NSU-Prozess: Angeklagter gingen Aussagen von Opferangehörigen „sehr nahe“
Zschäpes Einsichten

Die Angeklagte Beate Zschäpe am Dienstag mit ihren Anwälten Hermann Borchert (links) und Mathias Grasel. Bild: dpa
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Bayern
10.01.2017
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München. Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat sich im NSU-Prozess von der "sogenannten rechten Szene" distanziert und die Aussagen von Zeugen als "zum Teil sehr einschneidende Erlebnisse" bezeichnet. Einige seien ihr "sehr nahe" gegangen. Als Beispiel nannte sie den Appell der Mutter des NSU-Mordopfers Halit Yozgat "von Frau zu Frau". Zschäpe trug ihre Erklärung am Dienstag nicht selber vor, sondern ließ sie von einem Verteidiger verlesen.

Zuvor hatte das Gericht erneut vergeblich versucht, den psychiatrischen Sachverständigen Henning Saß aufzurufen. Der 6. Strafsenat des Münchener Oberlandesgerichts hat ihn damit beauftragt, Zschäpe psychiatrisch zu begutachten. Das Gericht hatte ihn bereits im Dezember anhören wollen, was an einem Verfahrensstreit scheiterte.

Zschäpe erklärte weiter, sie habe im Verlauf des seit dreieinhalb Jahren laufenden Verfahrens vor allem deshalb kaum Gemütsregungen gezeigt, weil ihre Anwälte ihr das so geraten hätten. Die Verbrechen ihrer beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt habe sie verdrängt gehabt. Erst die Aussagen von Zeugen hätten ihr den Umfang und die Auswirkungen der von Mundlos und Böhnhardt verübten Taten "voll bewusst" gemacht.

Auch am Dienstag brachten Zschäpes Verteidiger neue Anträge ein. So forderten sie das Gericht auf, dafür zu sorgen, dass der Sachverständige Saß "Beobachtungen von Frau Zschäpe während und außerhalb der Hauptverhandlung" außer Acht zu lassen habe. Sonst würden Grundrechte der Angeklagten verletzt. Das Gericht entschied am Dienstag nicht über die Anträge. Die Bundesanwaltschaft kündigte für Mittwoch Stellungnahmen dazu an.
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