15.10.2017 - 21:52 Uhr
Sport

FC Bayern siegt im ersten Spiel unter Heynckes Jupp, Jupp, Hurra

Nach dem Spiel gibt es Pizza für die Spieler. Fast Food statt der sonst üblichen Salate oder anderer Gerichte, die der bewussten Ernährung eines Sportlers zuträglicher sind. Das ist aber nicht die einzige Änderung beim FC Bayern unter dem alten Neu-Coach Jupp Heynckes.

von Fabian Leeb Kontakt Profil

München. Es passte ins Bild, dass es ausgerechnet Thomas Müller war, der nach dem deutlichen 5:0-Erfolg über den SC Freiburg umgehend auf die Euphoriebremse trat. "Jetzt werden wir vermutlich wieder in den Himmel gehoben. Aber wir Spieler und der Trainer werden diese Lobeshymnen nicht mitsingen", sagte der Kapitän, der zuletzt so offenkundig unter der geringen Wertschätzung des Carlo Ancelotti gelitten hatte. Aber auch Müller war es nicht verborgen geblieben, dass die Missstände, die zur Trennung von Ancelotti geführt hatten, nicht durch Handauflegen des Wunderheilers aus dem Ruhestand behoben werden können. Die Probleme traten auch beim Fünferpack gegen engagierte, aber eben auch arg limitierte Freiburger, offen zutage - nicht mehr so krass wie zuvor, aber sie waren weiter vorhanden. "Wir wissen schon, an welchen Schrauben wir noch zu drehen haben", befand dann auch Müller.

Alle Freiheiten für Müller

Heynckes setzte auf Tradition statt Innovation. Er bot exakt die Startformation auf, die im Vorfeld erwartet worden war. 4-2-3-1-System, Javi Martinez im defensiven Mittelfeld, frühes Pressing und Thomas Müller hinter Stoßstürmer Robert Lewandowski mit allen Freiheiten ausgestattet. "Der Trainer hat während der Woche lange mit mir geredet, mir seinen Plan erläutert und was er von mir erwartet. Das habe ich heute schon versucht, umzusetzen." Und Müller war omnipräsent. Er organisierte die Defensivarbeit des gesamten Teams und koordinierte die Laufwege bei eigenen Angriffen - ungewohnt lautstark, so dass seine Anweisungen bis auf die Tribüne zu hören waren. Aber der Freigeist leistete sich auch einige Ballverluste, die die Freiburger zu Kontern einluden.

"Das war heute ein guter Anfang. Aber wir dürfen uns nicht so eklatante Abspielfehler leisten. Wir haben noch viel Arbeit vor uns", legte Heynckes nach der Partie den Finger in die Wunde. So hätten Ryan Kent (6.) - Sven Ulreich parierte glänzend - und Mike Frantz (35.) durchaus für die Führung bzw. den Ausgleich für die Freiburger sorgen können. Aber ein Eigentor von Julian Schuster (8.), ein Abpraller-Kopfball von Kingsley Coman (42.), ein traumhafter Schlenzer von Thiago (63.), ein eiskalter Robert Lewandowski (76.) sowie ein Hacken-Dreh-Streichler von Joshua Kimmich mit dem Schlusspfiff sorgten für ein standesgemäßes Debüt des 72-jährigen Comebackers.

Auffallend waren allerdings konditionelle Defizite: Das über 60 Minuten praktizierte konsequente Pressing, offenbarte in der letzten halben Stunde teils große Lücken - nicht jeder Akteur hielt das hohe Tempo durch.

Kracher-Wochen

Ein Wermutstropfen drückte doch noch auf die Stimmung. Der bärenstarke Javi Martinez, der wie zu besten Triple-Zeiten brillierte, verletzte sich nach einem Zusammenprall an der Schulter und musste raus. Sein Einsatz am Mittwoch gegen Celtic Glasgow in der Champions-League ist ungewiss. "Die nächsten Spiele werden zeigen, wohin es für uns geht", wagte Youngster Joshua Kimmich schon einen Blick voraus - mit dem Unterton, dass auch die Spieler Freiburg als dankbaren Aufbaugegner erachteten.

Zwei Mal Celtic, zwei Mal RB Leipzig (Pokal und Liga) sowie das Gastspiel bei Borussia Dortmund - die nächsten drei Wochen bieten Kracher-Spiele am Fließband. Gelingt den Bayern die Wende, bleiben Pizzen der letzte italienische Einfluss beim Rekordmeister.Bild: Angelika Warmuth/dpa

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