Wie es mit der Karriere weitergeht
Wird Horst Nachfolger von Seehofer?

CSU-Parteivorsitzender Horst Seehofer hält sich zu seiner Entscheidung, ob er weitermachen will bedeckt - bis zum 24. April. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
18.04.2017
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Kann Horst Seehofer ausgerechnet bei seinem eigenen Karriereende in der Politik seinen eigenen Worten keine Taten folgen lassen? In wenigen Tagen will sich der CSU-Chef äußern, ob er doch noch einmal weitermacht.

München. In der CSU gibt es derzeit nur ein Datum: den 24. April. Dann will Seehofer verkünden, ob er entgegen seiner früheren Ankündigung seine politische Laufbahn auch über 2018 hinaus weiterführen will. Und um es vorwegzunehmen: Nicht nur in der CSU wird fest damit gerechnet, dass er sowohl als Ministerpräsident als auch als Parteichef nicht bereit ist, die Geschicke in die Hände eines Nachfolgers zu legen. Einzig Seehofer selbst gibt an, sich noch nicht entschieden zu haben.

Seehofer wird nicht müde, auf Nachfrage seine eigene Unentschlossenheit zu äußern: "Es gibt für beide Varianten gute Argumente, ich weiß es wirklich noch nicht", sagt er sehr gerne in Fernsehkameras oder Mikrofone. In den Osterferien werde er mit sich und seiner Familie intensiv beraten, und dann sei da auch noch der wichtige Gesundheitscheck, der beantworten soll, ob der 67-Jährige die körperliche Fitness auch für die kommenden Jahre hat.

Seehofer kommt mit der Entscheidung seinem eigenen Zeitplan fast zwei Wochen zuvor. Am 6. Mai will die CSU ihre Liste für die Bundestagswahl im Herbst aufstellen. Sollte er weitermachen, könnte er auch selbst Spitzenkandidat werden - auch wenn der eigentlich damit verbundene Gang nach Berlin für ihn kein Thema ist: "Ich habe in der Vergangenheit oft genug bewiesen, dass ich auch von München aus meine Durchsetzungskraft entfalten kann."

Innerhalb der CSU gehen die Meinungen zu Seehofers Zukunftsentscheidung weit auseinander: Seine Befürworter sehen darin das Finale einer strategischen Meisterleistung. Sie verweisen auf eine immer größere Zahl von Rufen nach einer Fortführung, da Seehofer insbesondere in der Flüchtlingsdebatte mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gezeigt habe, wie unersetzlich er sei. Selbst seine Vorgänger Erwin Huber und Edmund Stoiber gehören dazu. Sie alle vereint die Sorge, dass eine CSU ohne Seehofer bei der Landtagswahl 2018 die absolute Mehrheit nicht wird verteidigen können und die Partei nach der Bundestagswahl ihren Einfluss in Berlin einbüßen könnte.

Emotionaler Autismus

Ihnen gegenüber stehen die Christsozialen, die im Kopf schon lange mit Seehofer gebrochen haben, die ihm einen autoritären Stil, emotionalen Autismus und fehlende Kompromissbereitschaft vorwerfen, Sie wünschen sich lieber gestern als heute eine Übernahme aller Ämter durch Finanzminister und Seehofer-Kritiker Markus Söder. Öffentlich will aber niemand Seehofer die Stirn bieten, zu stark ist seine Position. Ihre Taktik: Warten auf eine CSU-Niederlage oder einen Fehler, dann dürfe die Partei ihn köpfen, wie er gerne sagt.

Doch ab und an zeigt sich der tiefe Graben zwischen beiden Lagern, der etwa durch die 101-köpfige Landtagsfraktion geht. So etwa bei der jüngst von Seehofer durchgesetzten Abiturreform, als er gegen den Widerstand weiter Teile der Fraktion das G 9 durchsetzte. Oder bei der von Seehofer einkassierten Reform zum Zählsystem bei Kommunalwahlen, wo er den eigenen Leuten gar eine Arroganz der Macht vorwirft und sie schon für mögliche Wahlniederlagen verantwortlich macht. Auch der verordnete Kuschelkurs mit Merkel nach 18-monatigem Dauerstreit ist bei vielen in der Basis nicht verarbeitet.

Doch von Unruhe in den eigenen Reihen will Seehofer nichts wissen, zumindest nach außen ist für ihn im Wahljahr Geschlossenheit das oberste Gebot. "Die Partei ist ruhig, war immer ruhig", sagt er im Landtag und versucht in der ihm üblichen Manier alle Nachfragen zur eigenen - nur wenige Tage zuvor geäußerten - Sorge ("Fürchte die eigene Fraktion mehr als die SPD") wegzulächeln. "Wenn sie bei einer so großen Entscheidung wie der Bildung mal ein paar Monate eine Debatte haben, ist das nicht schädlich." Und mehr noch: "Es ist meine Aufgabe, dass ich führe und die Menschen überzeuge, dass sie dem zustimmen", sagt Seehofer. So stehe es in der Verfassung.

Dabei ist es durchaus glaubhaft, dass Seehofer bei seinem 2012 angekündigten Karriereende noch selbst daran geglaubt hat. Doch sein damaliger Plan ist überholt: Potenzielle Nachfolger wie Karl-Theodor zu Guttenberg oder Ilse Aigner waren da schon demontiert oder konnten sich nicht wie geplant durchsetzen.

Söder in Lauerposition

Stattdessen gewinnt ausgerechnet Söder an Kraft. Aus der CSU-Spitze heißt es, dass für Seehofer letztlich die erstarkende AfD, die unsichere Perspektive der CSU in Berlin und die aus seiner Sicht nicht vorhandene charakterliche Eignung Söders als Nachfolger den Ausschlag gegeben haben, doch weiter machen zu müssen. Es sei keine Frage des Wollens.
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S Peter aus Vohenstrauß | 20.04.2017 | 00:29  
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