12.04.2018 - 21:36 Uhr
Deutschland & Welt

Der FC Bayern in "Triple-Schritten" zum großen Ziel Den Henkelpott im Blick

Das 0:0 gegen Sevilla war nichts für Fußball-Ästheten. Doch still und heimlich nähern sich die Bayern in "Triple-Schritten" dem großen Ziel.

Schön war's nicht, aber erfolgreich: Beim torlosen Remis zwischen den Bayern und dem FC Sevilla ging es ordentlich zur Sache. In dieser Szene liefern sich Pablo Sarabia (weißes Trikot) und Rafinha einen beherzten Zweikampf. Bild: Andreas Gebert/dpa
von Fabian Leeb Kontakt Profil

München. Jupp Heynckes' Credo lautete stets, Topteams müssten just in der entscheidenden Saisonphase bei 100 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit sein: "Im März, April und Mai - wenn es um die Titel geht - müssen wir unsere beste Verfassung erreichen und zugleich noch Reserven haben." Während Pep Guardiola in Manchester noch nach der richtigen Mixtur dieses Erfolgsrezeptes forscht, zogen die Bayern gegen den FC Sevilla relativ souverän ins Halbfinale der Champions-League ein - im Gegensatz zu den Top-, Top-, Topfavoriten Manchester City und FC Barcelona. Und so ergibt es sich, dass die Münchener plötzlich der große Favorit auf den begehrtesten Titel im europäischen Vereinsfußball sind - vielleicht gemeinsam auf einer Stufe mit den "Königlichen" aus Madrid. Denen der Halbfinal-Einzug in der siebten Minute der Nachspielzeit per Elfmeter von Cristiano Ronaldo aber alles andere als souverän gelang. "Wenn man die anderen Resultate betrachtet, fühlt sich so ein relativ sicheres 0:0 gegen Sevilla jetzt im Moment nicht so verkehrt an", sagte Thomas Müller.

Auch Arjen Robben verlieh dem schier unerschütterlichen Selbstbewusstsein der Heynckes-Jünger verbalen Ausdruck: "Im Halbfinale der Champions-League gibt es keine Favoriten mehr. Aber ich glaube schon, dass wir nicht unbedingt der Wunschgegner der anderen Teams sind." Und Mats Hummels sprach deutlich aus, worum sich seine Kameraden unter Heranziehung sämtlicher verfügbarer Allerwelts-Floskeln wanden wie ein Aal: "Wer im Halbfinale steht, will dieses Ding dann auch gewinnen." Verkündete er und entschwand wild entschlossen in der Münchener Nacht. Wer hätte eine derartige Entwicklung noch vor sechs Monaten für möglich gehalten. Die Bayern waren gerade von Neymar, Cavani und Mbappé am Nasenring durch den Prinzenpark gezogen und beim 0:3 gegen Paris St. Germain nach allen Regeln der Kunst vorgeführt worden. Carlo Ancelotti musste gehen und Uli Hoeneß reinstallierte seinen Intimus und Triple-Trainer Jupp Heynckes aus dem Ruhestand am Niederrhein. Sieben Siege und ein Remis in der Königsklasse später greifen die Bayern tatsächlich erneut nach dem Pott. Maximal drei Spiele trennen die Münchener noch vom sechsten Gewinn der Champions-League. "Gegen Real hab ich gefühlt schon 100 Mal gespielt, ich hätte also nichts dagegen, wenn es nach Rom oder Liverpool gehen würde", äußerte wieder "Klartext-Mats" Hummels wenigstens den Hauch eines Wunschloses.

"Völlig egal, wer da jetzt kommen mag, wir schauen nur auf uns. Wir wissen, dass wir an einem guten Tag jeden Gegner schlagen können", floskelte Robert Lewandowski daher. Am Auge verdeckten zwei große Tapes die Schrammen, die der Pole beim Abnutzungskampf gegen die Andalusier erlitten hatte. Die Blessuren von James (Nasenbluten und Oberschenkelprellung), Javi Martinez (schwere Knieprellung) sowie Robben (Oberschenkel-Probleme) waren Ausdruck der "kernigen Spielweise" (O-Ton Hummels) der Spanier. Doch Ober-Boss Hoeneß hatte dafür Verständnis: "Wer ins Halbfinale will, versucht es mit allen Mitteln. Das ist völlig legitim." Vielleicht sollte Pep Guardiola seinem exzessiven Ballbesitz-Fußball also einfach noch einen Schuss Ruppigkeit beimischen.

Wer im Halbfinale steht, will dieses Ding dann auch gewinnen.Mats Hummels
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