12.10.2017 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Übertrittsempfehlung bleibt Eltern entscheiden nicht

Am umstrittenen Übertrittsverfahren für den Wechsel von der Grundschule an die weiterführenden Schulen wird sich vorerst nichts ändern. Die SPD scheiterte im Landtag mit einem Gesetzentwurf.

von Jürgen UmlauftProfil

München. Die Idee war, dass der Elternwille bei der Schulauswahl nach der 4. Klasse stärker gewichtet wird. An die Stelle der verbindlichen Übertrittsempfehlung, die auf dem Notendurchschnitt der Fächer Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachkunde basiert, sollte nach den Vorstellungen der SPD eine ausführliche Grundschulempfehlung sowie ein professionelles Beratungsangebot treten. Die letzte Entscheidung über die Schullaufbahn ihres Kindes sollten dann die Eltern treffen.

Der SPD-Bildungsexperte Martin Güll sprach von der "dringenden Notwendigkeit" einer Änderung. Diese sei sowohl aus pädagogischen als auch verfassungsrechtlichen Gründen nötig, da die bisherige Regelung einen unzulässig tiefen Eingriff in die Elternrechte bedeute. Die rein notenbasierte Übertrittsempfehlung bilde zudem nicht die ganze Persönlichkeit und das gesamte Leistungsvermögen eines Kindes ab. Eine von Noten unabhängigere Beurteilung mildere auch den Leistungsdruck in der Grundschule, erklärte Güll.

Für die CSU bezweifelte Carolina Trautner, ob mit diesem Verfahren mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht werden könne. Wissenschaftliche Untersuchungen würden zeigen, dass es bei der Freigabe des Elternwillens vermehrt zu einer nicht begabungsgerechten Schullaufbahnwahl komme. Dies drücke sich in höheren Zahlen an Wiederholern und Schulabbrechern vor allem an den Gymnasien aus. "Die Objektivität der Beurteilung durch die Lehrkraft schafft gerechtere Lösungen", sagte Trautner. Trotz Bedenken schlossen sich die Freien Wähler der CSU-Haltung an, ihr Abgeordneter Michael Piazolo forderte aber den weiteren Ausbau der Schullaufbahnberatung und verbesserte Rahmenbedingungen an den Grundschulen, also mehr Lehrkräfte und kleinere Klassen.

Der Grüne Thomas Gehring erklärte, die Festlegung auf die Noten in drei Fächern verenge den Leistungsbegriff und unterschlage musische, handwerkliche und soziale Fähigkeiten. Er sprach sich für eine Abschaffung des Übertritts nach der 4. Klasse und für "neue Formen des längeren gemeinsamen Lernens" aus.

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