretärin dort, die Unterfränkin Dorothee Bär, neue Entwicklungshilfeministerin wird. Alle Personalien stünden noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der SPD-Basis zum Koalitionsvertrag, betont Seehofer. Das Ergebnis der Mitgliederbefragung soll am 4. März vorliegen. Seehofer glaubt zwar nicht, dass da noch etwas schief gehen wird, "doch es könnte sein, dass wir am 5. März eine völlig andere Situation haben". Statt Regierungsbildung könnten dann Neuwahlen zur Debatte stehen.

Für den Moment ist Seehofer erst mal mit sich und der Welt im Reinen. Man habe in den Groko-Verhandlungen "viel Gutes für die Leute" erreicht. Seehofer nennt mehr Wohnungsbau, die Absenkung des "Soli" und die Grundrente. Außerdem habe man bei der Zuwanderung mit der faktischen Begrenzung auf rund 200 000 eigene Wahlziele durchgesetzt und im Gegenzug etwa die Bürgerversicherung verhindert.

Lieber Finanzminister

"Höchste Zufriedenheit" herrsche gar über die Ressortverteilung - auch wenn die Groko-Gespräche am Ende wegen Besetzung der Ministerien kurz vor dem Scheitern gestanden hätten, berichtet Seehofer. Da habe es lange Phasen des Schweigens gegeben, in denen nicht klar gewesen sei, ob es noch eine Einigung gebe. Letztlich sei der Kompromiss ein "Akt der Verantwortung für die Demokratie" gewesen. "Alle Parteien hätten auf Jahre hinaus Schaden genommen, wären die Gespräche wegen der Postenverteilung gescheitert", erklärt Seehofer. Er selbst hätte ja lieber das Finanzministerium übernommen.

Für seinen neuen Job sei er aber dennoch motiviert, bekennt Seehofer. Immerhin ist er künftig nicht nur für die innere Sicherheit zuständig, die er deutschlandweit auf das bayerische Niveau heben möchte, sondern auch für Wohnungsbau und Heimat. Da will sich Seehofer für "die kleinen Leute" einsetzen, ihnen zu bezahlbarem Wohnraum verhelfen und der "tiefen Sehnsucht" der Menschen nach besten Lebensbedingungen in ihrer Heimat Rechnung tragen. "Das ist noch mal eine Mission", begeistert sich Seehofer an der neuen Aufgabe. Mit 68 ist für ihn noch nun doch noch lange nicht Schluss.

Seehofer verteidigt die HeimatIn einem um das Thema "Heimat" erweiterten Bundesinnenministerium will der mögliche künftige Ressortleiter Horst Seehofer dem Trend zur Abwanderung in große Städte entgegenwirken. Dass immer mehr, vor allem jüngere Menschen, in prosperierende Regionen gingen, sei ein "verhängnisvoller Zug", sagte der CSU-Parteichef. Als Aufgabe für das Ministerium sieht er demnach, für gleichwertige Lebenschancen in den Regionen zu sorgen. Seehofer betonte: "Heimat ist eine ganz wichtige Bezugsgröße." Es gehe um die Orte, wo Menschen ihre Wurzeln hätten, wo Menschen täglich lebten und Freundschaften hätten. Seehofer wandte sich gegen den Spott über das geplante Heimatministerium. Es gehe um weit mehr als "Dirndl, Lederhose, Folklore", sagte er. Bayern war das erste Bundesland, das ein eigenes Heimatministerium einführte. Es hat seinen Sitz in Nürnberg und wird von Finanzminister Markus Söder geleitet. (epd)


Alle Parteien hätten auf Jahre hinaus Schaden genommen, wären die Gespräche wegen der Postenverteilung gescheitert.Horst Seehofer, CSU-Chef und designierter Bundesinnenminister
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