14.02.2018 - 10:43 Uhr
Deutschland & Welt

Politischer Aschermittwoch - Spott und markige Sprüche [Video] Markus Söder: "Außer mir will ja keiner Ministerpräsident werden"

Mit Bierzeltreden samt derbem Humor starten die Parteien am politischen Aschermittwoch in den Landtagswahlkampf. Dank der aufgeladenen politischen Stimmung in Deutschland dürften die Frontlinien bei den zeitgleich stattfindenden Fernduellen nicht immer so ganz einfach auszumachen sein.

von Agentur DPAProfil

Der designierte Ministerpräsident Markus Söder spricht markige Worte:

Hier in Passau hat die politische Correctness heute Pause. Ich bin wieder hier in meinem Revier.
Wir haben den Neuanfang geschafft, die SPD macht jeden Tag einen Neuanfang.
Ich möchte zu zwei Empfängen gehen im Sommer. Zur Meisterfeier des FC Bayern und zum Aufstieg des FC Nürnberg.
Ich kann euch zu meinen Erfahrungen als Gesundheitsminister mit hormonellen Veränderungen sagen zur SPD: Einmal Zwerg, immer Zwerg.
Wir müssen auch die demokratische Rechte auf unserer Seite vereinnahmen, wir wollen alle demokraischen Kräfte rechts von der Mitte bei uns bündeln.
Die AfD ist keine Ersatz-Union.
Außer mir will ja keiner Ministerpräsident werden.
FW steht im Landtag ja nicht für Freie Wähler, sondern für Freibier Wähler.
Die Ehe für alle ist für viele schon nicht einfach, aber die Ehe mit vielen, die geht gar nicht.
Wer nicht anerkannt wird, der muss zurück in seine Heimat.
Die Balance stimmt nicht mehr, wir dürfen die einheimische Bevölkerung nicht vergessen.
Burkas sind kein modisches Accessoire, sondern eine Abgrenzung von unserer Gesellschaft.
Wir werden in der bayerischen Verfassung eine Amtszeitbegrenzung reinschreiben. Sie wäre auch ein Signal für Deutschland.

In Passau begeisterte auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer die Menge:

Lieber die Lufthoheit über dem Stammtisch als Befehlsempfänger des linken Spinners Ralf Stegner.
Die Grünen predigen Tofu, sind aber dann schnell an den Fleischtöpfen.
Martin Schulz ist der neue "Daußenminister".
Genossen ist ja die Vergangenheit von genießen.

SPD inmitten von Turbulenzen

Die bayerische SPD-Landeschefin und stellvertretende Bundesvorsitzende Natascha Kohnen hat eindringlich für ein Ja ihrer Parteifreunde zur großen Koalition mit der Union geworben. Eine Koalition sei eine Zweckgemeinschaft - und "über eine Zweckgemeinschaft muss man mit kühlem Kopf nachdenken", sagte Kohnen beim politischen Aschermittwoch der SPD in Vilshofen. 

Wir in der SPD erleben gerade ganz besonders stürmische Zeiten, aber nicht zum ersten Mal. Was immer wichtig war und auch jetzt ist: Dass es einen Steuermann gibt. Uns könnte es einen besseren Steuermann geben als einen Hanseaten? Olaf Scholz zeigt seit Jahren in Hamburg, wie regieren geht. Uli Grötsch
Zu Heimat gehören auch die griechische Taverne, der türkische Gemüsehändler, Döner, Pizza, Django Asül und Arjen Robben. Leben und Leben lassen. Markus Rinderspacher
Unsere Partei ist anstrengend, aber attraktiv und lebendig. Darauf können wir stolz sein. Natasche Kohnen.
Was versteht der designierte Ministerpräsident von Heimat? Ausdrücke, die ich nicht mal wiederholen will.Natasche Kohnen.
So wie heute wünsche ich mir die Partei immer. Optimistisch. Wir sind eine Partei die optimistisch sind. Olaf Scholz
Zwei Drittel des Koalitionsvertrags stammen aus dem sozialdemokratischen Wahlprogramm. Wer hat noch Fragen? Olaf Scholz
Man muss sich nur die Diskussion in der CDU anschauen, dann sieht man, dass wir es wohl irgendwie richtig hinbekommen haben. Olaf Scholz

Hubert Aiwanger wettert gegen CSU

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hat beim politischen Aschermittwoch in Deggendorf scharfzüngig über die große Koalition gespottet. Das Regierungspersonal unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete er als "ein Invalidenkabinett von politisch Fußkranken, angeführt von dieser Heimsuchung aus dem Osten". FDP-Chef Christian Lindner sei "ein Bambi", der designierte bayerische Ministerpräsident Markus Söder ein Showpolitiker.

Zu Söders Ankündigung, bis zum Jahr 2020 bayernweit 2000 Wohnungen für Menschen mit mittleren Einkommen schaffen zu wollen, sagte Aiwanger: "Wenn er gesagt hätte: 20.000 oder 200.000 Wohnungen, aber 2000 - (...) wenn wir fünf Bürgermeister der Freien Wähler ansetzen, dann schaffen wir das selber." 

Die CSU regiere am Bürger vorbei, kritisierte Aiwanger. Themen wie Wohnen, Pflege, Lehrermangel, Arztversorgung und Kinderbetreuung würden vernachlässigt. Es dürfe nicht mehr der Spruch gelten: "Es reicht das Erzählte", sondern es müsse heißen: "Es zählt das Erreichte".

Wir sind nicht der Überzeugung, dass Deutschland erst dann ein starkes Land ist, wenn der letzte Quadratmeter Weizenboden zugebaut und unter einem Lidl-Parkplatz verschwunden ist.Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger

"Absolutismus der CSU brechen"

Mit kämpferischen Worten hat Grünen-Bundeschef Robert Habeck seine Partei beim politischen Aschermittwoch auf die Landtagswahl in Bayern eingestimmt. "Die Grünen wollen den Absolutismus der CSU brechen", rief Habeck vor etwa 400 Zuhörern in Landshut. "Dieses Land gehört keiner Partei, dieses Land gehört nicht der CSU." Bei den Grünen gebe es eine Vision "für eine großartige Veränderung".

Dieses Land gehört keiner Partei, dieses Land gehört nicht der CSU.Grünen-Bundesvorsitzender Robert Habeck

Bayern sei zwar ein denkbar schwieriges Pflaster, doch hier gebe es ein großes Potenzial: Dickschädeligkeit und Rauheit einerseits, Weltoffenheit und Veränderungsbereitschaft andererseits, sagte Habeck - und erinnerte an sein persönliches Vorbild, den vor Jahren gestorbenen bayerischen Grünen-Politiker Sepp Daxenberger.

Habeck forderte, mehr Verantwortung für die Umwelt weltweit zu übernehmen und verwies auf die jüngsten Berichte zum Anstieg der Meeresspiegel. "Wir werden nicht untergehen. Wir haben Geld." In anderen Teile der Welt sehe das anders aus. Sich angesichts von Not und Kriegen abzuschotten und Flüchtlinge nicht haben zu wollen, sei "bigotte Politik". Der Grünen-Chef erinnerte zudem an den Journalisten Deniz Yücel, der seit einem Jahr in der Türkei in Haft ist, und er kritisierte Waffenlieferungen aus Deutschland in Krisengebiete.

Jetzt haben sie vielleicht ihr Ziel erreicht: ein Heimatministerium in Berlin. Und Horst Seehofer wird dahin abgeschoben. So fühlt es sich an, wenn man abgeschoben wird.Grünen-Bundesvorsitzender Robert Habeck

FDP-Chef Lindner kritisiert Merkels Führungsstil

FDP-Chef Christian Lindner hat beim politischen Aschermittwoch in Dingolfing den Führungsstil von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert. "Sprechen wir es offen es: Nach zwölf Jahren ist auch die Methode Merkel an ein Ende gekommen", sagte Lindner in Dingolfing. Dass Deutschland noch keine neue Regierung habe, liege nicht nur an Unstimmigkeiten zwischen den Parteien, sondern auch an Merkels Führungsstil. Die FDP teile allerdings nicht den Hass, der gegen die Kanzlerin von den politischen Rändern geschürt werde, betonte Lindner.

Ich beobachte bei Markus Söder eine Veränderung seit einigen Jahren - die kann man feststellen an seinen Faschingskostümierungen: Der war mal Shrek, dann ist er als Edmund Stoiber aufgetreten und neuerdings verkleidet er sich nur noch als Monarch.FDP-Chef Christian Lindner

Linke hofft auf Einzug in bayerischen Landtag


Der Bundestagsfraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, hat seine Partei auf den bayerischen Landtagswahlkampf eingeschworen. "Wir können stolz darauf sein, dass wir über fünf Prozent bei der Bundestagswahl in Bayern holten", sagte Bartsch beim politischen Aschermittwoch in Passau. Die Linke sei nicht irgendeine Randpartei, sondern stabil. "Der Schlüssel für die großen Erfolge ist die Kommunalpolitik, und diese Standbeine brauchen wir auch für den Einzug ins Maximilianeum."

Bei der Landtagswahl 2013 scheiterte die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde. Dass Markus Söder (CSU) in wenigen Wochen bayerischer Ministerpräsident werden soll, sei für die Linke im Wahlkampf ein Geschenk, erklärte Bartsch. Denn die Alternative zu Söder "die sind wir, unsere Chance also, in den Landtag einzuziehen".

Die Linke fordere eine gerechte Vermögensverteilung und eine entsprechende Besteuerung: "Es kann doch nicht sein, dass die Zahl der Millionäre steigt und sich gleichzeitig Kinder ihr Schulessen nicht mehr leisten können oder Rentner Flaschen sammeln müssen." Auch in der Rüstungspolitik müsse die Linke Druck machen: "Es ist pervers, dass Deutschland durch Panzerlieferungen in Länder wie die Türkei von dieser Politik profitiert."

AfD-Chef Meuthen: SPD hat kein Rückgrat

Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen hat der SPD Unglaubwürdigkeit und ein fehlendes Rückgrat vorgeworfen. Erst hätten die Sozialdemokraten gegen die Union gepöbelt, später hätten sie bei der eigenen Parteibasis für eine Koalition mit CDU/CSU gebettelt, sagte Meuthen beim politischen Aschermittwoch im niederbayerischen Osterhofen. "Die heutigen Sozen, das war in früheren Zeiten einmal anders, haben weniger Rückgrat als ein rotes Gummibärchen!"

Vor mehreren Hundert Anhängern bescheinigte Meuthen den Unionsparteien, keine konservativen Positionen mehr zu vertreten: "Die wissen doch nicht einmal mehr, was Vaterlandsliebe ist." Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre CDU-Mitstreiter hätten nur noch ein Ziel: "Machterhalt um buchstäblich jeden Preis."

Heute mutet das C im Namen von CDU wie CSU doch nicht mehr als Symbol einer christlichen Grundhaltung an, sondern es liegt eher die Vermutung nahe, dass dieses C inzwischen längst für die Halbmondsichel des Islam steht. AfD-Bundesvorsitzender Jörg Meuthen

Weitere Zitate vom politischen Aschermittwoch

Heuer fallen Aschermittwoch und Valentinstag zusammen. Das wirkt sich im Großen und Ganzen nicht auf die Reden der Politiker aus. Nur einer zieht eine Parallele zu einem bekannten Flirtportal.

"Der Sozi ist eigentlich grundsätzlich nicht dumm. Er hat nur viel Pech beim Nachdenken." CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer in Passau in Richtung SPD. "Der neue Draußenminister ist Martin Schulz." Scheuer über Schulz, der nun doch nicht Außenminister wird. "Bei uns stehen die Leistungsträger im Mittelpunkt und nicht die Transferleistungsempfänger." Scheuer über den Heimat- und Identitätsbegriff bei der CSU. "Wir sind da, wir sind stärker da als zuvor, wir sind geschlossen und wir sind kampfbereit." Markus Söder in Passau über den Zustand seiner Partei. "Heimat ist nicht nur Gefühlsduselei. Sie ist der seelische Anker, den ein Jeder braucht." Söder über die Heimatpolitik seiner Partei. "Andere Parteien machen sich vom Acker. Wir haben das Kreuz, das andere nicht haben." SPD-Landeschefin und stellvertretende Bundesvorsitzende Natascha Kohnen in Vilshofen über den Jamaika-Ausstieg der FDP. "Heimat ist keine Verordnung zur Einheitlichkeit." SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher. "Eher legt sich ein Hund einen Wurstvorrat an, als dass die CSU einen Plan erarbeitet, um das Artensterben einzudämmen." Ludwig Hartmann, Spitzenkandidat der Grünen für die Landtagswahl, in Landshut über die Umweltpolitik der CSU. "Die Menschen in Niederbayern können nichts für Andi Scheuer, genauso wenig wie die Franken für Markus Söder." Hartmann über die CSU-Politiker Scheuer und Söder. "Jetzt haben sie vielleicht ihr Ziel erreicht: ein Heimatministerium in Berlin. Und Horst Seehofer wird dahin abgeschoben. So fühlt es sich an, wenn man abgeschoben wird." Der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck über die Politik der CSU. "Da ist zum Beispiel Andrea Nahles, von der sich sagen lässt, dass wenn sie redet, das einzig Gute daran ist, dass sie dann wenigstens nicht singt." Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen in Osterhofen über Nahles, die 2013 im Bundestag das Pippi-Langstrumpf-Lied sang. "Heute mutet das C im Namen von CDU wie CSU doch nicht mehr als Symbol einer christlichen Grundhaltung an, sondern es liegt eher die Vermutung nahe, dass dieses C inzwischen längst für die Halbmondsichel des Islam steht."  Meuthen über die Unionsparteien. "Die heutigen Sozen, das war in früheren Zeiten einmal anders, haben weniger Rückgrat als ein rotes Gummibärchen!" Meuthen über die SPD. "Wir sind nicht der Überzeugung, dass Deutschland erst dann ein starkes Land ist, wenn der letzte Quadratmeter Weizenboden zugebaut und unter einem Lidl-Parkplatz verschwunden ist." Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger in Deggendorf über Flächenverbrauch. "Heute sind das nicht mehr die Von-und-Zus, sondern die Auf-und-Davons." Aiwanger über die FDP. "Das ist ein Invalidenkabinett von politisch Fußkranken, angeführt von dieser Heimsuchung aus dem Osten." Aiwanger über das Personal der großen Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Ich beobachte bei Markus Söder eine Veränderung seit einigen Jahren - die kann man feststellen an seinen Faschingskostümierungen: Der war mal Shrek, dann ist er als Edmund Stoiber aufgetreten und neuerdings verkleidet er sich nur noch als Monarch." FDP-Chef Christian Lindner in Dingolfing über Söder. "Unser Land braucht keine konservative Revolution, unser Land braucht eine liberale Modernisierung - und dafür werden wir in den nächsten Monaten gemeinsam kämpfen." Bayerns FDP-Generalsekretär Norbert Hoffmann zum anstehenden Landtagswahlkampf. "Alle elf Minuten verliebt sich ein Söder in eine neue Idee von Herrn Söder." Detlev Werner, Bezirksvorsitzender der FDP in Niederbayern, in Dingolfing über Söder.

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