11.03.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Bayern-SPD Schwere Bürde für Natascha Kohnen

Die SPD hat seit der Vierer-Koalition unter ihrer Führung in der 1950er Jahren schon viel versucht, um in Bayern wieder in die Nähe einer Regierungsbeteiligung zu kommen. Seit 30 Jahren weist der Trend aber kontinuierlich nach unten. Jetzt also der Versuch mit Natascha Kohnen und ihrem "neuen Politikstil". Vielleicht kommt sie damit zur richtigen Zeit. Denn ihre Analyse, dass die Bürger von schwafelnden, den Gegner herabwürdigenden und haltlos viel versprechenden Politikern genug haben, ist nicht falsch. Kann sein, dass sich Kohnen gerade mit ihrer leisen und nachdenklichen Art Gehör verschaffen kann.

von Jürgen UmlauftProfil
Kommentar

Aber so wenig wie eine Schwalbe einen Sommer macht, macht eine Kohnen noch keine erfolgreiche SPD. Wie die vergangenen Monate gezeigt haben, neigt die Partei weiterhin zur selbstzerfleischenden Nabelschau und zu sturem Programmfetischismus. Für eine Spitzenkandidatin im Wahlkampf ist das eine schwere Bürde.

Zudem hat Kohnens Modell zwei Haken. Zwar hat sie das Ohr wie kaum eine andere ganz nah an den Sorgen der "kleinen Leute" und heuchelt denen nicht nur Verständnis, aber es widerstrebt ihr, sie mit einfachen Lösungen zu umgarnen. Mit ehrlichen, dafür aber komplexen Antworten könnte sie zwischen den Mühlsteinen der Populisten zerrieben werden. Um ein bisschen Zuspitzung wird sie also nicht herumkommen können. Auch wäre die Fokussierung auf die zweifellos wichtige Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu eindimensional.

Es war schon auffallend, dass sie in ihrer Parteitagsrede nichts zur Bewältigung der Flüchtlingskrise, zur Inneren Sicherheit, zur künftigen Energieversorgung oder zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen gesagt hat. Auch darauf wollen die Bürger Antworten haben. Dass sie die hat, zeigt Kohnen regelmäßig bei ihren Auftritten im Landtag. Im Wahlkampf wird sie sie nicht dauerhaft hinter den sozialen Themen verstecken können.

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