01.12.2016 - 02:10 Uhr
Deutschland & Welt

Mitgliederzuwächse bei Parteien Trump macht Bürger munter

Weiden/Amberg. Die Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA scheint bis in die Oberpfalz nachzuwirken. Zumindest, was die Neueintritte in Parteien angeht, zeigt sich seit Anfang November zum Teil eine erstaunliche Entwicklung. Vor allem die Grünen haben laut ihrer Bezirksvorsitzenden Margit Kunc (Regensburg) in jüngster Zeit überdurchschnittliche Zuwächse zu verzeichnen. 15 Neueintritte bei 565 Mitgliedern bedeuten seit Anfang November einen Zuwachs von gut 3 Prozent.

von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Zwei Ursachen

"Ich führe den derzeit stärkeren Anstieg als üblich erstens auf die Grünen-Kampagne ,Urwahlbeteiligung - Basis ist Boss' zurück und zweitens auf die Trump-Wahl in Amerika", sagt Kunc. Viele Mitglieder begründeten ihren Eintritt mit Statements wie "Ich möchte, dass die Gesellschaft nicht weiter gespalten wird oder ich möchte Populisten etwas entgegensetzen", erläutert die Regensburger Stadträtin. Den größten Mitgliederzuwachs vermeldet die AfD - gut 50 Prozent seit Anfang des Jahres. Bayernweit erhalte die Partei laut ihrem Oberpfälzer Bezirksvorsitzenden Christian Paulwitz im Mittel etwa 10 Mitgliedsanträge pro Tag. Allerdings muss man dabei natürlich berücksichtigen, dass die AfD ein relativ neuer Mitspieler auf der politischen Bühne ist und die Zuwächse daher naturgemäß überdurchschnittlich ausfallen. In der Oberpfalz, sagt Paulwitz, sei von den insgesamt vier Kreisverbänden "vor allem Weiden deutlich überdurchschnittlich vorangekommen". Insgesamt zählt die AfD Oberpfalz zurzeit 254 Mitglieder. Das Erfolgsgeheimnis seiner Partei sieht Paulwitz so: "Die Bevölkerung sucht nach einer authentischen Alternative, die bereit ist, die realen Probleme, die von der Politik der etablierten Parteien verursacht wurden, zu benennen und anzugehen. Und die Menschen merken zunehmend, dass es auf sie selbst ankommt, dazu einen aktiven Beitrag zu leisten." Sabina Bläser (Regensburg), CSU-Geschäftsführerin im Bezirksverband Oberpfalz, gibt den aktuellen Mitgliederstand ihrer Partei mit 19 283 Personen an. Vom 1. Januar bis 23. November habe man deutlich mehr Neumitglieder, nämlich 382, aufgenommen als verloren (207). "Jedoch kämpft die CSU Oberpfalz wie jede andere Partei in Bayern mit dem demografischen Wandel", gibt Bläser zu bedenken. Die aktuelle Mitgliederentwicklung gleiche derjenigen der letzten Jahre. Für die SPD in der Oberpfalz nennt Bezirksgeschäftsführerin Gisela Birner (Weiden) folgende Zahlen: 2016 seien bislang 130 Mitglieder neu in die Partei eingetreten, davon 19 allein im Zeitraum vom 1. bis 29. November. Insgesamt haben damit 7897 Oberpfälzer ein SPD-Parteibuch.

Zuwachs der Liberalen

Die FDP zählt im Freistaat momentan 5050 Mitglieder, davon sind 410 im Jahr 2016 eingetreten. Das vermeldet Martin Hagen (München), Hauptgeschäftsführer und Pressesprecher der Partei im Freistaat. Die Liberalen in der Oberpfalz haben aktuell 255 Mitglieder, wovon 17 im laufenden Jahr eingetreten sind.

Noch keine gesonderten Zahlen für die Oberpfalz kann die Partei Die Linke melden. Der bayerische Landesvorsitzende Ates Gürpinar (München) bedauert, erst Anfang Dezember über die genauen Daten der einzelnen Kreisverbände zu verfügen.

Die Entwicklung in Bayern

SPD, Grüne, Linke und AfD in Bayern können sich im Freistaat über eine steigende Zahl von Neumitgliedern im November freuen. In die SPD sind in den ersten drei Wochen des Monats 165 Männer und Frauen eingetreten. Üblich seien rund 100 Eintritte in einem gesamten Monat, wie die Partei mitteilte. Auch die Grünen sprechen von einem rasanten Mitgliederzuwachs - mit 150 neuen Mitgliedern seit dem 1. November. Damit haben derzeit 8500 Menschen in Bayern ein grünes Parteibuch. Die Linke hat in Bayern seit dem 8. November 50 Eintritte verzeichnet - dreimal mehr als üblich - und kratzt damit an der Marke von 2600 Mitgliedern. Zwei Drittel der Neumitglieder sind unter 35 Jahre alt. Das bestätige laut Landesvorsitz einen allgemeinen Trend der Linken und sei kein einmaliger Effekt - wenn auch in dieser Größe unbekannt. Seit dem Entstehen der Flüchtlingsinitiativen auf der einen Seite und dem sich entwickelnden Rechtsruck auf der anderen Seite gebe es "doch recht viele junge Menschen, die mit ihrem Eintritt Farbe bekennen wollen". Dies widerlege auch die bisherige Einschätzung über Jugendliche, dass sie sich weniger festlegen möchten und daher nicht mehr in Parteien eintreten. Als noch junge Partei legte zuletzt auch die AfD in Bayern kräftig zu: Innerhalb eines Jahres stieg die Mitgliederzahl von 2600 auf 3500. Hinzu kommen nach Parteiangaben 400 noch unbearbeitete Aufnahmeanträge. (dpa/m)

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