05.06.2017 - 21:36 Uhr
Deutschland & Welt

Sudetendeutsche treffen sich in Augsburg: Vorbild für Versöhnung

Beim traditionellen Pfingsttreffen lobt Bayerns Ministerpräsident den Einsatz für die Versöhnung zwischen Deutschland und Tschechien. Und fordert mehr Engagement für Europa.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wurde vom Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt (links), mit dem Karls-Preis ausgezeichnet. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Augsburg. Zum Sudetendeutschen Tag hat Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mehr Engagement für den europäischen Gedanken gefordert. "Europa kann nur gelingen, wenn wir selbstbewusst und geschlossen handeln und uns auf unsere gemeinsamen Werte und unser kulturelles Erbe besinnen", sagte er beim traditionellen Pfingsttreffen der Vertriebenengruppe am Sonntag in Augsburg. Er würdigte den Einsatz der Sudetendeutschen für Versöhnung und Völkerverständigung. Besonders betonte Seehofer den Versöhnungsprozess zwischen Deutschland und Tschechien.

Nie wieder Vertreibung

Das Land hatte im vergangenen Jahr erstmals einen Minister zu dem jährlichen Treffen der Sudetendeutschen geschickt, in diesem Jahr kam Vizepremier Pavel Belobradek. Der Wissenschaftsminister warnte in seiner Rede davor, die Zeiten der Brutalität während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu vergessen. Nie wieder dürften Menschen aus ihren Häusern nur deshalb vertrieben werden, weil sie einer anderen Nationalität, Religion oder Ethnie angehörten, sagte der 40-Jährige nach Angaben der Agentur CTK. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien waren lange Zeit durch die Vertreibung der deutschsprachigen Minderheit aus der damaligen Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg belastet, zudem galten die Sudetendeutschen in Prag als gefährliche Revanchisten. Durch ihre Verbundenheit zur alten Heimat und ihre Versöhnungsbereitschaft habe die Volksgruppe aber einen Dialog möglich gemacht, sagte Seehofer. "Europa braucht Brückenbauer, die fest in ihrer Kultur wurzeln."

Brückenfunktion

Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, hatte bereits am Samstag angekündigt, die Versöhnung weiter vorantreiben zu wollen. Die "grausame Geschichte" habe den Sudetendeutschen die Aufgabe gegeben, eine Brückenfunktion zwischen Bayern und Tschechien auszuüben, sagte er in seiner Rede zur Verleihung des Europäischen Karls-Preises.

Die Vertriebenengruppe zeichnete damit in diesem Jahr den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier aus. Sie würdigte den CDU-Politiker als engagierten Europäer und Freund der deutschen Heimatvertriebenen. Der Geburtsort von Bouffiers donauschwäbischer Mutter liegt in einer zu Serbien gehörenden autonomen Provinz. Der Ministerpräsident wisse also aus persönlicher Betroffenheit, "wie grausam Nationalismus sein kann", hatte Posselt vorab erklärt.

Der Karls-Preis ist nach dem mittelalterlichen Kaiser Karl IV. benannt. Die Auszeichnung ist für Persönlichkeiten und Einrichtungen gedacht, die sich Verdienste um die Verständigung und Zusammenarbeit der Länder Mitteleuropas erworben haben.

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