31.08.2017 - 21:26 Uhr
Deutschland & Welt

NSU-Prozess: André E. vor Münchener Gericht Stiller Fanatiker

Als einziger Angeklagter im NSU-Prozess hat André E. von Beginn an konsequent geschwiegen. Dafür fiel er durch provokante Kleidung und Tätowierungen auf. Der Staatsanwalt nannte ihn jetzt den "legalen Arm" des "Nationalsozialistischen Untergrunds".

von Agentur DPAProfil

München. Die Bundesanwaltschaft hat in ihrem Plädoyer im NSU-Prozess den mutmaßlichen Terrorhelfer André E. als engsten Eingeweihten des "Nationalsozialistischen Untergrunds" bezeichnet. "Als legaler Arm des NSU genoss er Vertrauen", sagte Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht München. E. habe Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt stets geholfen.

Zu Beginn von Weingartens Vortrag hatte eine Gruppe von Störern auf der Zuschauertribüne lautstark gegen "institutionalisierten Rassismus" protestiert. Das Gericht unterbrach die Verhandlung und Wachleute führten die Protestierenden aus dem Saal. Nach Überzeugung der Anklage wusste E., dass die drei NSU-Mitglieder mit Waffen und Sprengstoff Zuwanderer töten wollten und ihren Lebensunterhalt mit der Beute aus Überfällen bestritten. Er habe öfters Wohnmobile gemietet, mit denen Mundlos und Böhnhardt zu Tatorten gefahren seien. Die fanatische Nazi-Ideologie und das "Todeskonzept" des NSU vertrete er bis heute. E. habe die theoretischen Schriften und literarischen Vorbilder gekannt, die als "Blaupause" für das Vorgehen des NSU gedient hätten.

Als eine Art Geständnis wertete Weingarten ein Bild im Wohnzimmer E.s, das die Porträts von Mundlos und Böhnhardt zeigt, versehen mit einer germanischen Todesrune und dem Wort "unvergessen" in altdeutscher Sütterlin-Schrift. Es sei "der seltene Fall einer gestehenden Wohnzimmergestaltung", meinte der Ankläger. E. habe das Bild als "Heldenverehrung" unter Bilder seiner Kinder gehängt.

Über den mitangeklagten Holger G. erklärte Weingarten, auch der habe wissen müssen, dass er terroristische Täter unterstützte. G. hatte eingeräumt, dem Trio eine Waffe gebracht und Papiere besorgt zu haben. Von Morden und Sprengstoffanschlägen will er nichts gewusst haben.

Strafen für E. und G. beantragte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag noch nicht. Bundesanwalt Herbert Diemer hatte angekündigt, er werde erst ganz am Ende des Schlussvortrags für alle Angeklagten Strafforderungen stellen. Das Plädoyer der Anklage hatte schon vor der Sommerpause begonnen und wird sich voraussichtlich noch über mehrere weitere Prozesstage hinziehen.

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