30.12.2016 - 02:10 Uhr
Deutschland & Welt

Wohnraummangel: Tausende anerkannte Flüchtlinge müssen in Sammelunterkünften bleiben Konkurrenz um Wohnungen

Nürnberg. Sie sind seit vielen Monaten in Deutschland und sind inzwischen als Flüchtlinge anerkannt. Trotzdem müssen Tausende weiter in großen Sammelunterkünften oder gar in Turnhallen leben, weil sie keine Wohnung finden. In Nürnberg sind mehr als 1700 der 8400 Flüchtlinge betroffen - 20 Prozent. So hoch ist der Anteil nach Angaben des Sozialministeriums auch im Rest Bayerns. Für viele Städte werden diese "Fehlbeleger", wie sie in der Amtssprache heißen, zu einem immer größeren Problem.

von Agentur DPAProfil

Konflikte programmiert

In großen Heimen mit mehreren Hundert Menschen gibt es oft Konflikte. Da "brodelt es", sagt Mitra Sharifi, Vorsitzende der bayerischen Ausländerbeiräte. "Da entstehen gruppendynamische Prozesse, die nicht positiv sind." Außerdem seien Kontakte zwischen Einheimischen und Flüchtlingen, die in kleinen Orten entstünden, für die Akzeptanz der Menschen sehr wichtig, sagt Sharifi. Auch der Chef des Nürnberger Sozialamtes, Dieter Maly, sagt: "In der Gemeinschaftsunterkunft findet der Abend und das gesamte Wochenende unter seinesgleichen statt." Dazu kommt der finanzielle Aspekt: Manche Betreiber von Flüchtlingsunterkünften erhöben hohe Gebühren. Laut Maly sind das in Nürnberg "leicht 600 bis 700 Euro im Monat. Der Richtwert von 450 Euro pro Einpersonenhaushalt wird in der Gemeinschaftsunterkunft deutlich übertroffen." München hat mehrere Programme aufgelegt, um günstige Wohnungen zu schaffen. Denn neben den 1200 anerkannten Flüchtlingen muss die Stadt sich um mehr als 5400 Obdachlose kümmern - auch ihre Zahl steigt seit Jahren. Dabei hätten erst die Flüchtlinge dafür gesorgt, dass es mehr Geld für Baumaßnahmen gebe, sagt der Nürnberger Maly. Dennoch dauere es zwei bis drei Jahre, bis neue Wohnungen fertig seien.

Der Verband Pro Asyl fordert deshalb flexible Lösungen. In einigen Ballungsgebieten gebe es auch Leerstände. Und manche Gewerbegebäude ließen sich relativ leicht umwidmen. Der Landshuter Landrat Peter Dreier (Freie Wähler) hatte Anfang des Jahres spektakulär Flüchtlinge per Bus vor das Kanzleramt in Berlin fahren lassen. Er nennt ein weiteres großes Problem: "Aber was passiert, wenn wieder eine Welle kommt? Dann sind unsere dezentralen Unterkünfte voll. Dann wird es noch schwieriger als vorher."

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