19.04.2018 - 22:12 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zum Entwurf für ein Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz Das Psychiatriegesetz basiert auf einer Wahrnehmungsstörung

Gut möglich, dass wir Opfer einer psychischen Störung sind: einer Wahrnehmungsstörung als Teil der ständigen Erregungskultur. In der öffentlichen Wahrnehmung steigt die Zahl von Fällen exzessiver Gewalt, weil sich die Berichterstattung darauf stürzt. Dazu gesellt sich der Eindruck, viele Straftäter profitierten aufgrund psychischer Störungen von Straferleichterungen.

Justizopfer Gustl Mollath bei einer Pressekonferenz im Presseclub München. Mollath fordert mehr als zwei Millionen Euro Schadenersatz vom Freistaat Bayern wegen einer rund siebenjährigen Zwangsunterbringung in der Psychiatrie. Bild: Lino Mirgeler/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Es ist daher nicht verwunderlich, wenn die CSU, die künftig noch stärker auf den Schlüsselbegriff "Sicherheit" setzen will, dieses Thema im neuen Psychiatriegesetz aufgreift. Nichts gegen einige sinnvolle Hilfsangebote, aber insgesamt vergreift sich der Entwurf an grundlegenden Patientenrechten. Grob verkürzt kann man sagen: Wer in einer Krisensituation die Nerven verliert, kann noch leichter in eine Lage geraten wie Gustl Mollath - auf unbestimmte Zeit festgesetzt wie ein Straftäter.

Anders als es das subjektive Sicherheitsempfinden suggeriert, ist die Zahl dauerhaft Schuldunfähiger ziemlich konstant: Weniger als ein Prozent aller Schizophrenen begeht Gewalttaten. Umgekehrt wächst die Zahl der Normalbürger, die von diesem Gesetz betroffen sein könnten: 26 Prozent der Deutschen leiden unter depressiven Symptomen. Ärzte und Fachleute warnen deshalb: Sowohl das bayerische Psychiatrie- als auch das Polizeigesetz können diese Symptome verstärken!

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp