08.01.2018 - 21:28 Uhr
Deutschland & Welt

Schulen SPD klagt über fehölendes Personal

Für den Sozialdemokraten Güll steht nach Gesprächen mit Lehrern und Eltern fest: Die Schullandschaft im Freistaat krankt an vielen Ecken. Für das Ministerium steht das Gegenteil aber genauso fest.

Der SPD-Bildungssprecher Martin Güll. Archivbild: Matthias Balk/dpa
von Jürgen UmlauftProfil

München. Die Lage an den bayerischen Schulen ist nach Ansicht des SPD-Bildungsexperten Martin Güll alles andere als zufriedenstellend. "Die Unterrichtsversorgung ist auf Kante genäht, für die stetig wachsenden Aufgaben an den Schulen fehlt es an Personal", fasste Güll in München die Ergebnisse der zehn regionalen SPD-Schulkonferenzen zusammen. Dies betreffe vor allem Grund- und Mittelschulen. Dort könnten gerade noch die Pflichtstunden abgedeckt werden, weitergehende Angebote oder Wahlkurse seien oft nicht mehr möglich. Darunter leide die Qualität des Schullebens. "Das, was Schule ausmacht, droht flächendeckend wegzubrechen", klagte Güll.

Die Problemschilderungen seien von Lehrer- wie Elternvertretern weitgehend gleichlautend gewesen. Laut Güll ist der "Realitätscheck" an den Schulen, der in zehn weiteren Konferenzen fortgesetzt werden soll, nicht mit den Äußerungen von Kultusminister Ludwig Spaenle vereinbar. "Bayern braucht wieder einen Schulminister, der sich tatsächlich um die Nöte im Schulalltag kümmert, statt alles immer nur schönzureden", sagte Güll. Per Pressemitteilung erwiderte Spaenle, die SPD gebe mit ihren Aussagen die Realität an Bayerns Schulen nicht wider. Diese seien "sehr leistungsfähig", er selbst stehe wegen laufender Weiterentwicklungen mit der Schulfamilie in ständigem Dialog. Ungeachtet dessen berichtete Güll, als Hauptproblem habe sich die Personalknappheit bei wachsenden Anforderungen herauskristallisiert. Die von Spaenle eingeleiteten Maßnahmen zur Lehrergewinnung reichten nicht aus, nötig seien "intelligentere Lösungen". Lehrer müssten von unnötigen Aufgaben befreit und von Fachkräften wie Schulsozialpädagogen unterstützt werden. Dafür gebe es im Haushalt aber noch immer keine Stellen. Nötig seien zum Beispiel innovative Modelle zur Entlastung älterer Lehrkräfte, um diese nicht vor dem Pensionsalter zu verlieren.

Große Unzufriedenheit herrscht nach Angaben Gülls auch über die Ganztagesbetreuung. Zwar seien fast überall in Bayern Angebote vorhanden, doch hapere es an der Qualität. Es fehle an geschultem Personal, zeitlich verlässlichen Angeboten und passenden Räumen. Um für jede Schule ein hochwertiges Ganztageskonzept zu erstellen, brauche es einen "Kraftakt", sagte Güll. Grundsätzliche Zustimmung gebe es an den Schulen zu neuen Aufgaben wie der Digitalisierung und der Inklusion behinderter oder verhaltensauffälliger Schüler. Auch hier aber würden Lehrer wie Eltern mehr Personal und staatliche Unterstützung fordern. "Vor allem bei der Inklusion besteht großer Handlungsbedarf, sonst fährt das an die Wand", warnte Güll.

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