Steinmeiers Forderung
"An Antisemitismus nicht gewöhnen"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Mitte) beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Synagoge in Augsburg. Bild: Stefan Puchner/dpa
Politik BY
Bayern
28.06.2017
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Für Antisemitismus darf in Deutschland kein Platz sein: Dies machen der Bundespräsident und Bayerns Ministerpräsident klar. Anlass der Mahnung: der Festakt für die 100 Jahre alte Synagoge in Augsburg.

Augsburg. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland aufgerufen. Der Antisemitismus zeige sich heute "in der tumben Hetzparole ebenso wie in der versteckten, scheinbar entgleisten intellektuellen Nebenbemerkung", sagte Steinmeier am Mittwoch anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Augsburger Synagoge.

"An das eine wie das andere dürfen wir uns niemals gewöhnen! Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass Synagogen in unserem Land immer noch von der Polizei bewacht werden müssen", forderte der Bundespräsident. Die Menschen dürften nicht ertragen, dass völkisches Gedankengut wieder in politischen Reden Einzug halte. Es dürfe auch nicht hingenommen werden, wenn Einwanderer aus muslimisch geprägten Regionen ihre Feindbilder nach Deutschland importierten. Auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verlangte ein Einschreiten gegen jede Art des Antisemitismus: "Jeder muss wissen: Wer unsere jüdischen Mitbürger bedroht, stellt sich gegen Demokratie und Freiheit und bedroht uns alle."

Das jüdische Gotteshaus in Augsburg zählt zu den wenigen Synagogen in einer deutschen Großstadt, die den Terror der Nationalsozialisten weitgehend unbeschadet überstanden haben. "Die Augsburger Synagoge war und ist eine der schönsten Deutschlands", meinte Steinmeier. Seehofer sagte, es sei ein großes Glück, dass jüdisches Leben in Schwaben heute wieder blühe.

Das am 4. April 1917 eingeweihte Gotteshaus wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von NS-Schergen zunächst in Brand gesteckt. Der NS-Gauleiter befahl allerdings dann, dass das Feuer wieder gelöscht wird. Denn in der Nähe der Synagoge befand sich eine Tankstelle. Die Nazis befürchteten eine Explosion und ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude. In den 1980er Jahren wurde die Synagoge restauriert. Danach wurde in dem großen Gebäudekomplex auch ein jüdisches Kulturmuseum eröffnet.
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