NSU-Prozess steuert mit Gutachten über Zschäpe auf das Ende zu
Das letzte Beweismittel

Beate Zschäpe. Archivbild: dpa
Politik BY
Bayern
20.12.2016
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München. Im NSU-Prozess soll der psychiatrische Gutachter Henning Saß ab heute sein Gutachten über die Angeklagte Beate Zschäpe vortragen. Darin geht es um die Frage von Zschäpes Schuldfähigkeit und auch darum, ob das Gericht zusätzlich zu einer Haftstrafe eine Sicherungsverwahrung über sie verhängen kann.

Das Gutachten des 72 Jahre alten Mediziners gilt als letztes Beweismittel, das das Gericht für sein Urteil benötigt. Allerdings haben die Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben und mehrere Nebenkläger auch danach noch weitere Beweisanträge in Aussicht gestellt.

Der Prozess gegen Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" begann am 6. Mai 2013 und dauert damit inzwischen länger als dreieinhalb Jahre. Für das Gutachten hat das Gericht die Verhandlungstage heute und am Mittwoch eingeplant. Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an den zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen angeklagt, die die Bundesanwaltschaft dem NSU vorwirft. Das Motiv soll in fast allen Fällen Fremdenhass gewesen sein. Allein die Ermordung der Heilbronner Polizistin Michéle Kiesewetter soll anders motiviert gewesen sein. Hier nimmt die Anklage Hass auf den Staat und seine Repräsentanten an.

Mehr als 170 Seiten

Gutachter Saß war bis 2010 ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Aachen. Davor leitete er die forensische Psychiatrie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Zum Professor habilitierte er 1986. Eine schriftliche Fassung seines Gutachtens über Zschäpe hatte Saß dem Gericht bereits vorgelegt und ihr darin Schuldfähigkeit attestiert. Auf mehr als 170 Seiten fasst er Eindrücke aus Akten und Beobachtungen im Prozessverlauf zusammen. Selber sprechen konnte er mit Zschäpe nicht, weil sie dazu nicht bereit war.

In seiner "vorläufigen Beurteilung" bescheinigt er Zschäpe trotz ihres "komplizierten Lebensgangs" mit einem unbekannten Vater und "Belastungen durch das Verhalten der Mutter", sie scheine "eine recht kontaktfreudige junge Frau gewesen" zu sein. Auch während der Zeit mit ihren mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund seien "aus psychopathologischer Sicht keine wesentlichen Auffälligkeiten bekannt geworden".
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