14.02.2018 - 21:12 Uhr
Deutschland & Welt

Politischer Aschermittwoch mit Söder Wieder hier in seinem Revier

Der Politische Aschermittwoch und Horst Seehofer waren nie dicke Freunde. Fast jedes Jahr wehrte sich der Körper des CSU-Chefs gegen den Auftritt in Passau, indem er sich rechtzeitig einen Virus einfing. Seehofer kam trotzdem. Dieses Mal siegt die Grippe. Vermisst wird Seehofer nicht.

von Jürgen UmlauftProfil

Passau. "Wir machen das schon hier, du brauchst dir keine Gedanken machen", übermittelt Generalsekretär Andreas Scheuer ans Krankenbett. Das könnte ein programmatischer Satz werden, wenn Seehofer bald weit ab des Freistaats als Minister in Berlin sitzt. Seehofers Unpässlichkeit macht die mit viel Holz auf rustikal getrimmte Bühne der sonst drögen Dreiländerhalle frei für Markus Söder. Der künftige Ministerpräsident ist auf einmal alleiniger Hauptredner.

Amtsanmaßung

Als CSU-Generalsekretär unter Edmund Stoiber stand er früher schon am Rednerpult in Passau, aber noch nie wurde hier für ihn der bayerische Defiliermarsch gespielt. Im Prinzip ist das eine Amtsanmaßung, wie Söder selbst feststellt. Denn der Marsch ist nach landesüblicher Tradition dem amtierenden Regierungschef vorbehalten. Aber Söder wäre nicht Söder, wenn er es nicht trotzdem genossen hätte. "Ich komme damit emotional zurecht", verkündet er. Denn: "Ich bin wieder hier in meinem Revier!" Im Tierreich werden Reviere bekanntlich mit Duftmarken abgesteckt, Söder setzt sie mit einigen starken Sprüchen. Schließlich habe die "political correctness" beim Aschermittwoch Pause. Heimat und Zuwanderung sind seine Themen, die er in der Bemerkung verknüpft, dass man am Münchener Marienplatz nur noch selten echte Bayern treffe. "Heimat", sagt Söder, "ist keine Gefühlsduselei, sondern der seelische Anker, den jeder braucht". Deshalb müsse Politik die "Seelenlage" der Bürger annehmen. "Die Zuwanderung hat in Deutschland alles verändert; wer das ignoriert, der täuscht sich." Dem Beifall nach zu schließen, trifft Söder damit den Nerv der Menschen in der Halle.

Die CSU sieht der künftige Ministerpräsident auch als Heimat, nämlich für alle bürgerlichen Wähler. "Die Union darf nicht nur in die Mitte drängen, nach links schielen oder einfach durchregieren, wir müssen auch die demokratische Rechte wieder bei uns vereinen", fordert Söder auch mit Blick auf die CDU. Wer konservative Politik wolle, müsse CDU und CSU wählen, denn die AfD sei weder bürgerlich, noch eine "Ersatz-Union". Das Zurückholen von Patrioten und Nationalkonservativen sei kein Rechtsruck, "sondern die Rückkehr zur alten Glaubwürdigkeit". Noch immer nämlich gelte der Satz von Franz Josef Strauß, dass es rechts der Union keine demokratisch legitimierte Kraft geben dürfe.

Kreuze in alle Ämter

Dann kommt Söder zur Zuwanderung. Er dankt den Bürgermeistern und den vielen Asylhelfern, die in den vergangenen Jahren die Geflüchteten aufgenommen und umsorgt hätten, ergänzt das jedoch mit einem dick unterstrichenen "Aber". "Die Balance in der Sache stimmt nicht mehr", leitet Söder diese Passage ein. "Wir helfen gerne, aber darüber dürfen wir die einheimische Bevölkerung nicht vergessen." Der Rechtsstaat dürfe nicht nur beim Eintreiben von Steuern oder dem Ausbringen von Gülle funktionieren, sondern auch bei Abschiebungen. Die Bayern müssten zu ihrer Kultur und ihren Werten stehen. Söder schlägt vor, die christlich-abendländische Prägung Bayerns in die Verfassung zu schreiben, denn Islam und Scharia hätten "kulturgeschichtlich nichts mit unserem Land zu tun". Kreuze sollten in allen staatlichen Gebäuden aufgehängt, Zuwanderer in deutscher Sprache und Kulturkunde unterrichtet werden.

Eine Stunde redet Söder nun schon, bis dahin hat er den Spannungsbogen gehalten und mit einigen Schenkelklopfern für gute Stimmung gesorgt. Seine Versuche, ein paar Pointen mit Niveau einzustreuen, versanden aber kläglich, darauf ist das Publikum nicht eingestellt. Zum Schluss kriegt er wieder die Kurve. Sein Versprechen, sich "tausendprozentig" für Bayern und die CSU zu zerreißen und alles daran zu setzen, nach der Landtagswahl ohne Partner regieren zu können, treibt das Parteivolk auf die Bänke. "Ich bin der Markus, da bin i dahaam, und da will ich auch bleiben", schließt Söder seine Premierenrede am Aschermittwoch. Der neue Platzhirsch scheint sich in Passau häuslich einrichten zu wollen.

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