"Wir sind ungezogen"

Franz Tauber Bild: bkr
Politik BY
Bayern
10.12.2016
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Die Sparkasse Bayreuth schloss ihre Filiale in Mehlmeisel. Und die Sparkasse Oberpfalz Nord hat nicht die Absicht, dort wieder eine Zweigestelle einzurichten. Bürgermeister Franz Tauber ist sauer.

Mehlmeisel. Bei der Bürgerversammlung sprach Bürgermeister Tauber dieses Problem an. Im Hintergrund stehen aber auch zuverlässige Aussagen, nach denen die Sparkasse Bayreuth in ihrer Geschäftsstelle Fichtelberg einen weiteren Bargeldautomaten aufstellen will. Grund ist, dass seit der Schließung von Mehlmeisel Schlangen vor dem dortigen Bargeldautomaten stehen.

Dazu sagte die Sparkasse: "Es gibt derzeit keine Pläne, in der Sparkassen-Geschäftsstelle Fichtelberg neue Geräte aufzustellen. Die Sparkasse wird die Situation aber beobachten und, wenn notwendig, neu bewerten." "Wir sind umgezogen", heißt es auf dem Plakat der geschlossenen Geschäftsstelle der Bayreuther Sparkasse in Mehlmeisel. "Wir sind ungezogen, sollte es besser heißen", meinte Tauber. Den Menschen werde mit der Entscheidung ein Stück der eigenen Selbstständigkeit genommen und die Sparkasse habe ihre eigentlichen Pflichten vergessen, das Land mit Geld zu versorgen. Ältere Einwohner müssen nun stundenlang mit dem Bus fahren. Hohe Fahrkosten kommen zu den Sparkassengebühren hinzu. "Wenn der Landrat nicht hinter seiner Landbevölkerung steht, muss ich es 200-prozentig tun", sagte Bürgermeister Tauber. Nach seinen Worten wälzt die Sparkasse ihre Probleme auf die Gemeinde ab und lenkt ebenso von den eigenen Versäumnissen ab.

Auf Verwunderung stieß das Argument der Sparkasse, die Geschäftsstelle wegen höherer Sicherheitsauflagen zu schließen. Der Gemeinde werde aber gleichzeitig angeboten und zugemutet, in ihrer Verwaltung einen Cash-Point einzurichten zur Bargeldversorgung. "Wir werden uns nicht noch einen großen Tresor anschaffen und die Mitarbeiter einer großen Gefahr aussetzen", erwiderte Tauber. Nach seiner Meinung " will die Sparkasse nur von den eigenen Problemen ablenken, weil sie etwas falsch gemacht hat".

Die Entscheidung der Sparkasse Bayreuth stehe im Widerspruch zu einem Kabinettsbeschluss der Bayerischen Staatsregierung in der zur Bewältigung des demografischen Wandels gesagt wird: "Entscheidend ist, ein funktionierendes Netzwerk nachhaltiger sozialer Angebote und Strukturen aufzubauen. Denn dies trägt maßgeblich zum Erhalt guter Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort bei."

Von Folgen überrascht

Mit der Schließung der Geschäftsstelle sind auf lange Sicht auch die Einzelhandelsgeschäfte im Ort gefährdet. Älteren und in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen werden lange Fahr- und Wartezeiten zugemutet. Ihre Sicherheit ist Frage gestellt. Das damit konfrontierte Bayerische Finanz- und Heimatministerium sieht nach Rückfrage die Zuständigkeit beim Wirtschaftsministerium - und umgekehrt.

In längeren Telefongesprächen verwies man auf die Verantwortlichkeit des Landrats und gab zu erkennen, von der umfangreichen Problematik, die sich aus der Schließung von Geschäftsstellen von Banken für ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen ergibt, überrascht zu sein.
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