26.02.2018 - 20:52 Uhr
Deutschland & Welt

In einem Kino startet der designierte bayerische Ministerpräsident in den Wahlkampf Ein Blockbuster namens Markus

Bad Tölz. Einen passenderen Ort hätte die CSU für den Auftakt von Markus Söders erster Wahlkampftour nicht finden können. Siebeneinhalb Monate vor der Landtagswahl startet der Spitzenkandidat ausgerechnet in einem Kino im beschaulichen Bad Tölz sein politisch wohl größtes Projekt: Die Verteidigung der absoluten CSU-Mehrheit und damit einhergehend seinen persönlich letzten Schritt aus dem Schatten von Noch-Ministerpräsident und Parteichef Horst Seehofer.

In einem Bad Tölzer Kino startete Bayerns designierter Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seinen Wahlkampf. Bild: Andreas Gebert/dpa
von Agentur DPAProfil

"Das Multiplex-Kinocenter im modernen Bau mit großem Foyer zeigt die aktuellen Blockbuster, auch in 3D-Technik", wirbt das Tölzer Kino im Internet. Und zumindest mit Blick auf die Landtagswahl kann man Söder derzeit als den CSU-Blockbuster schlechthin bezeichnen. Wohl im März wird der 51-Jährige Franke das Amt des Regierungschefs von Seehofer übernehmen, um dann mit dem Amtsbonus im Gepäck die seit Monaten von Streit und Umfragetiefs mit Werten um die 40 Prozent gebeutelten Christsozialen zurück zu alter Stärke zu führen. So dürfte es zumindest im parteiinternen Drehbuch für die Wahl stehen. Knapp 300 Gäste haben sich am Abend im Tölzer Kino eingefunden, darunter neben Parteifreunden und Neugierigen viele Journalisten. Sie alle haben sich locken lassen von einem der tiefblauen Plakate oder Flyer, die sich bestens zwischen die Filmposter mit dem Titel "Söder persönlich" einpassen: Eingerahmt von bayerischem Löwen und einem barocken Engelskind mit Schwert und Schild prangt der streng und zielstrebig blickende Franke Söder. Selbst im eigens entworfenen Logo ist Söders Silhouette in bester Hollywood-Manier erkennbar. Das personifizierte Format ist kein Zufall: Um bei der Landtagswahl überhaupt eine Chance auf die absolute Mehrheit zu haben, muss der bislang eher für laute und kernige Zwischenrufe bekannte Söder sein Image zum souveränen Landesvater erweitern. Nur so kann er auch liberalere Milieus im Land ansprechen, wählbar werden. Dabei könnte das Format "Söder persönlich" schon deshalb helfen, weil es einen - wenn auch sehr genau choreographierten - Einblick hinter die Fassade erlaubt - fernab der politischen und manchmal unbequemen Alltagsthemen.

Für Söder ist der Tölzer Kino-Auftritt keine Premiere. Schon 2013 nutzte er in Nürnberg ein Lichtspielhaus für seinen Wahlkampf. Das auf Freizeit ausgelegte Ambiente ist tatsächlich ein guter Werbeort für den Privatmenschen Söder. Während die Kinogänger in den anderen Sälen bei Popcorn und Cola etwa den dritten Teil des Erotikfilms "Fifty Shades of Grey" anschauen, spricht Söder in Kino 3 fast eindreiviertel Stunden - und dies nicht nur über seine Hobbys (Radfahren, Schwimmen) und den Spaß an Verkleidungen. Mit ruhiger Stimme und gerne lächelnd führt Söder durch den Abend, der mit durchschnittlichem Applaus endet. Es war ein inszenierter Parcoursritt über seinen Visionen ("Ich habe den Willen, was zu verändern."), seinen Charakter ("Ich bin stur und konsequent."), seine Nürnberger Schulzeit ("Auf einer Seite eine Brauerei, auf der anderen Seite das Nürnberger Gefängnis.") und seinen Glauben ("Bekreuzigen fand ich immer eine tolle Geste").

Immer wieder gelingt es Söder auch politische Botschaften zu platzieren. Mit der Veranstaltung setzt Söder zudem einmal mehr ganz bewusst einen Konterpunkt zu Seehofer, der im Wahlkampf gerne mit dem Format "Seehofer direkt" oder "Klartext" inhaltliche Schwerpunkte setzte. Apropos Seehofer: Natürlich fällt an diesem Abend auch sein Name (erstmals nach einer Stunde und 17 Minuten) und die Frage, zum Verhältnis der beiden Alphatiere. Neues zur noch offenen Übergabe der Regierungsgeschäfte gibt es keine: "Wird vor Ostern abgeschlossen sein", hofft Söder.

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