Zum Erben gezwungen

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Bayern
03.01.2017
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Der Freistaat ist in den vergangenen zehn Jahren 347 Mal Zwangserbe von Immobilien in der Oberpfalz geworden. Die höchsten Zahlen verzeichnet der Norden.

München. Die Zwangserbschaften in der Oberpfalz entsprechen acht Prozent aller bayerischen Fälle und damit in etwa dem Bevölkerungsanteil der Oberpfalz im Freistaat. Am häufigsten erbte der Freistaat im Kreis Tirschenreuth (83). Mit Abstand folgen der Kreis Amberg-Sulzbach (47) und die Stadt Weiden (46) sowie der Kreis Schwandorf (38).

Nur zwölf Mal musste der Freistaat im Kreis Neustadt/WN als Erbe einspringen. Die Häuser sind dem Staat zugefallen, weil entweder keine Erben vorhanden waren oder alle vorhandenen Erben die Erbschaft ausgeschlagen haben. Die Zahl der Zwangserbschaften ist dabei über die Jahre relativ konstant, wie aus der Antwort von Finanzminister Markus Söder auf eine Parlamentsanfrage des SPD-Abgeordneten Klaus Adelt hervorgeht. Die meisten Zwangserbschaften gab es in Unterfranken (1187) und Oberfranken (1075), die wenigsten ausgerechnet im bevölkerungsreichen Oberbayern (339).

Keine Sanierung

Adelt zog aus den Zahlen den Schluss, dass Erben vor allem in den strukturschwächsten Regionen Bayerns einen Immobiliennachlass ausschlagen, was ein bezeichnendes Licht auf die dortigen Märkte werfe. Die Daten belegten, dass Bayern eben nicht eine "einzige Insel der Glückseligkeit" sei, sondern von gleichwertigen Lebensverhältnissen noch weit entfernt. Adelt vermutet, dass ein Großteil der Gebäude in schlechtem Zustand ist. Der Freistaat als Erbe belässt es dabei. Söder verwies auf die Pflicht zur zeitnahen Veräußerung, weshalb bauliche Veränderungen grundsätzlich nicht vorgenommen würden. Ausnahme seien notwendige Maßnahmen bei Baufälligkeit, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Dies könne bis zum Abriss der Gebäude reichen.

Zahlen über erfolgreiche Weiterkäufe und Verkaufserlöse nannte Söder nicht. Ungeachtet dessen forderte Adelt die Staatsregierung auf, sich besser um die dem Freistaat zugefallenen Häuser zu kümmern und sie offensiver zu vermarkten. Notfalls müsse die Möglichkeit eröffnet werden, sie den betroffenen Kommunen zur Nutzung zu überschreiben. Es dürfe nicht sein, dass die Staatsregierung tatenlos zuschaue, wie ihr zugefallene Häuser "vergammeln und verfallen", mahnte Adelt.
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