05.11.2017 - 22:34 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zum Auftritt Markus Söders bei der Jungen Union Der Mut der Karrieristen zum Steigbügelhalten

Markus Söder lobt seine Steigbügelhalter: "Ihr zeigt Rückgrat, meinen Respekt davor, toll gemacht" - johlender Jubel des Parteinachwuchses. Planten dort mutige Jung-Unionisten den Tyrannenmord? Von wegen: Die Karrieristen der Nachwuchsorganisation biedern sich bei dem Mann an, der künftig Posten in seiner Regierung zu verteilen hat.

Kann sich ins Fäustchen lachen: Mitglieder der Jungen Union Bayern stehen während der JU-Landesversammlung in Erlangen neben dem bayerischen Finanzminister. Bild: Daniel Karmann/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Horst Seehofer ereilt nun das gleiche Schicksal, wie zuvor der Doppelspitze mit Günther Beckstein und Erwin Huber: Er wird für eine Wahlniederlage in Haftung genommen, für die die ganze Führungsriege der Partei verantwortlich ist. Eine Koalition mit der Bevölkerung hatte der Ingolstädter versprochen und immer dann seine Position verändert, wenn Mehrheiten jenseits eingeschlagener Pflöcke zu entstehen drohten. Man kann das prinzipienlos oder pragmatisch nennen, doch Seehofer trug damit wie Merkel zur Entideologisierung bei.

Aufgeklärte Bürger wollen sich nicht führen lassen, sie erwarten Lösungsansätze und eine kluge Moderation. Es wäre ein fataler Fehler Söders zu glauben, mit Grabenkämpfen der Vergangenheit auch die satten Mehrheiten der Ära Strauß oder Stoiber zurückholen zu können. In der Mitte der Gesellschaft gewinnt man Wahlen - nicht durch Anbiederung bei der AfD-nahen Minderheit.

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