25.04.2018 - 22:50 Uhr
Deutschland & Welt

Nahversorgung auf dem Land Experten fordern mehr Förderung für Dorfläden

Die Staatsregierung muss Dorfläden besser fördern, fordern Experten. Nur so ließe sich die Versorgungslage auf dem Land aufrecht erhalten. Großanbietern wie Aldi & Co. werde es zudem zu leicht gemacht.

"Wir werden künftig weitere Wege in Kauf nehmen müssen." Zitat: Wolfgang Puff, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern
von Jürgen UmlauftProfil

München. Bei einer Anhörung im Innenausschuss des Landtags plädierten mehrere Fachleute zudem für klarere Vorgaben in der Landesplanung. Wenig Handlungsbedarf sah lediglich der Handelsverband Bayern. "Die Nahversorgung ist im Prinzip gut gesichert", erklärte Geschäftsführer Wolfgang Puff. Die Entwicklung zu größeren Läden in zentralen Orten sei aber nicht mehr umkehrbar: "Wir werden künftig weitere Wege in Kauf nehmen müssen."

Damit wollten sich die anderen Experten nicht abfinden. Der Bayreuther Raumordnungsprofessor Manfred Miosga erklärte, dass bereits heute 1,3 Millionen Bayern mehr als drei Kilometer entfernt vom nächsten Lebensmittelladen lebten. Setze sich die Entwicklung fort, dass kleine, eigentümergeführte Läden von der Bildfläche verschwinden, werde die Zahl dieser "Unterversorgten" bald auf über 2 Millionen steigen. Problematisch sei, dass damit die Zahl derer, die zum Einkaufen auf das Auto angewiesen seien, wachse, während wegen der älter werdenden Gesellschaft weniger Menschen automobil unterwegs sein könnten.

Der Freyunger Bürgermeister Olaf Heinrich sah in der Entwicklung auch ein soziales Problem. "Mit dem Laden sterben auf dem Dorf auch örtliche Kommunikationszentren und Treffpunkte", warnte er. Dies müsse Kommunalpolitikern bewusst sein, die dem "Lockruf der Aldis und Lidls" auf der grünen Wiese verfielen. Dass die Landesplanung dies mit der Ausweitung von Ansiedlungserleichterungen unterstütze, führe zu Fehlentwicklungen. Nötig sei die bessere Förderung von Nahversorgern im Ortszentrum. Dies müsse ein eigener Fördertatbestand werden, forderte Heinrich.

Der Unternehmensberater Wolfgang Gröll hob das enorme Potenzial "multifunktionaler" Dorfläden hervor. Besonders erfolgreich seien Kombinationen aus Lebensmittelladen mit Post- und Bankdiensten sowie Tages-Café und örtlichen Dienstleistungen. Zudem würden über die Läden viele regionale Lebensmittel verkauft. Weitere Möglichkeiten für die Nahversorgung brachte die Deggendorfer Professorin Diane Ahrens ins Spiel. Sie nannte den Online-Handel und "rollende Supermärkte". Einzig Wolfgang Puff blickte skeptisch auf die Vorschläge. Man müsse die Entwicklungen im Handel realistisch aufnehmen und dürfe sich "nicht in Träumereien ergehen".

Wir werden künftig weitere Wege in Kauf nehmen müssen.Wolfgang Puff, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern
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