04.10.2017 - 21:26 Uhr
Deutschland & Welt

Anklagebehörde: Münchner Amoklauf nicht nur rechtsextrem motiviert Gutachter nicht einig

München. Auch nach Bekanntwerden eines anderslautenden Gutachtens schätzt die Münchener Staatsanwaltschaft den Amoklauf vom 22. Juli 2016 nicht als ausschließlich rechtsextrem motiviert ein. "Wie von Anfang an gesagt, lag bei David S. ein ganzes Motivbündel vor, darunter auch eine von ihm aufgebaute krude pseudo-nationalsozialistische beziehungsweise rechtsradikale Gedankenwelt", sagte Oberstaatsanwältin Anne Leiding am Mittwoch auf Anfrage. "Natürlich war David S. rechtsextremistisch gesinnt, es wäre aber verfehlt, seine Motivation auf diesen Aspekt zu verkürzen."

von Redaktion OnetzProfil

Auch die Anklagebehörde habe forensische Gutachter beauftragt, die sich intensiv und ergebnisoffen mit den Motiven auseinandergesetzt hätten. Nach deren Einschätzung stand jedoch die Kränkung des 18-Jährigen durch langjähriges Mobbing im Vordergrund.

Drei von der Stadt München beauftragte Gutachter bewerten den Amoklauf mit neun Toten offenbar als politisch motivierte Tat aus dem rechten Spektrum. Wie "Süddeutsche Zeitung" und WDR am Mittwoch berichteten, spricht einer der Gutachter von Rechtsterrorismus. Die Gutachter kommen damit zu einem anderen Ergebnis als die bayerische Staatsregierung und die Ermittlungsbehörden, die die Tat von David S. als unpolitischen Amoklauf einstufen. Die Stadt hat Christoph Kopke, Matthias Quent und Florian Hartleb beauftragt, den rechtsextremistischen Hintergrund von S. zu klären. Ihre Analysen wollen sie am Freitag im Münchner Rathaus präsentieren.

Am 22. Juli 2016 erschoss der 18-jährige David S. acht Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren sowie eine 45-jährige Frau, bevor er sich selbst tötete.

Für die drei Forscher ist laut "Süddeutscher Zeitung" und WDR die Opferauswahl des Täters entscheidend. David S. ermordete ausschließlich Menschen, die aus Einwandererfamilien stammten. Zudem sei die Tat am Jahrestag des Attentats des norwegischen Rechtsterroristen Anders Breivik geschehen, den S. als Vorbild ansah. S. kannte kein Opfer, mordete nicht an seiner eigenen Schule. Er habe aber gewusst, dass am Tatort nahe dem Olympia-Einkaufszentrum viele Menschen mit Migrationshintergrund anzutreffen sind. Dass er selbst iranische Eltern habe, spiele keine Rolle.

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