10.08.2017 - 17:54 Uhr
Deutschland & Welt

"Mutter der Leprakranken" gestorben Tiefe Trauer um Ruth Pfau

Einer Deutschen ist es zu verdanken, dass es in Pakistan keine Lepra mehr gibt. Die Ärztin und Nonne Ruth Pfau (9. September 1929 – 10. August 2017) widmete ihr Leben dem Kampf gegen die Krankheit - mit Erfolg. In der Nacht zum Donnerstag ist die "Mutter der Leprakranken" gestorben.

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Würzburg/Karachi. Erst Anfang Juni hat die Ärztin und deutsche Ordensfrau Ruth Pfau die ewige Profess abgelegt. Dabei gehört sie der Kongregation der Gesellschaft der Töchter vom Herzen Mariä schon seit dem Jahr 1957 an. Allerdings lädt die Ordensgemeinschaft die Schwestern erst zur ewigen Profess ein, wenn diese keine eigenen beruflichen Verpflichtungen mehr haben.

Die Leitung des Leprazentrums MALC in der pakistanischen Hafenstadt Karachi hat sie schon länger abgegeben. Schwester Pfau erholte sich damals im Krankenhaus von einem Sturz, als sie vor den Erzbischof von Karachi Joseph Couts die Gelübde ablegte. Auch jetzt war sie wieder im Hospital. Nach einem Schwächeanfall war sie in die Aga-Khan-Klinik Karachi gebracht worden, wo sie im Alter von 87 Jahren in der Nacht zum Donnerstag "friedlich eingeschlafen" ist, wie die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW in Würzburg am Donnerstag mitteilte.

Die Ärztin arbeitete seit dem Jahr 1961 eng mit dem DAHW zusammen. Vor 21 Jahren gründeten beide die Ruth-Pfau-Stiftung in Würzburg, die bis heute maßgeblich das von Ruth Pfau gegründete pakistanische Hilfswerk Marie-Adelaide-Leprosy-Centre (MALC) unterstützt. Pfau war als junge Medizinerin im Jahr 1960 nach Pakistan gekommen - und widmete ihr Leben den Kranken und Ausgestoßenen sowie der Bekämpfung von Lepra.

Wegen ihres Einsatzes wird Pfau in Pakistan "Mutter der Leprakranken" oder auch "Engel von Karachi" genannt. Viele schreiben es ihr zu, dass in dem westasiatischen Land die chronische Infektionskrankheit nahezu ausgerottet ist. Im Jahr 1979 wurde Pfau in Pakistan zur Ehrenbürgerin und zur nationalen Beraterin für Leprafragen im Rang einer Staatssekretärin ernannt. "Ruth Pfau hat Hunderttausenden Menschen ein Leben in Würde ermöglicht. Ihr Tod bedeutet für alle, die sie kannten, einen großen Verlust und hinterlässt durch die enge Verbundenheit eine tiefe Trauer", sagte Harald Meyer-Porzky, Vorstand der Ruth-Pfau-Stiftung, am Donnerstag.

Reinhard Erös, Gründer der Kinderhilfe Afghanistan, aus Mintraching (Kreis Regensburg) spricht von einem Wahnsinnserfolg, den Ruth Pfau erreicht habe. Für ihn waren die Begegnung mit ihr in den 1980er Jahren ein tolles Erlebnis, das ihn in seiner Arbeit beflügelt habe, berichtete er am Donnerstag.

Er habe von ihr gelernt, wie man den Menschen begegne. Zwei Mal traf der Oberpfälzer die Ordensschwester in Karachi. Damals lebte Erös im Norden Pakistans, in Peschawar. Von dort aus leistete er medizinische Hilfe für Menschen in Afghanistan und für die afghanischen Flüchtlinge in Pakistan. In der Hafenstadt holte er den medizinischen Nachschub für seine Arbeit.

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