28.03.2017 - 21:14 Uhr
Deutschland & Welt

Landtagsabgeordneter Tobias Reiß über Attraktivität des Freistaats als Arbeitgeber „Sichere Arbeitsplätze alleine reichen nicht“

München. Der Tirschenreuther CSULandtagsabgeordnete Tobias Reiß (48) hat am Dienstag sein Amt als Vorsitzender des Ausschusses für Fragen des öffentlichen Dienstes angetreten. Das Gremium ist das einzige dieser Art in einem deutschen Landtag. Es befasst sich nur mit Themen, die Beschäftigte des Freistaats betreffen. Fragen an Tobias Reiß zu den Aufgaben:

Links der neue Ausschussvorsitzende Tobias Reiß (CSU), rechts sein Stellvertreter Peter Meyer (Freie Wähler).
von Jürgen UmlauftProfil

Herr Reiß, welche Herausforderungen kommen auf den öffentlichen Dienst zu?

Tobias Reiß: Der öffentliche Dienst steht mitten im Wettbewerb um Fachkräfte. Deshalb muss der Freistaat als öffentlicher Arbeitgeber attraktiv für den Nachwuchs bleiben. Dazu kommt die wachsende Bedeutung der Digitalisierung. Unser Ziel ist, die Leistungsfähigkeit und Bürgerfreundlichkeit der Verwaltung konsequent auszubauen. Beim zeitgemäßen Service an der Schnittstelle vom Bürger zum Staat gibt es schon Möglichkeiten, besser zu werden.

Wie wird man als Staat ein attraktiver Arbeitgeber?

Allein mit sicheren Arbeitsplätzen zu werben, reicht heute nicht mehr aus. Natürlich wollen Beschäftigte gut bezahlt werden, was im öffentlichen Dienst in Bayern auch der Fall ist, aber sie wollen auch Perspektiven. Dazu gehören die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie berufliches Fortkommen und Aufstiegschancen.

Die heiße Phase der Behördenverlagerungen steht an. Was ist aus Sicht der Beschäftigten zu beachten?

Grundlage ist für mich das Rahmenkonzept, wonach niemand gegen seinen Willen versetzt wird. Es müssen deshalb Anreize geschaffen werden, mit der Behörde aufs Land zu ziehen - zum Beispiel durch die Übertragung von Verantwortung beim Aufbau eines neuen Standorts, verbunden mit der Aussicht auf Beförderung. Andererseits sind die Behördenverlagerungen eine Riesenchance für die regionalen Arbeitsmärkte. Beim Amt für ländliche Entwicklung in Tirschenreuth zum Beispiel wurde schon über die Hälfte der Stellen mit Bewerbern aus der Region besetzt. Eine neue Herausforderung wird der Umzug des Gesundheitsministeriums nach Nürnberg. Da müssen wir darauf achten, dass es für Ministeriumsbeamte keine Sonderregelungen gibt. Der Ministerialrat, der nach Nürnberg versetzt wird, muss genauso behandelt werden wie der Vermessungsbeamte, der nach Waldsassen muss.

Genau anders liegen die Probleme bei jungen Lehrern oder Polizisten, die vom Land in die Ballungsräume versetzt werden. Sehen Sie Ansatzpunkte für eine Trendumkehr?

Bei den Polizisten ist der Einstieg geschafft mit der Höchstversetzungsdauer nach München. Es kommen jetzt sichtbar mehr junge Beamte bei den Inspektionen auf dem Land an. Schwieriger ist das bei den Lehrern. In den vergangenen 20 Jahren ist die Schülerzahl an den Grund- und Mittelschulen der Oberpfalz von 83 000 auf 53 000 zurückgegangen, im Ballungsraum München ist sie dagegen gestiegen. Die Lehrer müssen halt zu den Schülern. Einen Ansatzpunkt sehe ich in einem Demographiezuschlag. Um den Unterricht an kleinen Landschulen sicherzustellen, braucht man mehr Lehrkräfte als an großen Schulen in den Städten. Diesen Mehrbedarf auf dem Land müssen wir noch deutlicher artikulieren. Für das geplante Bildungspaket ist dieser Punkt bereits andiskutiert worden.

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