23.02.2018 - 21:18 Uhr
Deutschland & Welt

Anzeigen online erstatten Die Polizei im PC

Eine Strafanzeige per Mausklick erledigen: Auch in Bayern ist das nun möglich - zunächst allerdings nur bei kleineren Delikten. Innenminister Joachim Herrmann hält eine Ausweitung für möglich.

Joachim Herrmann (CSU), Innenminister von Bayern, und Marianne Gottwald von der Polizei Bayern starten am Freitag in Nürnberg symbolisch ein Portal zur Online-Anzeigeerstattung. Bild: Chiara Puzzo/dpa
von Agentur DPAProfil

Nürnberg. Sieben kleinere Straftaten können ab sofort auch im Internet angezeigt werden. Dazu gehören etwa Fahrradklau, Sachbeschädigung an Autos, Diebstahl von Fahrzeugteilen oder Gegenständen aus Autos wie Radios und Navigationsgeräte sowie Betrug bei Online-Auktionen. Die Online-Anzeige über www.polizei.bayern.de eigne sich nur für Delikte, in denen die Polizei nicht sofort tätig werden müsse, betonte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag.

Bei Bedarf mehr Personal

Er erhoffe sich, dass die Zahl der angezeigten Straftaten durch das neue Angebot steige, um ein realistischeres Bild der Kriminalität im Land zu erhalten. Sollte dies einen deutlichen Mehraufwand für die Ermittler bedeuten, "dann gibt es auch entsprechend mehr Personal dafür", sagte Herrmann zu. "Es wird deswegen keine einzige Planstelle abgeschafft", sagte er mit Blick auf eine mögliche Zeitersparnis durch das neue Portal. Ihm sei außerdem wichtig, dass der Kontakt zwischen Bürger und Polizei nicht verlorengehe. Der Freistaat ist eines der letzten Bundesländer, die eine Online-Anzeige ermöglichen.

Das System solle zunächst ein Jahr lang getestet werden, sagte Herrmann. Wenn der Praxistest erfolgreich sei, könne er sich vorstellen, dass die Online-Anzeige auf weitere Deliktarten ausgeweitet wird. Zu den verschiedenen Straftaten gibt es unterschiedliche Masken, in die alle nötigen Informationen zu Tat, möglichen Tätern und dem Geschädigten eingetragen werden können. Auch Dokumente wie Kaufbelege oder Fotos können hochgeladen und verschlüsselt mitverschickt werden. Die Anzeigen landen - je nach Tat- oder Wohnort - bei der zuständigen Dienststelle, meist ist das die nächstgelegene. Da der Anzeigenerstatter sofort eine Vorgangsnummer bekommt, kann er auch später Dokumente nachreichen oder Fragen zu seiner Anzeige stellen. Straftaten in anderen Bundesländern oder im Ausland könnten hier jedoch nicht angezeigt werden, sagte Marianne Gottwald vom Fortbildungsinstitut der Polizei, das die Anwendung entwickelt hat. Der Geschädigte müsse sich durch zwölf Seiten Formulare klicken, könne aber jederzeit unterbrechen und später weitermachen.

Mehr Anzeigen?

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) steht dem Angebot eher kritisch gegenüber. "Es darf für die Kollegen kein Mehraufwand werden", betonte der DPolG-Vize-Landesvorsitzende Jürgen Ascherl. Nach den Erfahrungen in anderen Bundesländern würden aufgrund der Vereinfachung durchaus mehr Straftaten angezeigt. Auch der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Peter Schall, geht davon aus, dass die Arbeit der Ermittler zunehmen wird. Es sei aber ein guter Service für die Bürger und aus kriminologischer Sicht zu begrüßen. Es gebe aber auch Anzeigen, die problematisch seien, gab Ascherl zu bedenken - etwa gefälschte.

Marianne Gottwald sagte jedoch, in anderen Bundesländern liege die Missbrauchsquote bei nur einem Prozent. Die bayerische Polizei verfolgte 2016 mehr als 600 000 Straftaten - der Großteil davon wurde von Betroffenen selbst angezeigt.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/1819089

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