Integrationskranz am BAMF
„Adventskranz“ auf Arabisch

Weihnachtsstimmung in Nürnberg: Die Lehrerin Daria Semlali hält während eines Integrationskurses des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge eine Flasche Glühwein in den Händen. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
23.12.2016
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Im Integrationskurs sollen Flüchtlinge und Zuwanderer nicht nur Deutsch lernen, sondern auch etwas über das Leben in Deutschland. Die Vermittlung von Werten rückt immer mehr in den Vordergrund. Dazu gehören aber auch Lebkuchen, Adventskalender und Weihnachtsmärkte.

Nürnberg. "Deutsche Weihnachtstraditionen" steht groß auf der Tafel. Rote und Schwarze Pfeile zeigen zu Speisen wie Lebkuchen und Plätzchen oder Bräuche wie dem Adventskalender und dem Adventskranz. "Was gefällt euch am deutschen Weihnachten?", fragt Lehrerin Daria Semlali. Die Dekorationen, ruft ein Mann in die Runde. Die anderen nicken. Der Weihnachtsmarkt! Auch da gibt es murmelnde Zustimmung. Weihnachten in Deutschland - das ist heute Thema im Integrationskurs in Nürnberg.

"Werte vermitteln"

"Die Integrationskurse sollen verstärkt Werte vermitteln", sagt Carola Cichos. Sie ist als Leiterin des Referats "Fragen der sprachlichen und politischen Bildung" beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für die Inhalte der Kurse zuständig. Primär sind die Integrationskurse für das Erlernen der deutschen Sprache gedacht, 600 Stunden sind dafür normalerweise vorgesehen. In 100 zusätzlichen Stunden werden den Teilnehmern die Rechtsordnung, Kultur und Geschichte Deutschlands nähergebracht. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der neuen Teilnehmer an Integrationskursen dem BAMF zufolge bundesweit von 180 000 auf mehr als 300 000 bislang in diesem Jahr fast verdoppelt. In Bayern ist die Zahl von 24 000 auf mehr als 40 000 gestiegen. Dabei hat sich auch das "Publikum" verändert: Im vergangenen Jahr waren bundesweit noch etwa 24 Prozent der Teilnehmer Flüchtlinge - also Asylbewerber aus Syrien, dem Irak, Eritrea, Somalia und dem Iran sowie anerkannte Flüchtlinge jeglicher Nationen. 2016 waren es bereits rund zwei Drittel. Der Rest sind etwa Zuwanderer aus EU-Staaten.

"Es ist anders, ob zum Beispiel EU-Bürger mit einem demokratischen Grundverständnis im Kurs sitzen oder Menschen aus ganz anderen Kulturkreisen", erklärt Cichos. Und so hat das BAMF das Curriculum der Sprach- und Orientierungskurse in diesem Jahr reformiert. Cichos zufolge wird nun im Sprachkurs etwa die Wertevermittlung noch bewusster als Lernziel gesetzt. Ein Unterrichtsbeispiel einer deutschen Familie etwa könnten eine berufstätige Mutter und ein Vater, der sich um den Haushalt kümmert, sein. Auch seien Themen wie Arbeit und Arbeitssuche ausgebaut worden. Der Orientierungskurs wurde zudem von 60 Stunden auf 100 Stunden ausgeweitet.

So findet auch Weihnachten Platz im Lehrplan. "Wir wollen ihnen klarmachen, dass es Teil unserer Kultur ist", erklärt die Lehrerin Semlali, die in der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) in Nürnberg unterrichtet. Die Teilnehmer müssten es nicht so zuhause leben, aber es sei wichtig, ihnen derartige Traditionen nahezubringen.

Vor sich ausgebreitet hat die gebürtige Polin Semlali Beispiele deutscher Weihnachtstraditionen: Einen Stollen, Glühwein, einen Schokoladenweihnachtsmann. "Wir sollten keine Ängste haben, den Menschen im Integrationskurs Weihnachten zu erklären - es kommt bei den Teilnehmern super an!"

Oftmals wurden die Integrationskurse als unzureichend kritisiert. Von der Wirtschaft etwa hieß es, mit dem Abschluss des Kurses spreche ein Teilnehmer noch lange nicht genug Deutsch für die Berufswelt. Auch hier versucht das BAMF, den Herausforderungen gerecht zu werden, und hat nun Sprachkurse eingeführt, die erst nach dem Integrationskurs ansetzen und sich bestimmten Berufsgruppen widmen. Eine "wirklich sinnvolle Maßnahme" nennt diesen Schritt Sonja Ziyal vom Bildungszentrum der Stadt Nürnberg. Zudem gibt es Kurse oder soll sie geben, die bestimmte Zielgruppen spezifisch ansprechen: Jugendliche, Frauen und sogenannte Zweitschriftlerner, die zwar eine Bildung genossen haben, aber lateinische Buchstaben erlernen müssen.

Zum Sprechen ermutigen

Semlali will die Männer und Frauen in ihrem Kurs zum Sprechen ermutigen. Sie fragt, ob und wie sie in ihrem Land Weihnachten feiern. Ein Teilnehmer aus dem Iran erklärt, in seiner Heimat feierten die meisten das Fest nicht. Der Iraker Rami Saba Georgie dagegen erzählt der Runde, dass er mit seiner Familie am 25. Dezember immer in die Kirche gegangen sei und anschließend im Haus seines Großvaters gefeiert habe. Als Christ sei er in seiner Heimatstadt Mossul im Nordirak in der Minderheit gewesen. Daher freue er sich, dass in Deutschland so viele Menschen Weihnachten feiern. "In der ganzen Stadt sind Dekorationen!"
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