21.02.2018 - 19:30 Uhr
Deutschland & Welt

Drei Nationalspieler gegen Besiktas nicht einmal im Bayern-Kader Ein Luxus-Problem und Robbens dicker Hals

Natürlich will jeder von Anpfiff an auf dem Platz stehen. Das ist bei kleinen Jungs so, das ist bei Stars so. Bei den Bayern geht es nach dem Besiktas-Spiel weniger um den Kantersieg als um die Aufstellung.

von Josef Maier Kontakt Profil

München. Sebastian Rudy ist Nationalspieler. 24-mal lief der Schwabe bisher fürs DFB-Team auf, hat beste Aussichten, dass ihn Joachim Löw für die Mission Titelverteidigung im Sommer in Russland nominiert. Juan Bernat trug auch schon Spaniens Stolz, das Nationaltrikot. Beide sind topfit - und für beide gab es am Dienstagabend kein Trikot. Sie saßen gegen Besiktas nicht einmal auf der Bank,schafften es nicht in den Kader. Sie froren in Privatklamotten auf der Tribüne, während sie frustriert die Partie verfolgten.

Arjen Robben froren schon am Montag die Gesichtszüge ein. "Da hab ich es erfahren", murmelte er genervt nach dem 5:0 der Bayern im Achtelfinal-Hinspiel der Königsklasse gegen Besiktas Istanbul. Der Ehrgeizling saß zunächst nur auf der Bank. "Jetzt kommen die großen Spiele, da will jeder spielen", knurrte Robben. "Und wenn du dann nicht von Anfang an spielst, ist das schon eine schmerzhafte Geschichte." Der Holländer hatte einen richtigen dicken Hals. "Aber wenn ich jetzt sage, was ich denke, muss ich morgen zu den Vereinsbossen."

Was für Trainer Jupp Heynckes eigentlich ein absoluter Traum ist, ist für manchen Spieler ein Alptraum: Bis auf Torwart Manuel Neuer sind beim FC Bayern derzeit alle fit. Dass Thiago nicht nominiert wurde, ist wohl noch seiner langen Verletzungszeit geschuldet. Und so war am Dienstagabend weniger der in der zweiten Hälfte stark herausgespielte Kantersieg das Thema denn das Überangebot an Stars. So richtig weiterhelfen konnte auch die Aussage von Keeper Sven Ulreich nicht: "Im Fußball kann man ja nicht mit 24 Leuten spielen."

An solchen Abenden wird auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic vorgeschickt, der dann Standardsätze formuliert wie: "Es werden alle gebraucht." Oder: "Alle leisten ihren Beitrag." Oder: "Jeder ist wichtig." Er sagte auch: "Der Trainer macht das gut." Jupp Heynckes ist in diesen Tagen aber nicht nur Trainer, sondern auch Moderator und Manager. All die überbordenden Egos der Superstar unter einen Hut zu bringen - das ist die eigentliche Aufgabe.

Der erfahrene Coach kann seine ehrgeizigen Spieler verstehen, macht aber auch die Ansage: "Jeder muss das akzeptieren. Wer beim FC Bayern einen Vertrag unterschreibt, der muss damit rechnen, dass er hier und da mal nicht von Anfang an spielt." Und dann wurde er noch eine Spur schärfer: "Ich mache das, was ich für richtig finde. Das hat auch jeder zu akzeptieren. Punkt!" Für Robben hatte er dennoch eine Streicheleinheit parat: "Arjen ist ein Top-Profi. Dass er von Anfang spielen will, ist doch klar." Erst als der Holländer für den verletzten James aufs Feld kam, lief die Bayern-Maschine. Am Ende standen Thomas Müller (2), Robert Lewandowski (2) und Kingsley Coman als Torschützen auf der Anzeigetafel. "In der zweiten Hälfte war das sehr gut", lobte Müller. Das Rückspiel in drei Wochen ist nur noch Formsache.

Thomas Müller kennt die Situation der Bankdrücker bestens. Bei Carlo Ancelotti saß er stets bei großen Spielen draußen. Jetzt ist er bei Heynckes wieder eine Bank. "Der Trainer händelt das gut", sagte Müller vorsichtig. Manche meinten sarkastisch, die Verletzung von James, der vor der Pause raus musste, sei zur rechten Zeit gekommen. Der Kolumbianer zog sich eine Wadenverhärtung zu. Er fehlt am Samstag auf jeden Fall gegen Hertha. Bei den nächsten großen Spielen wird er wieder dabei sein. Und so dürfte es demnächst noch einige dicke Hälse beim FC Bayern geben ...

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.