11.02.2018 - 22:08 Uhr
Deutschland & Welt

Warm-Bashing in den Parteien für den Aschermittwoch Zwischen Turbulenzen und Wahlkampf

In der Union grummelt es, die SPD steckt in einer der größten Krisen ihrer Geschichte: An Themen mangelt es nicht, wenn die Parteien zum wohl derbsten politischen Schlagabtausch des Jahres ausholen.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) spricht 2017 beim Politischen Aschermittwoch der CSU. Heuer tritt er gemeinsam mit Markus Söder in Passau auf. Archivbild: Sven Hoppe/dpa
von Agentur DPAProfil

Passau/Vilshofen. Es treten auf: Markus Söder, Olaf Scholz, Robert Habeck, Christian Lindner, Dietmar Bartsch, Jörg Meuthen - und abends Angela Merkel. Eine Woche nach dem Ende der Koalitionsverhandlungen und inmitten der Turbulenzen bei der SPD können die Redner beim politischen Aschermittwoch 2018 aus dem Vollen schöpfen.

Und mehr noch - zum Auftakt des Landtagswahljahres in Bayern ist eine zusätzliche Prise derben Humors garantiert. Dank der aufgeladenen politischen Stimmung in Deutschland dürften die Frontlinien bei den zeitgleich stattfindenden Fernduellen nicht immer so ganz einfach auszumachen sein.

In Passau bietet die CSU ihre Doppelspitze aus Parteichef Horst Seehofer und Spitzenkandidat Markus Söder auf. Seehofer hat bereits angedeutet, dass er in seiner Rede "mit dem nötigen Humor" auf die Aussage des scheidenden SPD-Chefs Martin Schulz eingehen will, wonach der Koalitionsvertrag klar die Handschrift der SPD trage. Dagegen dürfte Söder nach seiner jahrelangen Abstinenz in Passau den Fokus auf die Landtagswahl am 14. Oktober legen, bei der er für die CSU die absolute Mehrheit verteidigen will.

Apropos Schulz: Angesichts des beispiellosen Absturzes der SPD und ihres Noch-Chefs erscheint es heute kaum noch vorstellbar, dass die Genossen vor genau einem Jahr bei ihrem Aschermittwoch in Vilshofen das Festzelt erweitern mussten. Damals konnte bei der SPD kein Zelt groß genug sein, viele wollten Schulz einmal live erleben. Die SPD reklamierte am Ende sogar die größte Veranstaltung des Tages für sich - für die CSU ein Affront, der in kleinlichen Besucherzahlerklärungen endete.

Diesmal nun soll Olaf Scholz für Stimmung sorgen, der Bundesfinanzminister und Vizekanzler werden soll, wenn die SPD-Basis Ja zum Koalitionsvertrag mit der Union sagt. Dass sich hinter dem Hamburger Bürgermeister, der in seiner Zeit als SPD-Generalsekretär den Spitznamen "Scholzomat" verpasst bekam, eine Stimmungskanone nach niederbayerischem Gusto verbirgt, darf allerdings bezweifelt werden.

Traditionsgemäß besteht der Aschermittwoch aber nicht nur aus den Vertretern der großen Parteien: Auch FDP (mit Parteichef Christian Lindner), AfD (mit Parteichef Jörg Meuthen), Grüne (mit dem neu gewählten Bundesvorsitzenden Robert Habeck) und Linke (mit Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch) bieten bundespolitische Prominenz in Niederbayern auf. Dagegen dürfte der Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, nur wenigen Menschen außerhalb Bayerns ein Begriff sein.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel wird wie üblich erst am Abend auftreten - im viele Hundert Kilometer entfernten Demmin in Mecklenburg-Vorpommern. Erwartet werden maximal 1000 Zuschauer. Die Kanzlerin, seit Abschluss der Koalitionsverhandlungen auch parteiintern in der Kritik, will die Chance nutzen und im Tennis- und Squash-Center Klartext sprechen. Das verspricht zumindest die Einladung.

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