16.03.2018 - 18:26 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zum Wechsel des Ministerpräsidenten Markus Söders langer Weg zum Landesvater

Da steht er im blauen Zip-Pullover, ohne Krawatte, Hände in den Hosentaschen und lächelt. "Ein bisschen nervös bin ich schon", gesteht Markus Söder in einem Facebook-Video Stunden vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten. Eine Metamorphose in München. Vom scharfen Kettenhund der CSU zum gütigen Landesvater - der 51-jährige Franke arbeitet akribisch am Imagewechsel. Und die Wandlung könnte klappen.

von Frank Werner Kontakt Profil
Kommentar

Auch Edmund Stoiber hat dies hinbekommen. Der frühere Ministerpräsident mutierte vom "blonden Fallbeil" als Innenminister zum "Elder Statesman", einem ebenso konservativen wie honorigen Sympathieträger - nicht nur in der Union. Das politische Umfeld ist für Söder gleichwohl wesentlich schwieriger, weil zersplitterter. Von der alten Erfolgsformel spricht keiner mehr. Das letzte "50 plus x" gab es 2004 bei einer Europawahl. Getrieben von der AfD, aber auch von einer erstarkten FDP, den kommunalen Kraftprotzen Freie Wähler, den runderneuerten Grünen und sogar der revitalisierten SPD hat Söder im Freistaat an mehreren Fronten zu kämpfen.

Sein Hauptaugenmerk bei der Landtagswahl wird der AfD gelten. Ihre Wähler wieder an die CSU zu binden, ist die Masteraufgabe des neuen Ministerpräsidenten. Den falschen Weg beschreitet dabei sein Parteichef. Horst Seehofer legt mit der Parole "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" eine ganz alte Platte auf. Das Manöver zur Befriedung des rechten Randes ist an Durchsichtigkeit nicht zu überbieten. Der neue Bundesinnenminister möchte offenbar schnell Pflöcke setzen.

Dass Söder Seehofer am Freitag auch noch explizit zustimmt, lässt nichts Gutes erahnen. Was kann es für die CSU Schlimmeres geben, als Beifall von der AfD? Ein Landesvater muss bestimmt nicht der Chef-Integrator sein. Aber eine Rolle sollte er schnell ablegen - die des Populisten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.