13.11.2017 - 18:58 Uhr
Deutschland & Welt

Reaktionen zum Feuerwehrmann, der Fahrzeuge Schaulustiger bespritzte Kalte Dusche für Gaffer

Der Fall macht Furore: Ein Feuerwehrmann spritzt mit C-Schlauch gegen das Seitenfenster eines Autotransporters - der Fahrer versuchte, mit seinem Handy Fotos von der Leichenbergung zu schießen. "Eine coole Aktion", nennt es der Weidener Rechtsanwalt Stephan Wanninger. Soziale Medien applaudieren. Nur die Polizei ist skeptisch.

Rettungskräfte haben während der Bergungsarbeiten einen Sichtschutz aufgebaut. Symbolbild: Ulf Buschmann/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Weiden/Weibersbrunn. Für die Feuerwehr war es ein belastender Einsatz. Beim Unfall auf der A3 starben drei Menschen. Fast zwölf Stunden am Stück arbeiteten ehrenamtliche Retter an der Unfallstelle. Ein Feuerwehrmann verliert die Geduld: "Dem Kollegen ist der Kragen geplatzt", erklärte Otto Hofmann, Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehren bei Weibersbrunn im Landkreis Aschaffenburg. Jeder dritte Lastwagenfahrer habe versucht, Bilder von den Toten und der Unfallstelle zu machen.

In einem Fall sei der Fahrer laut Polizei sogar quer im Führerhaus gelegen, um bessere Aufnahmen machen zu können. Schließlich bespritzte der Feuerwehrmann die Seitenfenster der Fahrzeuge, die langsam an der Unfallstelle vorbeifuhren. Die Polizei sieht das Verhalten kritisch: "Für die Unterbindung und Ahndung bei Verkehrsbehinderungen sind ausschließlich wir zuständig", sagt ein Sprecher des unterfränkischen Präsidiums.

"Keine Staatsaffäre"

Das bayerische Innenministerium wertet den Zwischenfall als unkonventionelle Notlösung. Nach dem Feuerwehrgesetz hätten Einsatzkräfte die Befugnis, Personen von Unfallstellen zu verweisen - auch unter Einsatz unmittelbaren Zwangs. Als solche bewertet ihn auch der Schwandorfer Landtagsabgeordnete Franz Schindler (SPD): "Man sollte keine Staatsaffäre daraus machen", sagt der Jurist. Als Nothilfe für die Rettungskräfte könne man die kalte Dusche nicht interpretieren, darauf seien die nicht angewiesen gewesen. "Die Polizei ist zuständig für Platzverweise." Was man politisch machen könne, sei geschehen: "Jetzt muss sich zeigen, was die Anhebung der Bußgelder für die Benutzung des Handys am Steuer bringt."

Schützenhilfe bekommt der Politiker vom Oberwildenauer Feuerwehrkommandanten : "Ich kann das rein menschlich absolut nachvollziehen", verteidigt Sebastian Hartl zwar das Verhalten. Ein sinnvolles Rezept gegen Gaffer sieht er darin dennoch nicht. Das sei Aufgabe der Polizei: "Dann muss die, auch wenn's schwierig ist, eine zweite Streife schicken." Die Feuerwehrleute hätten bereits genug zu tun: "Wir sind für den Brandschutz verantwortlich, kümmern uns um Verletzte und Eingeklemmte, unterstützen die Polizei bei der Sicherung der Unfallstelle und der Verkehrslenkung - wir haben definitiv eine andere Aufgabe als Gaffer abzuwehren."

"Was man so erlebt, glaubt man kaum", sagt Hartl kopfschüttelnd. "Manche kraxeln aus dem Schiebedach, um besser filmen zu können." Sensationslust habe es immer gegeben. Neu sei die Verbreitung der Smartphones: "Jeder ist online, jeder will was veröffentlichen." Selbst auf der Gegenspur verlangsame sich der Verkehr, die Gefahr von Auffahrunfällen würde in Kauf genommen. Von den Sichtschutzwänden, die derzeit auf der A6 und A9 getestet würden, hält der Feuerwehrler wenig: "Das dauert viel zu lange, bis die angeliefert und aufgestellt werden." Da nützten nur empfindliche Strafen: "Aber keine 50 Euro, es muss schon wehtun."

Albert Brück, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz , rät zur Vernunft: "Wir fragen bei Unfällen die Schaulustigen, wie sie sich fühlen würden, wenn man sie als Opfer in so einer Situation filmen würde." Sofern man Kräfte zur Verfolgung frei habe, versuche man Verstöße von Fahrzeugführern, zu ermitteln: "Wenn ein Fahrzeugführer zu filmen anfängt, ist das klar sanktioniert." Bei Mitfahrern müsse man den Einzelfall betrachten. Die Maßnahmen müssten aber verhältnismäßig sein: "Das Handy könnte im Extremfall beschlagnahmt werden, wenn es Erkenntnisse darüber gibt, wie die Bilder verwendet werden sollen."

Zwei Jahre Freiheitsstrafe

Der Weidener Rechtsanwalt Stephan Wanninger warnt Gaffer vor möglichen Konsequenzen: "Was viele machen ist sehr nahe an aktiver Behinderung von Rettungskräften - das wird ähnlich geahndet wie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte." Behinderungen durch das Gaffen könnten eine Strafe von rund 1000 Euro nach sich ziehen. "Eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, nach Paragraph 201a Absatz 2 des Strafgesetzbuches kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe belangt werden."

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