09.04.2017 - 21:38 Uhr
Deutschland & Welt

Weiter Streit um Atommüllendlager Bayern favorisiert Gorleben

Eine "weiße Landkarte" ist Grundlage der neu gestarteten Suche nach einem Atommüllendlager in Deutschland. Auch der Freistaat Bayern ist bei dem Verfahren im Rennen. Allerdings weist die hiesige CSU-Regierung umgehend mit dem Finger gen Norden.

Soll Gorleben bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll außen vor bleiben? Je nach Perspektive des jeweiligen Bundeslandes gibt es da konträre Meinungen. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

München/Gorleben. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen bietet sich nach Ansicht von Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) nach wie vor für ein Atommüllendlager an. "Wenn man Gorleben in Augenschein nimmt, wird man feststellen, dass die Investitionen, die für diesen Standort schon getätigt worden sind, aus meiner Sicht nicht umsonst getätigt wurden. Man hat hier eine Gesteinsform vorgefunden, die sich für ein Endlager durchaus eignen würde", sagte sie.

Heftige Standort-Debatte

Es sei daher richtig, dass der umstrittene Standort im Wendland bei der neu gestarteten Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll wieder im Rennen sei. "Wir haben eine weiße Landkarte, und da ist Gorleben wieder mit drauf - wie Bayern", betonte Scharf. Ihr niedersächsischer Amtskollege Stefan Wenzel (Grüne) sieht das völlig anders: "Nach der gemeinsamen Beschlussfassung im Bundestag und im Bundesrat steht fest, dass es ein wissenschaftsbasiertes, transparentes und ergebnisoffenes neues Suchverfahren geben wird." Der Ausbau im Salzstock sei beendet, der Rückbau zur reinen Offenhaltung habe begonnen. "Wenn es ein faires Suchverfahren gibt, ist Gorleben aus dem Rennen. Weitere Querschüsse aus Bayern sind für die Umsetzung des Standortauswahlgesetzes nicht dienlich."

Der Neustart für die Suche nach einem deutschen Endlager für hoch radioaktiven Atommüll hatte am Freitag die letzte Hürde genommen. Der Bundesrat stimmte dem Gesetz zu, das die Regeln für die Auswahl eines Standorts festlegt. Bis 2031 sollen Experten und Politik eine Stelle finden, an der der Atommüll aus Reaktoren eine Million Jahre lang unterirdisch und möglichst sicher lagern kann.

Salz, Ton oder Granit?

Um die Eignung des Salzstocks in Gorleben für ein Endlager wird seit Jahrzehnten gestritten. Einige Geologen halten Salzstöcke prinzipiell für geeignet, andere Experten haben erhebliche Bedenken. Dagegen kritisierte Scharf aber erneut, dass bei der Suche die drei potenziellen Gesteine für ein Lager - Salz, Ton und Granit - als geologische Sicherheitsbarriere für das Endlager nicht gleich behandelt würden. "Man braucht eine gewisse Mächtigkeit von einem Wirtsgestein, um diesen Müll einzulagern", erläuerte Scharf. Während Salz und Ton als geeignet gälten, werde bei Granit gesagt: "Was da vielleicht nicht zu Hundert Prozent eine geologische Barriere darstellen kann, kann ein Behälter im Zweifel lösen." Letztlich könnten aber nur geologische Barrieren für Sicherheit sorgen. "Ein Behälter kann da kein Ersatz sein."

Der vor allem aus Niedersachsen verlautende Vorwurf, ausgerechnet das Atomland Bayern entziehe sich bei der Endlagersuche seiner Verantwortung, ist laut Scharf nicht gerechtfertigt. "Wir sind die größten Produzenten, ja, aber uns geht es wirklich um die Sicherheit, nicht um politisches Geplänkel." Zuletzt hatte auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks der CSU vorgeworfen, die Endlagersuche zu behindern.

Auch der Freistaat wolle den Standort finden, der durch die geologische Barriere die höchste Sicherheit gewährleiste, sagte Scharf. "Aber wir kennen auch unsere Geologie in Bayern. Wir wissen ganz genau, wie wir aufgestellt sind. Deshalb wissen wir auch, dass das Granit bei uns sehr zerklüftet ist."

Expertenstreit um Lagerung

Um die Eignung des Salzstocks in Gorleben für die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll wird seit Jahrzehnten gestritten. Während einige Geologen Salzstöcke prinzipiell für geeignet halten, haben andere Experten erhebliche Bedenken. Die Gegner von Gorleben führen Kohlenwasserstoff- und Gasvorkommen ins Feld. Unter Experten ist es weitgehender Konsens, den stark strahlenden Atommüll in tiefen Schichten zu lagern - in Gorleben wäre das in 860 Metern Tiefe. Salz hat den Vorteil großer Hitzebeständigkeit. Außerdem fließt es und soll so die Behälter einschließen. Anders als die ebenfalls als Zwischenlager genutzte Schachtanlage Asse ist der Salzstock im Wendland kein ausgebautes Bergwerk mit instabilen Hohlräumen. (dpa)

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