23.10.2017 - 20:50 Uhr
Deutschland & Welt

Machtspiele in der CSU Partei diskutiert Abgang Seehofers

Noch steht Horst Seehofer bei den Verhandlungen über die Jamaika-Koalition in Berlin im Zentrum der Politik. Zu Hause in Bayern gibt es derweil Gedankenspiele über den Abgang des CSU-Vorsitzenden.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Bild: Jörg Carstensen/dpa
von Jürgen UmlauftProfil

München. In der CSU macht das Wort "Exit-Strategie" die Runde. Es beschreibt den Eindruck, dass Horst Seehofer seinen erst wenige Monate alten Entschluss, sich doch nicht 2018 aus der Politik zurückzuziehen, noch einmal überdenken könnte. Offenbar, so heißt es unter CSU-Abgeordneten, hinterlassen die immer neuen Forderungen aus der Partei nach einem "geordneten Übergang" - sprich dem Verzicht Seehofers auf den CSU-Vorsitz und die Spitzenkandidatur 2018 - ihre Wirkung. Nach der Münchener CSU kamen diese sogar aus Seehofers Heimatbezirk Oberbayern. "Er kann das politisch nicht mehr überleben", ist sich einer mit viel Erfahrung in der CSU sicher.

Was auf dem auf Mitte Dezember verschobenen CSU-Parteitag passieren könnte, darüber kursieren in CSU-Runden diverse Szenarien. Zunächst einmal wird aufmerksam registriert, dass sich der bayerische Innenminister Joachim Herrmann nun doch wieder für den Posten des Bundesinnenministers interessiert.

Nach der Bundestagswahl und Herrmanns Scheitern beim Versuch, als CSU-Spitzenkandidat ein Abgeordnetenmandat in Berlin zu ergattern, hatte das ganz anders geklungen. In der CSU geht man davon aus, dass Herrmann sein neues Interesse zumindest auf Bitten Seehofers bekundet hat. Dazu erinnert man sich an einen ein Jahr alten Seehofer-Satz, wonach der künftige CSU-Chef ein Ministeramt in Berlin bekleiden müsse, um mit der CDU-Vorsitzenden und Kanzlerin Angela Merkel auf Augenhöhe zu sein.

Seehofer sagte dies damals auch, um seinen parteiinternen Widersacher Markus Söder als CSU-Chef zu verhindern. Denn der Finanzminister hatte seinerzeit klargestellt, seine politische Zukunft allein in Bayern zu sehen. Wenn sich Herrmann nun mit ausdrücklicher Billigung Seehofers wieder ins Gespräch für ein Ministeramt in Berlin bringt, interpretieren das in der CSU nicht wenige als Versuch, Herrmann als Kandidaten für den CSU-Vorsitz zu positionieren - und damit Söder auszubremsen. Der hat zwar einmal verlauten lassen, im Zweifel gegen Herrmann anzutreten, doch in der CSU wird eine Kampfkandidatur für riskant gehalten.

Nach dieser Lesart - Voraussetzung ist allerdings, dass der CSU in der "Jamaika-Koalition" das Innenministerium tatsächlich zufällt - könnte Seehofer auf dem Parteitag Herrmann als Nachfolger vorschlagen. Teil 1 des "geordneten Übergangs" wäre damit wohl gelungen, so die Hoffnung der Vertreter dieser These. Es gibt aber noch eine zweite Spekulation: Seehofer bleibt Parteichef und geht selbst als Minister nach Berlin. Es wäre eine Art des "geordneten Übergangs", wie sie sich Seehofers Kritiker gar nicht vorgestellt hätten.

Aber wer würde dann bayerischer Ministerpräsident? Für möglich gehalten wird, dass Seehofer auf dem Parteitag auch für den Übergang an der Spitze der Staatsregierung einen Fahrplan vorlegt, egal ob er nach Berlin zurückkehren oder komplett aussteigen würde. Nach Lage der Dinge, so ist man sich in der CSU sicher, kann der Spitzenkandidat für 2018 in beiden Fällen nur Markus Söder heißen. Ob Seehofer aber diese Personalie über die Lippen käme und er sich das antun wolle, darüber gehen die Meinungen auseinander.

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