08.09.2017 - 17:20 Uhr
Deutschland & Welt

Zum Schulbeginn in Bayern 9240 Erstklässer in der Oberpfalz

Die Zahl der Abc-Schützen steigt in der Oberpfalz weiter an, und zwar stärker als im Landesdurchschnitt. Die SPD fordert zu Beginn des neuen Schuljahres eine deutliche Entlastung der Eltern bei Schulkosten.

1,68 Millionen Mädchen und Jungen besuchen im kommenden Schuljahr bayerische Schulen - ungefähr so viele wie im Jahr davor. Rund 420 000 von ihnen gehen auf berufliche Schulen. Archivbild: Patrick Seeger/dpa
von Jürgen UmlauftProfil

München. Am Dienstag werden im Bezirk Oberpfalz nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums 9240 Erstklässler eingeschult - das sind rund 120 mehr als im Vorjahr (plus 1,3 Prozent). Einen Zuwachs hätte es laut Ministerium auch ohne die neu eingeschulten Flüchtlingskinder geben. Bayernweit steigt die Zahl der Abc-Schützen um rund 500 auf 112 400 (plus 0,4 Prozent). Insgesamt ist die Schülerzahl an den Schulen der Oberpfalz aber weiterhin rückläufig, sie sinkt von 103 800 auf 102 210 (minus 1,5 Prozent).

Federn lassen müssen vor allem die Gymnasien (minus 2,6 Prozent), die Realschulen (minus 3,4 Prozent) und die Mittelschulen ( minus 3,2 Prozent). Dort befinden sich gegenwärtig die besonders geburtenschwachen Jahrgänge aus der Mitte des vergangenen Jahrzehnts. Die Grundschulen gewinnen dagegen leicht dazu (plus 0,7 Prozent). Trotz des erneuten Zuwachses bei den Erstklässlern wird die Gesamt-Schülerzahl in der Oberpfalz nach einer Prognose des Ministeriums zunächst bis 2020 weiter sinken, um dann bis 2030 kontinuierlich auf über 111 000 zu steigen. Die Zahl der Erstklässler wird sich demnach bei knapp 10 000 stabilisieren. Profitieren werden von dieser Entwicklung vor allem die Grundschulen und die Gymnasien, in geringerem Umfang auch die Mittel- und Realschulen.

Laut Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ist die Unterrichtsversorgung zu Beginn des Schuljahres an allen Schularten gesichert. Insgesamt seien rund 4300 Lehrkräfte neu eingestellt worden, um pensionsbedingte Abgänge ausgleichen und zusätzliche Herausforderungen abdecken zu können. Die durchschnittlichen Klassenstärken bleiben in allen Schularten nahezu unverändert: Auf eine Lehrkraft kommen statistisch 13,8 Schüler - laut Spaenle ein historischer Bestwert. Die jüngste massive Kritik von Lehrerverbänden und Landtagsopposition an der Lehrerversorgung bezeichnete er vor dem Hintergrund dieser Zahlen als "unverständlich".

Anlauf für das G9

Als wichtigste Neuerung nannte Spaenle den Einstieg in das neunjährige Gymnasium (G9), in das schon die diesjährigen Fünftklässler ab dem kommenden Schuljahr überführt werden. Er gehe davon aus, dass bis dahin alle organisatorischen Voraussetzungen dafür erfüllt seien. Für die Berufsschulen kündigte Spaenle eine Initiative an, damit mehr junge Menschen über die berufliche Bildung an die Universitäten kämen. Außerdem werde an allen Schularten die Digitalisierung sowohl bezüglich der Lehrinhalte als auch der technischen Ausstattung vorangebracht. Das Angebot an Ganztagesschulen werde genauso weiter ausgebaut wie die Inklusion von Kindern mit Behinderung in die Regelschulen.

Mit Blick auf den Start des neuen Schuljahres in der kommenden Woche hat SPD-Bildungssprecher Martin Güll eine weitere Entlastung der Eltern von Schulkosten gefordert. Nach seiner Rechnung müssen Eltern für jeden ABC-Schützen gut 300 Euro für Schul- und Lernmaterial ausgeben. Diese setzten sich aus den Kosten für Schulranzen und Sportbekleidung, aber auch aus Ausgaben für Schul- und Arbeitshefte, Stifte, Schreib- und Malblöcke sowie Schnellhefter und zahlreiche andere Utensilien zusammen. Das sei ein "echtes Ärgernis" und passe nicht zur gesetzlich garantierten Lernmittelfreiheit. "Bildung muss komplett kosten- und gebührenfrei sein", erklärte Güll. Der Freistaat müsse auch die "Nebenkosten für Schulkinder" übernehmen. Die SPD erarbeite dazu gerade einen Gesetzentwurf.

Teuere digitale Lernmittel

Nach den Vorstellungen Gülls soll der Freistaat auch spätere Zusatzkosten für Schüler übernehmen. Über die Grundausstattung hinaus gingen unter anderem Anschaffungen für Schulatlas, Wörterbuch und Taschenrechner, aber auch für Schullandheimaufenthalte, Skilager, Studienfahrten sowie Museums- und Theaterbesuche. Das alles summiere sich schnell auf mehrere 100 Euro. Ebenfalls kostenfrei müsse die Mittags-, Nachmittags- und Ferienbetreuung werden. Weiter einsetzen will sich die SPD laut Güll auch für die Kompletterstattung der Schulwegkosten nach der 10. Klasse. Mitstreiter in einigen Punkten hat Güll in den Freien Wählern gefunden. Deren Bildungspolitiker Michael Piazolo richtete den Blick vor allem auf die Digitalisierung. Bei der Anschaffung digitaler Lehr- und Lernmittel wie Computer oder Tablets müsse die Staatsregierung nach sozialverträglichen Lösungen suchen. Die teuren Geräte gerieten sonst zu einer enormen Belastung für viele Familien.

Im Kultusministerium wies man die Forderungen der Opposition zurück. An allen öffentlichen Schulen gelte grundsätzlich Lernmittelfreiheit. Gebrauchsgegenstände wie Schulranzen, Radiergummis oder Formelsammlungen fielen allerdings nicht darunter. Für einkommensschwache Familien gebe es aber die Möglichkeit finanzieller Hilfen durch die Sozialbehörden.

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