14.02.2018 - 21:24 Uhr
Deutschland & Welt

Politischer Aschermittwoch in Vilshofen: Olaf Scholz wirbt für die Groko Die SPD hat sich wieder lieb und greift an

Ist das wirklich die SPD? Vom Chaos der vergangenen Tage keine Spur. Am Politischen Aschermittwoch rückt die Partei zusammen. Olaf Scholz wirbt für die Große Koalition.

Der kommissarische Vorsitzende Olaf Scholz (Zweiter von links) trinkt im Festzelt in Vilshofen einen Schluck aus seinem Bierglas. Links Natascha Kohnen, SPD-Landesvorsitzende von Bayern. Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
von Julian Trager Kontakt Profil

Vilshofen/Donau. Nur ein junger Mann störte kurz. Er hatte sich ganz zum Schluss beim Gruppenfoto auf die Bühne geschlichen. Zwei Sekunden hielt er sein Pappschild mit der Aufschrift "#NoGroko" hoch, über den Köpfen von Olaf Scholz, Natascha Kohnen und Co. Dann war der Juso wieder weg - und das Bild, das die SPD am Politischen Aschermittwoch in Vilshofen an der Donau hinterließ, wieder perfekt. Geschlossen standen die Genossen hinter Scholz und Kohnen. Die Botschaft: In der SPD hat man sich wieder lieb - und die Partei greift wieder an.

Olaf Scholz, seit Dienstagabend kommissarischer Parteichef, warb in seiner Rede vor allem für die Große Koalition. "Das ist ein guter Vertrag." Das Publikum klatschte. Hamburgs Erster Bürgermeister sagt auch: "Zwei Drittel von dem, was im Koalitionsvertrag steht, stammt aus dem sozialdemokratischen Wahlprogramm. Wer hat noch Fragen?" Ein Programm, den man zustimmen könne. Wieder klatschen die Genossen laut, einige johlen sogar. War das hier wirklich eine Veranstaltung der SPD? Der Partei, die sich in den vergangenen Tagen und Wochen fast selbst zerfleischt hat? Die Stimmung im voll besetzten 2500-Mann-Zelt war jedenfalls gut. Die Sozialdemokraten zeigten sich selbstkritisch: "Wir haben nicht die beste Performance abgegeben", sagte Scholz. Die Sozialdemokraten zeigten sich aber auch als geschlossene Einheit - Politiker und Publikum. Nur eine kleine Juso-Gruppe rebellierte. Mit Pappschildern, Flyern und T-Shirts protestierten sie gegen die Groko. Gegen den Applaus der anderen Genossen kamen sie aber nicht an. Wenn der politische Aschermittwoch ein Stimmungstest für den Ausgang des Mitgliederentscheids über die Groko war, dürften die Koalitionsbefürworter frohen Mutes in die Zukunft schauen. Wobei der Weidener Bundestagsabgeordnete und Generalsekretär der Bayern-SPD Uli Grötsch relativierte: "Wie es ausgeht? Kann man momentan nicht seriös sagen."

An die Koalitions-Kritiker richtete Olaf Scholz auch ein paar Worte: "Wenn wir Europäer eine Rolle spielen wollen mit unseren Werten, dann nur gemeinsam. Diese Chance darf die deutsche Regierung nicht vertun." Das müssten alle wissen. "Jetzt ist das Zeitfenster, nicht in fünf Jahren, vielleicht gibt es dann keins mehr. Jetzt müssen wir handeln."

Ansonsten hielt sich Scholz zurück, Attacken blieben Mangelware - zu viele Probleme hatte es zuletzt in der eigenen Partei gegeben. Ein paar Spitzen durften trotzdem nicht fehlen, unter anderem gegen Horst Seehofer und Angela Merkel: "Nicht nur ein bayerischer Politiker hat seinen Zenit überschritten, sondern auch eine Frau aus dem Norden." Zum Thema FDP und Regieren sagte er: "Die können das nicht." Deswegen sei halt seine Partei wieder dran. "Die SPD hat immer Verantwortung übernommen, auch in schwierigen Zeiten."

Das Poltern überließ Scholz anderen. SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen nannte Seehofer einen "ausrangierten Ministerpräsidenten". Und Markus Söder ist der, "der angeblich Ministerpräsident werden will". Der sage jetzt, er baue 2000 Wohnungen, habe aber in den vergangenen Jahren 33 000 Wohnungen an private Investoren verscherbelt. Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im Landtag, schoss sich auf Söders neues Steckenpferd ein: Heimat. Das sei nichts Ausgrenzendes, sondern etwas Offenes. "Heimat ist keine Verordnung zur Einheitlichkeit." Daneben erinnerte Rinderspacher immer wieder an die ruhmreiche Tradition der SPD, daran wie wichtig die Partei für die Demokratie in Deutschland und Bayern war.

Solch glorreiche Tage gibt es bald auch wieder bei der SPD, wenn es nach Olaf Scholz geht. Der beendete seine 35-minütige Rede mit optimistischen Worten. "So wie heute wünsche ich mir die SPD." Eine Partei, mit der die neue Zeit ziehe. Vom Publikum gab's drei Minuten Applaus und "Olaf, Olaf"-Rufe.

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