26.02.2018 - 19:08 Uhr
Deutschland & Welt

Sieben Jahre nach den letzten Rennen Weltcup: Nix geht mehr am Arber

Als Riesenslalom-Siegerin Viktoria Rebensburg am 6. Februar 2011 am Großen Arber Tausenden Zuschauern bei der Siegerehrung zujubelt, wollen viele Fans beim nächsten Weltcuprennen im Bayerischen Wald wieder dabei sein. Seitdem warten sie auf eine Neuauflage - vermutlich vergebens.

von Armin Eger Kontakt Profil

Von Armin Eger

Zwiesel. Ingemark Stenmark, Maria Epple, Erika Hess, Hanni Wenzel, Debora Compagnoni, Anja Pärson, Marlis Schild, Maria Riesch oder Lindsey Vonn, um nur einige zu nennen, waren schon da. In 35 Jahren haben sich viele Skistars in die Siegerlisten bei den Weltcups am Großen Arber eingetragen. Aber damit ist es seit sieben Jahren vorbei. Denn dass jemals wieder ein Weltcup-Rennen nach Zwiesel vergeben wird, ist eher unwahrscheinlich.

Die Region wäre aber im Fall der Fälle bereit, bestätigt Herbert Unnasch, der Vorsitzende des Organisationskomitees (OK) Bayerischer Wald, das bei der Arberland Regio GmbH angesiedelt ist. "Wir könnten sofort loslegen. Unser Organisations-Komitee gibt es noch immer und ist stärker als vor Jahren", bestätigt er. Man sei finanziell abgesichert, hätte nach dem Weltcup-Aus die Schwerpunkte jedoch auf den Skilanglauf und Biathlon gelegt. Der letzte große alpine Wettbewerb war ein alpines Europacup-Rennen 2013. "Wir wollen aber keine Europacups mehr", sagt Unnasch. "Das kostet viel Geld und bringt nichts."

Schwierige Wettersituation

Die Weltelite der alpinen Frauen war letztmals im Februar 2011 für einen Slalom und Riesenslalom am Großen Arber. Nur wenige Monate danach kam für alle sehr überraschend das Aus für die Arber-Region. Im Wortlaut hieß es beim Deutschen Skiverband: "Leider war die Durchführung der zurückliegenden Weltcups am Arber wiederholt von der schwierigen Wettersituation in der Region beeinträchtigt worden.

Die Wetterkapriolen beim Weltcup im Februar dieses Jahres führten zu gravierenden Programmänderungen. Die daraus resultierenden, massiven finanziellen Einbußen betrafen sowohl den Deutschen Skiverband, seine Partner als auch das Organisationskomitee." Für Unnasch ist das Wetter nur eine Ausrede. "Es gibt in Deutschland mit Garmisch, Ofterschwang und uns drei Weltcupstrecken. Garmisch ist gesetzt und bis 2011 haben wir uns mit Ofterschwang abgewechselt. Danach spielte der Arber in den Planungen des Skiverbands keine Rolle mehr. Wir sind von der Struktur her eben nicht in der Alpen-Linie. Einen Weltcup am Arber wird es nicht mehr geben. Das ist Fakt, damit müssen wir leben."

"Wir wären startklar"

Allerdings sei man jederzeit dafür gerüstet, bestätigt Unnasch. "Sollte uns der Ruf ereilen, dass wir wieder einen Weltcup ausrichten sollen, wären wir startklar." Aber das OK am Großen Arber hat inzwischen genügend andere Betätigungsfelder. "Wir haben uns auf die nordischen Sportarten konzentriert", sagt der Vorsitzende des Organisationskomitees. Das Skistadion sei ausgebaut worden und vor kurzem war der Bayerische Wald Schauplatz der Rennen im IBU-Cup der Biathleten.

Auch im Langlauf ist die Region stark. "Hier erfüllen wir Weltcupstandard und sind in der Lage, einen Weltcup auszurichten." Denkbar für Unnasch ist ein Prolog im Weltcup oder auch bei der Tour de Ski. Vielleicht kommen also demnächst wieder Weltstars aus dem Wintersport in die Region Bayerischer Wald. "Wäre wünschenswert und schön. Aktuell ist aber noch nichts", sagt Unnasch.

Die Geschichte des Arber-Weltcups

Im Winter 1970 wurden die ersten FIS-B-Rennen ausgetragen, ab dem Winter 1972/73 Eurocuprennen, die damals eine größere Bedeutung hatten als heute. Unter anderem taucht in der Siegerliste Christian Neureuther auf. Da DSV und FIS mit der Arbeit am Arber zufrieden waren, vergaben sie für den Winter 1975/76 einen Herren-Riesenslalom. Zum ersten Weltcup in einem Mittelgebirge kamen 35 000 Zuschauer. Es siegte der Schwede Ingemar Stenmark. Ab 1981 fuhren nur noch die Frauen ihre Weltcups am Großen Arber aus. Nur zweimal hatten die Organisatoren Pech. Im Februar 2000 schneite und stürmte es an den Renntagen so sehr, dass die Rennen wegen zu viel Schnee und Sturmböen von 160 km/h jeweils kurz vor dem Start abgesagt werden mussten. Und selbst da waren zum Riesenslalom schon rund 7000 Zuschauer gekommen.

Ähnlich war es 2008, als der Orkan "Emma" alles, im wahrsten Sinne des Wortes, vom Berg geblasen hatte. Im Februar 2011 trug sich als Letzte Viktoria Rebensburg in die Siegerliste ein. Es war erst der zweite Weltcupsieg der damals 22-Jährigen.

Weltcup-Siegerinnen am Arber (Riesenslalom/Slalom): 1981 : Maria Epple/Erika Hess; 1984: Tamara McKinley/Hanni Wenzel; 1987: Maria Waliser, Corinne Schmidhauser; 1991: Anita Wachter/-;

1997: Deborah Compagnoni/Deborah Compagnoni; 2000: Absage wegen Regen; 2004: Anja Pärson/Anja Pärson; 2007: Tanja Poutiainen/Marlies Schild; 2008: Absage wegen Sturms; 2011: Marlies Schild/Viktoria Rebensburg. (eg)

Sollte uns der Ruf ereilen, dass wir wieder einen Weltcup ausrichten sollen, wären wir startklar.Herbert Unnasch, Vorsitzender des Organisationskomitees Bayerischer Wald
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp