05.03.2018 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Stühlerücken in der CSU Alles eine Frage der Größe

Wer als Mann in der CSU etwas werden möchte, sollte vor allem eines sein: Groß! Mit seinen 1,86 Metern ist der neue Verkehrsminister Andreas Scheuer der Kleinste unter den neuen Spitzenkräften der Partei.

von Jürgen UmlauftProfil

München. Die Frauen haben es leichter. Da genügen schon 1,70 Meter, selbst wenn die - wie bei Vize-Generalsekretärin Daniela Ludwig - nur mit orthopädisch bedenklich hohen Absätzen knapp erreicht werden. "Das ist mir noch gar nicht aufgefallen", blickt Parteichef Horst Seehofer (1,93 Meter) auf seine Herren, die sich nach der Vorstandssitzung neben ihm aufgereiht haben. Allerdings habe er nicht nach Gardemaß ausgewählt, betont er. Viel wichtiger ist Seehofer ein anderes Signal, das der Verjüngung. Denn bis auf ihn und Entwicklungshilfeminister Gerd Müller sind in seiner Riege für die Groko und die Parteizentrale alle zwischen Ende 30 und Ende 40.

Bevor Seehofer näher auf sein Personaltableau eingeht, hat er einige Klarstellungen in eigener Sache zu machen. Da wäre zunächst einmal sein Rücktritt als Ministerpräsident. Für das erste Quartal hatte Seehofer die Amtsübergabe an Markus Söder versprochen, einen festen Termin aber nie genannt. "Mit Ablauf des 13. März" werde er sein Amt niederlegen, erklärt er nun mit einer Träne im Knopfloch. "Ich bin dankbar, dass ich dieses Amt 10 Jahre ausüben durfte, es war ein sehr schöner Dienst an meiner Heimat Bayern", bilanziert Seehofer. Mit dem 13. März halte er "auf Punkt und Komma" Wort. Daran hatte es im Umfeld Söders zuletzt Zweifel gegeben. Nun ist aber auch Söder offiziell zufrieden. "Jetzt ist der Weg frei für den geordneten Übergang in Bayern, auf den wir schon eine längere Zeit warten", sagt er.

Terminprobleme

Wie geordnet alles vor sich gehen wird, ist aber noch offen. Denn gemäß Artikel 44 der bayerischen Verfassung muss der neue Regierungschef bei Tod oder Rücktritt des Amtsinhabers in der nächsten Sitzung des Landtags gewählt werden. Die ist am 14. März. Am selben Tag wird in Berlin aber die Kanzlerin gewählt und deren neues Kabinett vereidigt, in das Seehofer als Innen- und Heimatminister einziehen wird. Medial geriete Söders Wahl im Landtag also unter ferner liefen. Erwogen wird nun, diese am 16. März in einer Sondersitzung vorzunehmen. Endgültig beschlossen werden soll dies nach Informationen der dpa in einer Sitzung des Ältestenrats des Landtags an diesem Donnerstag. Als Termin für die Vereidigung des neuen Kabinetts ist der 21. März vorgesehen.

Seehofer will sich mit all dem nicht belasten. Wie das nun geregelt werde, liege in der Hand der Landtagspräsidentin Barbara Stamm und des Ältestenrats, bescheidet er knapp. Den Verdacht, dass er Söder mit diesem Rücktrittsdatum zum Abschied einen reibungslosen Start vermasseln wolle, weist Seehofer zurück. "Das ist alles Käse, Quatsch", mimt er den Entrüsteten. Er wolle am 13. März seine letzte Kabinettssitzung leiten und sich bis dahin ordentlich von allen Mitarbeitern verabschieden. Eine Woche möge man ihm dafür schon zugestehen, "früher hat das schon mal neun Monate gedauert", erinnert er spitz an den langen Abschied seines Vorvorgängers Edmund Stoiber. Söders Wahl wird er trotz Ministeramt in Berlin noch als Landtagsabgeordneter verfolgen. Sein Mandat werde er erst im April zurückgeben, da Stamm eine offizielle Verabschiedung für ihn plane.

Neuer Wind durch Blume

In den personellen Wechselspielen in München und Berlin sieht Seehofer eine "Zäsur für die CSU". Zum einen sei man künftig auf Bundesebene in den wichtigen "Investitionsministerien" Innen, Verkehr und Verteidigung sowie im Bundeskanzleramt vertreten, zum anderen nehme die Übergabe an eine neue Politikergeneration Gestalt an. Das gilt auch für den neuen Generalsekretär Markus Blume, der wohl zudem einen neuen Politikstil mitbringen wird. Blume, der das neue CSU-Grundsatzprogramm ausgearbeitet hat, kann zwar hart diskutieren, ist aber kein Polterer und Wadlbeißer wie sein Vorgänger Scheuer.

Nachdem Seehofer die Vorzüge aller Berufenen ausführlich gewürdigt hat, mustert er die neben ihm Aufgereihten noch einmal mit stolzem Blick und sieht, dass es gut ist. "Sie sehen mich zufrieden und erfreut", bilanziert er. Auch ohne das höchste Staatsamt in München hält der Chef die Fäden in der CSU weiter fest in der Hand.

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